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Der Ursprung der Zwerge

 

 

Seit über 2000 Jahren gibt es die kleinen Ponys auf den Shetlandinseln.

Bei verschiedenen Ausgrabungen fand man bereits kleine Knochen, die während der Bronzezeit gelebt haben müssen. Also vor ungefähr 2500 Jahren.

 

Die ursprünglichen Ponys stammten aus Tundren und waren ungefähr 137 cm groß. Auf die Inseln gelangten sie über eine Landbrücke durch Gletscher, bevor sich diese dann zurückzogen. Durch die jahrhundertelange Isolation auf den Inseln reduzierte sich die Größe der Ponys nach und nach immer weiter.

 

Die Inseln sind felsig und haben eine stark zerklüftete Küstenlinie. Das Binnenland ist hüglig und Großteils mit einer Moorschicht bedeckt, auf der nur kümmerliches Grünzeug wächst.

 

Über Jahrhunderte verweisen Berichte immer wieder auf die kleine Statur, Kraft, Härte und Langlebigkeit dieser kleinen Ponys. Die Ponys wurden nicht durch die spärlichen Lebensbedingungen so klein. Es waren die kleinen Ponys, die diese spärlichen Bedingungen überhaupt überleben konnten, während größere Pferde verhungerten.

 

Die harten Winter auf den Inseln, mit wenig Futter sind der Grund für die Härte und Reinheit dieser Rasse.

 

Nur die härtesten Vertreter überlebten.

Dies deutet nicht etwa auf Vernachlässigung der Besitzer hin, sondern auf die Schwierigkeiten des verfügbaren Futters.

Auch die Schafe und Rinder mussten überleben!

 

Kein Ort auf den Inseln ist weiter als 3 Meilen von der Küste entfernt. Teilweise mussten die Ponys im Winter sogar den vom Meer angespühlten Seetang fressen um zu überleben.

 

Auf der Insel entwickelten sich die Ponys mit relativ wenigen Importen und die wenigen Ponys, die man auf die Inseln brachte, waren wegen der Transportschwierigkeiten durchs Meer, gezwungenermaßen klein.

 

Vor etwa 1000 Jahren fingen Siedler an, einige mitgebrachte Hengste einzukreuzen. Ansonsten hat sich die Rasse reinblütig erhalten.

 

 

Das Klima auf Shetland

 

 

Die Wetterbedingungen auf den Shetlandinseln sind extrem!

Das ganze Jahr hindurch muss mit Regen, Nebel und Sturm gerechnet werden.

 

Der Sommer ist die trockenste Zeit.

Generell ist es aber das ganze Jahr sehr feucht mit sehr hohen Niederschlagsmengen im Winter.

 

Insgesamt ist das Klima durch den Golfstrom, sehr mild auf den Inseln. Im Winter gibt es nur in Ausnahmefällen Frost und Schnee. Auf den Shetlandinseln gibt es lange, milde Winter und kurze, kühle Sommer mit durchschnittlich 15 Grad. Das Wetter ist meist bewölkt und es regnet an über 250 Tagen im Jahr.

 

Es ist sehr häufig, sehr windig. Die regenfreien Zeiten meistens nur sehr kurz. Durch das harte Klima, konnten nur die härtesten Tiere gedeihen und überleben.

 

 

Fellbeschaffenheit (Yetipelz)

 

 

Dieses Klima erklärt auch die feste, dicke Fellbeschaffenheit der Shetlandponys.

 

In unseren Breitengraden tut sich diese Rasse deshalb häufig sehr schwer.

 

Die Temperaturen haben bei uns viel größere Schwankungen!

Wärme oder gar Hitze über 20 bis 30 Grad machen ihnen dabei allerdings sehr viel mehr zu schaffen als eisige Kälte.

 

Shetlandponys haben auch im Sommer recht dichtes Fell, weil es in ihrer Heimat ja ständig regnet und kaum über 15 Grad warm wird. Durch die vielen Regentage auf den Inseln, ist es notwendig, ein sehr wasserdichtes Fell zu haben.

 

Und zwar ganzjährig!

 

Durch diesen wasserdichten Yetipelz, wie ich ihn gerne nenne, haben die Ponys aber auch bei unseren härteren Wintern keinerlei Probleme. Minusgrade im zweistelligen Bereich sind für sie zwar nicht natürlich, aber sie kommen bestens damit zurecht.

