Robustpferde gesund halten ist (k)eine Wissenschaft!

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Auf diese 3 Dinge kommt es an!

 

Heute erfährst du die 3 wichtigsten Dinge über eine gesunderhaltende Ponyfütterung.

In den letzten zwei Artikeln bin ich auf die Probleme eingegangen, die Robustrassen bei der Gesunderhaltung mit sich bringen. Es klingt verrückt aber Robustrassen sind in Wahrheit nicht robust!

Und ich habe dir gezeigt, worauf es ankommt, wenn dein Pony zu dick ist.

Ich habe dir Hintergrundinformationen aufgezeigt, die dir helfen sollen die Haltung deiner Ponys besser zu verstehen und zu optimieren. Diese Informationen sind mein persönliches Fundament für meine Ponyhaltung.

Mein Lohn sind gesunde, fleißige und motivierte Ponys. Wenn du die anderen beiden Artikel noch nicht kennst empfehle ich dir, diese ebenfalls zu lesen. Denn alle drei ergeben einen Gesamteinblick in meine Pferdehaltung.

 

Kommen wir also nun zurück zur Fütterung mit der Robustpferde gesund und vital bleiben. Und es natürlich auch wieder werden können, insofern nicht bereits Krankheiten ihre Spuren hinterlassen haben.

 

Das A und O für ein gesundes Pony ist das Heu!

Sonst nichts!

Die Qualität und Zusammensetzung des Heus, dass du zur Verfügung hast entscheidet über die Gesundheit deines Ponys. Kein Zusatzfutter der Welt, kann schlechtes Heu kompensieren. Und hast du gutes Heu, sind viele Zusatzfutter unnötig.

 

 

Gute Heuqualität

 

 

Gutes Pferdeheu ist möglichst mager und stängelig, also zu einem späten Zeitpunkt gemäht.

Wird es zu früh geschnitten, ist es noch sehr weich und enthält nicht so viel Rohfaser. Ein Pferd wird aber nicht durch die Menge des Heus satt, sondern durch die Menge der Rohfaser!

Umso stängeliger das Heu, umso mehr muss das Pferd beißen und kauen und wird satt und zufrieden durch die Ermüdung der Kaumuskulatur. Die Heuqualität, vor allem die Gräser, die darin enthalten sind, sind das A und O.

 

 

 

 

 

Für meine Shettys hatte ich eine ganze Weile auch kein optimales Heu. Ich kenne also den Unterschied!

Das Heu damals war eher zuckerreich. Dadurch musste ich die Menge ziemlich konsequent bei 3kg am Tag halten. Sie haben es in null Komma nichts verschlungen und waren ständig heißhungrig.

 

Diese Menge entsprach zwar den 1,5 kg pro 100 kg Körpergewicht was als Grundbedarf für ein Pferd gilt. Es war aber nicht genug, obwohl die Kalorien bereits zu viel waren.

Sie bekamen zu der Zeit noch Stroh zu Verfügung denn die Fresspausen wären sonst einfach viel zu lange geworden. Zudem hatten beide Ponys ständig mit Kotwasser zu tun, wofür ich nie eine Ursache gefunden hatte. Wer selbst mit Kotwasser zu tun hat, weiß wie verzweifelnd diese Situation sein kann.

Vor allem im Winter.

 

So eine Fütterung belastet den Stoffwechsel und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass er früher oder später entgleist.

 

Am Fütterungsmanagement hat sich fast nichts verändert. Aber das Heu ist geeigneter.

Seit meine Ponys nun Heu von mageren, moosigen Wiesen bekommen, ist das Kotwasser wie weggeblasen. Ich kann großzügigere Portionen füttern, dieses Heu wirkt wie eine natürliche Fressbremse.

 

Dadurch ist es auch überhaupt kein Problem, dass nur 2x am Tag gefüttert wird anstatt wie vorher 3x. Die Portionen sind ausreichend groß, dass sie mehrere Stunden daran zu fressen haben.

Ich muss nicht mehr jedes Kilo Heu pingelig genau abwiegen auch wenn ich mich grundsätzlich nach wie vor an die 1,5 kg pro 100 kg Körpergewicht Regel halte.

