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Das Shetlandpony
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Eine Hilfestellung für die richtige Entscheidung

 

Das Scheren ist ein umstrittenes Thema, dass immer wieder heftig und emotional diskutiert wird.

Jeder hat so seine Ansichten. Ich möchte meine Ansicht dazu heute teilen und vor allem sie so gut wie möglich begründen.

Denn ich versuche immer die bestmögliche Entscheidung für meine Ponys zu treffen. Dabei stütze ich mich nicht auf Behauptungen, sondern halte mich an Fakten und versuche das ganze logisch zu bewerten.

 

 

 

 

 

Ein Argument das häufig dazu fällt:

 

 „das ist nicht natürlich“ oder „das war von der Natur nicht so gedacht“.

 

Nein das war es nicht, dass ist völlig richtig!

 

Von der Natur war aber auch nicht gedacht, dass wir die Pferde zu unserem Nutzen halten.

Dass wir sie in eingezäunte Areale stecken oder gar in Pferdeboxen.

Dass wir Wettkämpfe mit ihnen bestreiten oder uns spazieren tragen lassen.

 

Ganz streng genommen ist es schon im Grundsatz nicht natürlich ein Pferd überhaupt zu halten!

ABER: das heißt nicht, dass ich der Meinung bin, wir müssten jetzt alle einfach laufen lassen.

Das ist absolut unrealistisch.

 

Pferdehaltung ist immer ein Kompromiss!

Und das betrifft auch die Pferdemenschen, die denken, sie machen alles zu 100 % richtig! 😉

 

Wir greifen schon mit der Tatsache, dass wir uns ein Pferd halten in seine Natur ein.

 

 

 

 

 

 

Somit ist das einfach für mich überhaupt kein Argument! Denn wenn wir schon in seine Natur eingreifen, dann gestalten wir es doch so sinnvoll und angenehm wie möglich. Das sehe ich als Pflicht eines jeden Pferdehalters!

 

 

Ich zitiere aus den Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltung unter Tierschutzgesichtspunkten:

(Punkt 2.2.1.)

 „Um die physiologische Funktion des Haarkleides nicht unnötig zu beeinträchtigen, sollen das Eindecken zur Verhinderung des Fellwachstums sowie das Scheren des Fells an den Notwendigkeiten orientiert werden“

 

Ich war auf einem Vortrag da wurde diese Leitlinie von einem Schergegner als Gesetz interpretiert: Es sei verboten in die Thermoregulation des Pferdes einzugreifen. Das ist gegen das Tierschutzgesetz. Es sei eine Schande, dass JEDER für sich einen besonderen Grund hat, sein Pferd zu scheren. In Wahrheit gäbe es außer aus gesundheitlicher Notwendigkeit keine Gründe. In Wahrheit würde das vielleicht 2% der Pferde betreffen. Komischerweise sehe sich jeder zu diesen 2% zugehörig, eben einen besonderen Grund zum Scheren zu haben.

 

 

Eine Leitlinie ist kein Gesetz!

 

 

Ich interpretiere lediglich da rein: sowenig wie möglich, soviel wie nötig.

Was ist jetzt aber nötig und was nicht?

Was sind gute Gründe und was nicht?

 

Darauf möchte ich im Folgenden noch weiter eingehen. Die Argumente und Überlegungen aufzeigen, nach denen ich dieses Thema beurteile die mich zu meiner Entscheidung führen. Und vielleicht hilft es auch euch bei der Entscheidung.

 

 

Thermoregulation

 

 

Pferde fühlen sich am wohlsten zwischen 5° und 15° Grad. Viel zu oft übertragen wir unser eigenes Empfinden auf das der Pferde. Wir Menschen sind als ursprüngliche Höhlenbewohner aber eine ganz andere Spezies.

 

Das Pferd als Steppentier reguliert seine Temperatur ganz anders. Pferde können sich an große Temperaturschwankungen sehr gut anpassen. Wenn der Mensch also bei nasskalten 5° friert, dann fühlt das Pferd sich gerade am wohlsten und benötigt in der Regel keine Decke.