 

 

3 Fakten über das Shetlandpony

 

 

Die stärkste Pferderasse

 

 

Für seine Größe ist das Shetlandpony, die stärkste aller Pferderassen.

 

Die Ponys wurden verwendet um Algen und Torf für die Felder und seine Besitzer zu transportieren. Sie waren bis Mitte des 19. Jahrhunderts keine Zugtiere, sondern Lasttiere, denn es gab keine richtigen Straßen.

 

Sämtliche Transporte wurden mit Booten und Ponys getätigt. Das Shetlandpony ist fähig schwere Lasten, trittsicher durch raues und schwieriges Gelände zu tragen.

 

Als England den Einsatz von Kindern in Kohlegruben verbot, gab es eine große Nachfrage für Grubenponys. In den Bergwerken wurden sie zum ersten Mal als Zugtiere eingesetzt und im schweren Typ gezüchtet.

 

Viele Ponys mussten ihre Freiheit gegen die Dunkelheit der Minen austauschen. Ihre gefügige und willige Art ermöglichte es ihnen, sich sehr gut an ihre unterirdische Umgebung anzupassen. Auch ich schätze diese willige Art sehr. Wie sich die allgemeine Meinung bilden konnte, dass Shettys Nichtsnutze und stur seien, kann ich mir nur mit der Unfähigkeit und Unwissenheit des Menschen erklären! Denn dieses Schubladendenken haben sie nicht verdient.

 

 

Ein Shetlandpony kann 1,4 mal so viel ziehen, als ein Kaltblut. Es ist beeindruckend welch eine Leistung, Kraft und Ausdauer die Zwerge an den Tag legen können. Und das ist es auch, was mich an ihnen so fasziniert.

 

 

Shettys in Deutschland

 

 

Wenn wir diese Geschichte mal näher betrachten, mit wie wenig Futterangebot bei harten klimatischen Bedingungen, diese Rasse überleben musste und konnte, dann finde ich, ist es leichter zu verstehen, warum diese Rasse bei uns in Deutschland so massive Probleme hat.

 

Viele merken das nur nicht bewusst.

 

Shettys sind halt klein und rund.

 

Viele denken wirklich das gehört so.

 

Die Wahrheit aber ist, dass sehr viele Shettys einfach nur völlig verfettet und unterbeschäftigt irgendwo herumstehen und ein langweiliges, ungesundes Leben fristen.

 

 

Wann hast du zum letzten mal, ein schlankes Shetlandpony gesehen?

 

 

Eben weil diese Rasse so extrem genügsam ist, sind ihre Haltungsbedingungen gar nicht immer so einfach.

In Deutschland haben wir das Problem, von generell zu energiereichem Futter.

 

In den 80er Jahren, mit der Industrialisierung der Milchbetriebe kam es dann noch dazu, dass immer mehr Hochleistungsgräser auf unseren Wiesen wachsen. Diese zuckerreichen Powergräser, sind besonders für die leichtfuttrigen Nordpferderassen ein immer größeres Problem.

Denn wir gewinnen ja auch unser Heu von solchen Wiesen und das ist einfach alles viel energiereicher als in ihren Ursprungsländern.

 

Daher kommt es, dass solche Pferde bei uns immer mehr verfetten. Wir haben immer mehr mit Wohlstandskrankheiten bei unseren Pferden zu tun und diese Rassen sind da ganz vorne mit dabei.

 

Ein Shetlandpony kann man nicht einfach 24 Stunden auf eine Wiese stellen. Und schon gar nicht kann man denken, dass man sein Pony nicht zu bewegen braucht, denn es steht ja im Offenstall.

 

Wenn das so einfach funktionieren würde, würden die Ponys nicht alle mit kugeln weiterkommen, als mit Laufen.

 

 

Das Shetlandpony im Rasseportrait

 

 

 

Beistellpony und Rasenmäher

 

 

Shetlandponys sind aufgrund dieser Genügsamkeit die wahrscheinlich ungeeignetste Rasse überhaupt, sie nur als Beistellpony zu nutzen.

 

Leider werden sie sehr häufig als genau das benutzt!

 

Als billiges Beistellpony.