Stroh gibt es keines mehr.

 

Die Ponys sind auch nicht mehr „aufgebläht“ wie früher. Heute sind sie lediglich nachmittags etwas rundlicher, weil sie einen kleinen Heubauch haben. Ich habe aber schon lange keine Angst mehr, dass sie mir aus allen Nähten platzen könnten nur weil ich mal keine Zeit oder Lust habe sie zu bewegen.

Sie sind viel zufriedener und ausgeglichener und das heißhungrige Verhalten ist weg.

 

Die Fresspausen sind viel geringer dadurch, ganz ohne geht es meiner Meinung nach bei diesen Pferderassen nicht!

Bevor jetzt aber ein Aufschrei kommt:

Man kann das durchaus so gestalten, dass es im Rahmen bleibt und ich sehe die Gefahr eines eventuellen Magengeschwürs als viel geringer an, als die Gefahr von Wohlstandskrankheiten. Diese ganzen 24-Stunden-Füttern-Diskussionen haben ihre Berechtigung, ja.

 

Meiner Ansicht nach gerät die Gesundheit vieler Pferde aber gerade deshalb so extrem aus den Fugen.

Denn ganz so einfach ist es für Robustrassen aus sehr kargen Gegenden eben oft nicht. Vor allem dann nicht, wenn das Heu zu gehaltvoll und eher ungeeignet ist.

 

 

 

 

Fresspausen

 

 

Ich füttere mein Heu zu zwei Dritteln Lose und greife für das übrige Drittel auf ganz engmaschige Netze zurück.

 

Diese Portion in den Netzen dient nur dazu die Fresspausen weitestgehend zu überbrücken. Sie eben möglichst klein zu halten.

Die Netze haben nur 2 cm Maschenweite und nur ein Fassungsvermögen von etwa einem Kilo. Zur Beschäftigung sind sie extrem gut!

Diese Netze sind so eng, dass die Ponys mit einem Kilo Heu gut 5-6 Stunden beschäftigt sind. Sie zupfen hier immer wieder mal ein paar Halme zwischen den Hauptmahlzeiten. Und nur dazu soll es dienen.

Dies beschäftigt sie und verringert die Gier, wenn die nächste lose Portion kommt. Sie sind ganz einfach satt, zufrieden und ausgeglichen. Nicht durch die Menge des Heus, sondern durchs viele kauen auf einzelnen Halmen. Die Zufriedenheit zeigt sich auch darin, dass sie keine Wände anknabbern oder ähnliches. Denn dies ist häufig ein Zeichen von zu wenig Rauhfutter.

 

Mit dem anderen Heu früher, hat das so nicht funktioniert. Es war schlicht unggeeignet für leichtfuttrige Pferde. Die Haltungsbedingungen und die Heuqualität sind extrem ausschlaggebend, ob ein Haltungssystem funktioniert oder nicht.

Für ein Steppentier ist weniger mehr.

 

Und hier kommen wir zu dem wahrscheinlich größten Problem unserer Pferde:

 

 

Unsere Pferde kommen zu dick aus dem Winter

 

 

Unsere Pferde bleiben auch im Winter wohl genährt und kommen zu dick aus dem Winter. In der Natur ist es so, dass die Pferde im Winter zwangsläufig einige Kilos verlieren.

Sie finden weniger Futter.

Für den Stoffwechsel ist es normal im Sommer etwas mehr zuzulegen und im Winter abzunehmen. Bei uns, sind die Pferde rund ums Jahr überversorgt. Das belastet und schadet dem Stoffwechsel. Ein etwas speckiges Pferd im August ist also noch kein großes Drama. Meine Ponys sind auch um diese Jahreszeit am rundesten. Im Herbst wenn das Fell schiebt wie verrückt kann ich die Rippchen aber bereits wieder ertasten. Sie nehmen ab, was auch gut so ist!

Wir müssen hier also nicht aufgrund des Fellwechsels und dem erhöhtem Energiebedarf gleich zufüttern.

Mineralstoffe im Einzelfall vielleicht schon, aber keine extra Kalorien!

Wir können diese Phase für die Gesundheit unseres Pferdes nutzen, indem die Ponys ein paar Pfunde auf natürliche Weise verlieren.