Nordische Rassen kommen noch viel besser mit Temperaturschwankungen zurecht. Minus 15° bis plus 25° Grad ist eine Temperaturspanne in der man sich bei einem gesunden und vitalen Pferd, keine Sorgen zu machen braucht.

 

Die Thermoregulation setzt sich aus Haut, Fell, Blutgefäßen und Schweißdrüsen zusammen. Diese vier Komponenten spielen perfekt zusammen und machen es dem Pferd möglich sich großen Temperaturunterschieden anzupassen.

 

Die Fellwechsel werden durch die Tageslänge reguliert. Sobald die Tage kürzer werden fängt das Winterfell an zu sprießen, ab der Wintersonnenwende, wenn die Tage wieder länger werden, werden die ersten Haare wieder abgestoßen.

 

Lediglich die Länge und Dicke der Haare wird auch vom Klima beeinflusst, wodurch der Glaube kommt, mit rechtzeitigem eindecken im Herbst, dass Fellwachstum eindämmen zu können.

 

Ich halte davon sehr wenig, denn für mich ergibt es keinen Sinn das Pferd bereits im September mit einer Decke zu belasten nur damit das Winterfell sich nicht so dick ausbildet. Wachsen tut es ja trotzdem.

 

Im September und Oktober haben wir teilweise noch 20 Grad und mehr und die Pferde bei solchen Temperaturen einzudecken halte ich für sehr fragwürdig.

Für mich ist es absolut unlogisch ein Pferd im September schon bei plus Graden unter einer Decke schmoren zu lassen, nur dass es im Winter weniger schwitzt bei der Arbeit?

Ich kann es drehen und wenden.

Ich halte von dieser Methode überhaupt nichts.

Bei nordischen Rassen, die Pelze wie Yetis ausbilden erst recht nicht!

 

Die Haare werden durch die Haarbalgmuskeln gesteuert. Je nach Temperatur, werden die Haare aufgestellt oder angelegt. Bei nordischen Rassen kann man diesen Effekt besonders gut erkennen.

Meine Shettys sind bei richtig kalten Temperaturen plüschig, aufgeplusterte Kugeln. Ist es wärmer liegt das Fell glatt am Körper an und sie sind gefühlt 50 kg schlanker.

 

Das Unterfell und die Haut bleiben immer trocken, denn Wasser fließt an den oberen Deckhaaren ab. Wir müssen darauf achten, Offenstallpferde nicht zu häufig gründlich zu putzen um den natürlichen Fettfilm nicht zu zerstören. Auch Dreck und Schlammkrusten schützen das Pferd vor den Umwelteinflüssen.

Die gute isolierende Wirkung des Pferdefells sieht man, wenn es schneit denn dann bleibt der Schnee auf dem Pferd liegen ohne zu schmelzen. Diese Schneeschicht dient sogar zu einer weiteren Isolation und hält das Pferd darunter warm.

Blutgefäße erweitern und verengen sich je nach Temperatur. Durch das verengen wird der Wärmeverlust gesenkt. Zum kühlen des Körpers, erweitern sich die Gefäße und die Schweißdrüsen bilden Schweiß.

 

 

Decken verhindern Thermoregulation

 

 

Legen wir eine Decke auf das Pferd, werden die Haare an ihrem natürlichen Aufstellmechanismus gehindert. So kann es passieren das wir denken im Winter reicht es eine Regendecke aufzulegen, weil das Pferd ja sein Winterfell hat und es nur darum geht den Rücken vor Nässe zu schützen.

 

Durch das Aufliegen der Decke können sich die Haare aber nicht mehr aufstellen und das wärmende Luftpolster bilden. Somit kann es bei kalten Temperaturen nötig sein, sein Pferd mit einer leicht gefütterten Decke vor Regen zu schützen.

 

Daher kommt es, dass eingedeckte Pferde tatsächlich empfindlicher sind, bzw. es durch die Decken werden.