 

Man bekommt sie an fast jeder Ecke, für wenige Hundert Euro hinterhergeworfen.

 

Es wird aber im Vorfeld häufig nicht bedacht, dass man so ein leichtfuttriges Pony nicht einfach so problemlos, mit größeren Pferden zusammenstellen und gesund halten kann.

 

Shetlandponys sind Pferde! Wie jedes andere Pferd auch.

 

Sie haben dieselbe Aufmerksamkeit, Ausbildung, Beschäftigung und Versorgung verdient wie jedes Pferd!

 

Was soll das, sie einfach nur als Beistellpony zu benutzen, nur damit das andere Pferd nicht alleine steht? Dann hat man dafür Sorge zu tragen, dass es auf anderem Wege nicht alleine steht!

 

Stelle dein Pferd irgendwo ein, oder suche dir einen Einsteller, wenn du Selbstversorger bist. Ich weiß, alles nicht immer so einfach. Aber leider sieht die Realität oft so aus, dass man sich ein größeres Pferd als Beisteller nicht leisten will oder kann und dadurch zum günstigen Shetlandpony gegriffen wird.

 

Am Ende ist das aber überhaupt nicht einfacher!

 

Spätestens wenn das Pony dann fett und krank ist, wird es nämlich richtig schwierig und vor allem teuer!

 

Man bekommt sie fast geschenkt und kann an fast jeder Ecke eines „retten“.

 

Sie fressen nur sehr wenig und sind somit vermeintlich günstig in der Haltung. Mit wie wenig Futter diese Rasse aber tatsächlich auskommt, ist den wenigsten wirklich bewusst.

 

Denn immer wieder fragen mich Leute wie ich meine Ponys so gut bei Figur halte und sind immer sehr erstaunt, wenn ich diese Frage beantworte.

 

Die meisten haben keine realistische Vorstellung davon,

 

WIE WENIG,

 

wenig Futter bedeutet.

 

Sehr wenig Futter, ist in Kombination mit einem Großpferd, schnell viel zu viel.

 

In Null Komma nichts verfetten solche Ponys und sterben zudem fast vor Langeweile.

 

Und ich werde es nie verstehen! Es wird erst darüber nachgedacht, wenn das Pony dann fütterungsbedingte Krankheiten wie Hufrehe hat.

 

Das spart dann am Ende auch kein Geld mehr. So ein Hufreheschub kostet richtig viel Geld! Von den quälenden Schmerzen die das Pony durchmachen muss mal ganz abgesehen.

 

Shetlandponys sind keine Rasenmäher und Unterhalter!

 

Sie sind vollwertige Pferde!

 

Bitte behandelt sie auch so! Jedes Lebewesen hat ein Recht dazu!

 

 

Shettys für die Kinder

 

 

Was ich jetzt schreibe gefällt vielen nicht:

 

Ein Shetlandpony ist absolut kein Kinderpony!

 

Klar, Kinder sind von den Zwergen besonders begeistert und Zwerge und Kinder sehen für uns besonders süß aus.

 

ABER, sie sind weder Spielzeug noch Babysitter.

 

Viele denken sie kaufen ein kinderliebes Pony für ihr Kind und dann kann man die beiden sich selbst überlassen. Wenn ihr vorhabt für euer Kind ein Shetlandpony zu kaufen, dann bitte nur, wenn ihr selbst euch auch darum kümmern und es beschäftigen wollt.

 

Ein Kind kann kein Pferd erziehen und dabei sich selbst überlassen sein. Das sollte sowieso nur unter Anleitung passieren. Die Sturheit die den kleinen oft nachgesagt wird ist einfach IMMER mangelnde Erziehung.

 

Ponys, die sich langweilen sind eben schnell sehr einfallsreich.

 

Vor Jahren stolperte ich über einen Spruch der es auf den Punkt bringt:

 

 

 

Beschäftige dein Shetty sonst beschäftigt es dich!

 

 

 

Besser kann man den Nagel nicht auf den Kopf treffen!

 

Shetty und Kind können eine tolle Kombination sein. Aber nur, wenn man als Erwachsener selbst auch Interesse am Umgang mit Shettys hat. Um ein Kind einfach nur zum Führen auf ein Pony zu setzen, kann ich auch ein größeres Pferd wählen. Denn dann muss man eh bedenken, das Kind kann nicht ewig auf dem Zwerg reiten.