Das ist gesund!

 

 

Als weiteren Grund extra Portionen zu füttern, nehmen Besitzer auch gerne Minus Grade im Winter:

 

 

Das ist in der Regel unnötig!

Die meisten Pferde sind wohlgenährt genug, dass man auch diese Gelegenheit nutzen kann, wenn die Pferde mal ein wenig ihrer großen Reserven verbrauchen. Unsere Winter werden sowieso immer wärmer und von zwei Wochen minus Graden fällt kein Pferd gleich vom Fleisch. Ich finde das eher eine sehr gute Gelegenheit, ein paar Gramm abzuspecken!

Dieses ganze extra füttern ist in den meisten Fällen, völlig unnötig. Diese Extraportionen sind die schlimmsten Übeltäter, die unsere Pferde krank machen. Hier hilft einfach die eigene Disziplin am meisten.

 

Übrigens habe ich mal gelesen, dass Shetlandponys im Winter sogar ihren Stoffwechsel herunterfahren und somit in der kalten Jahreszeit sogar von Natur aus weniger benötigen.

Leider weiß ich die Quelle dieser Aussage nicht mehr und auch nicht ob es wirklich stimmt. Allerdings kann ich es mir anhand meiner Beobachtungen sehr gut vorstellen. Wenn wir hier noch die Tatsache in Betracht ziehen, dass das Shetlandpony in seiner Heimat im Winter nur mit angespühltem Seetang überlebt hat, weil sonst nichts mehr auffindbar war klingt das für mich nachvollziehbar.

Außerdem hörte ich einmal von einem Experiment, dass mit Haflingern und Shetlandponys gemacht wurde. Die Haflinger und Shettys wurden zusammen über den Winter auf einer sehr weitläufigen, naturgetreuen Weide gehalten ohne zugefüttert zu werden. Alle Ponys waren in optimalem Zustand und wurden auch während des Tests tierärztlich betreut. Die Weide war irgendwann natürlich abgefressen und die Haflinger fingen an sichtlich abzunehmen. Irgendwann im Januar oder Februar hat man diesen Test abgebrochen, weil die Haflinger deutlich an Gewicht verloren hatten und es ohne zufüttern nicht mehr gegangen wäre.

Die Shettys dagegen waren fast unverändert in ihrem Gewicht. Sie hätten bis zum Frühjahr sicherlich auch noch ein paar Pfunde verloren, aber sie wären deutlich besser über die Runden gekommen. Im Frühjahr wenn das Gras dann wieder wächst hätten sie sich über den Sommer rund gefuttert und der Zyklus hätte von vorne begonnen.

Für sie ist das natürlich!

Ständig gehaltvolles Heu zur Verfügung zu haben, dagegen nicht.

 

 

Fazit; die meisten Freizeitpferde sind mit gutem Heu und Mineralfutter bestens versorgt.

Weniger ist hier absolut mehr!

Meiner Erfahrung nach sind so gehaltene Ponys fitter und lauffreudiger!

 

 

 

 

Kraftfutter mit schwer verdaulichem Getreide bewirkt hier eher das Gegenteil und macht diese Ponys müde und träge. Und sind sie müde und träge, neigen wir wieder dazu, zu noch mehr Kraftfutter zu greifen.

Ein Teufelskreis beginnt, der sogar soweit gehen kann, dass das Pferd anfängt weniger Heu zu fressen, weil der kleine Magen mit schwerverdaulichem vollgestopft ist. Damit nimmt es weniger Rohfaser auf, die für die Sättigung des Pferdes das allerwichtigste ist. Es kommt nicht auf die Menge und die Kalorien an. Es kommt auf die Menge der Rohfaser und die Anzahl der Kauschläge an. Und deshalb ist es so wichtig, dass Pferde möglichst viele Stunden zu knabbern haben.

 

Probiert es mal aus und lasst das Kraftfutter einfach mal weg. Und trainiert und konditioniert eure Pferde wieder mehr. Haltet sie bei einer gewissen Grundkondition und du wirst ein lauffreudiges, munteres und vitales Pferd haben.

 

Machts gut und bleibt gesund.

Janet

 

 

 

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