 

Da Shettys 30 Jahre und älter werden sollte man sich das also schon vor der Anschaffung gut überlegen.

 

Shettys sind unglaublich vielseitig. Es gibt so viele tolle Dinge außer reiten die man mit den Ponys machen kann.

 

Nur als Kinderpony, sollte man sich die Zwerge nicht anschaffen. Es sind Lebewesen, die man nicht einfach weiterverkauft, wenn man sie nicht mehr braucht. Lasst diese liebenswerten Zwerge nicht zum Wanderpokal werden.

 

 

Shettys als Freunde und Partner

 

 

Wenn man das Herz eines Shettys gewinnt und sich wirklich mit ihnen beschäftigt, hat man witzige, kreative, willige und fleißige Partner an seiner Seite.

 

Von Sturheit kann hier keine Rede sein.

 

Fakt ist, durch ihre Kreativität benötigt es besondere Aufmerksamkeit in der Erziehung. Ein als „Stur“ bezeichnetes Shetty, zeigt in der Regel irgendwelche Unarten, die lediglich mangelnde Erziehung bedeuten.

 

Gerade die „Kinderponys“ sind häufig besonders stur.

 

Weil Kinder allein so ein Shetty eben nicht erziehen können. Nicht mehr und nicht weniger steckt dahinter.

 

Das was häufig als Sturheit ausgelegt wird, ist in Wirklichkeit nicht geförderte Intelligenz!

 

Wenn ich ein Pferd das ganze Jahr nicht anfassen würde und es nur auf der Weide steht, dann brauch ich mich ja genauso wenig zu wundern, wenn das Pferd keinen Grundgehorsam an den Tag legt. Woher soll der dann auch kommen?

 

Wer dagegen den Charme eines Shetlandponys für sich entdeckt, kommt meist nicht mehr von ihnen los.

 

Shettys machen süchtig!

 

Shettys sind sehr intelligent und lernen äußerst schnell. Dies gilt für die guten Dinge, aber genauso für irgendwelche Unarten.

 

Sie sind zwar sehr klein, aber sollten als echte Pferde wahrgenommen und so behandelt werden. Aufgrund ihrer Größe werden sie meist völlig unterschätzt!

 

Mein erstes eigenes Pferd war ein Shetlandpony und mit dieser Rasse erwachte meine Kreativität zur Beschäftigung ohne zu reiten. Ich habe einen riesen Spaß an Bodenarbeit entwickelt, longiere sie, laufe am Langzügel, gehe spazieren und wandern und fahre meine Ponys ein- und zweispännig vor der Kutsche. Auch als pferdegestützte Coaches sind sie richtig gut.

 

Ich habe diese liebenswerte Rasse einfach zum fressen gerne und kann es einfach nicht verstehen, wenn sie nur irgendwo auf einer Wiese versauern. Sie sind Ponys für die ganze Familie, die einen langjährig begleiten können.

 

Ich werde immer wieder belächelt was ich mit diesen Zwergen denn anfangen will.

 

Auch erlebe ich immer wieder Ablehnung, wenn ich mit der Kutsche unterwegs bin, denn die armen kleinen müssen ja so schwer ziehen.

 

Meine Ponys müssen zwei Drittel ihres Körpergewichts ziehen, das ist bei weitem nicht am Limit. JEDES Pferd ist in der Lage sein eigenes Körpergewicht mit Leichtigkeit zu ziehen. Und wie ich bereits erwähnte sind Shettys im Verhältnis zu einem Kaltblut 1,4 mal so stark. Das eigene Körpergewicht zu ziehen ist für kein Pferd ein Problem. Bei mir ist es sogar weniger. Also überhaupt kein Grund zur Sorge. Wer sich ein Shetty anschafft muss also auch damit irgendwo klar kommen das unwissende Menschen einen blöd anreden, wenn man sein Shetty so „quält“.

 

Die wirkliche Qual ist aber, sein Pony völlig zu überfüttern bis es krank wird und seelisch total verkümmern zu lassen.

 

Bitte beschäftigt eure Shettys wie vollwertige Pferde!

 

Denn das sind sie!

 

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