 

Es ist auch ein bisschen wie ein Teufelskreis, wenn man mal angefangen hat. Viele Pferde werden aus menschlichem Empfinden eingedeckt, weil wir bei 5° frieren und unser Empfinden auf das Pferd übertragen.

Jetzt decken wir das Pferd ein und behindern dadurch seine natürliche Regulation. Das Pferd wird dadurch empfindlicher und wir werden darin bestätigt, dass das Pferd die Decke ganz dringend benötigt. Ja man kann bei manchem Pferd dann auch wirklich die Decke nicht einfach wieder weglassen.

 

Wir sollten also schon von Anfang an ganz genau überlegen ob wir wirklich eine Decke benutzen.

 

 

Pferde können ihren Körper nur ganz oder gar nicht heizen.

 

 

Eine Decke, deckt das Pferd punktuell ab, manche Körperteile bleiben frei. Muss das Pferd also jetzt Beine und Hals wärmen, heizt es den ganzen Körper und unter der Decke kann sich dadurch schnell zu viel Hitze bilden.

Bei nicht geschorenen, eingedeckten Pferden und plus Graden finde ich das eine katastrophale Mischung.

Das ist es, was Pferde krank machen kann.

Wenn wir so ungünstig in die Regulation eingreifen und das Pferd nicht mehr richtig dagegen regulieren kann.

 

Setzen wir das Pferd nun auch noch einem warmen Stall aus, stundenweise dann wieder sehr kalter Winterluft und trägt es dabei auch noch eine Decke, lassen wir die Thermoregulation regelrecht Achterbahn fahren. Dies ist auch ein Grund warum Zugluft dann schnell gefährlich werden kann und das Pferd einfach insgesamt anfälliger wird krank zu werden. Die Lösung ist dann aber nicht noch mehr Wärme, sondern eigentlich darauf zu achten die natürliche Thermoregulation nicht so sehr zu stören.

 

 

Ein nicht bestreitbarer Fakt ist:

 

 

Scheren setzt die Thermoregulation vollständig außer Kraft!

 

 

Das lässt sich nicht wegdiskutieren und das ist es was so viele Gegner hervorruft. Mir ist das aber nicht tief genug durchdacht.

Für mich macht eindecken nur Sinn, wenn ich vorher das Fell auch wegnehme. Eindecken ohne zu scheren halte ich grade im Winter, eher für schädlich, außer es geht nur darum das Pferd mit so wenig wie möglich vor Nässe zu schützen. Wenn ich möchte, dass mein Pferd weniger schwitzt oder schneller trocknet nach der Arbeit, dann nehme ich ihm lieber das Fell weg und ersetze es durch eine Decke.

 

Denn dann sollte man als Mensch die Regulation lieber vollständig übernehmen, anstatt das Pferd in seiner natürlichen Regulation nur zu behindern oder es damit sogar zu schädigen.

 

Dass die Pferde bei Kälte frieren könnten, müssen wir uns grundsätzlich überhaupt keine Sorgen machen. Viel mehr Sorgen muss man sich um das schwitzende Pferd machen, dass im Offenstall steht, oder das eingedeckte Pferd das unter der Decke im warmen Stall schmort.

 

Die nordischen Rassen haben einen extrem dichten Yetipelz, der sie selbst bei minus Graden schnell zum Schwitzen bringen kann. Zudem kommt; unsere Winter werden immer milder und die Pferde stehen mit voll ausgebildetem Pelz bei plus Graden herum.

Und das ist mein Hauptgrund, warum ICH schere. Denn ich kann eher verantworten den Ponys eine Teilschur zu verpassen, als sie jeden Tag stundenlang verschwitzt bei kühlen Temperaturen herumstehen zu lassen. Im folgenden gehe ich noch tiefer auf weitere Argumente ein.

 

 

Ein beeindruckender Versuch

 

 

Bei einem Vortrag eines Tierarztes habe ich von einem Vergleichstest gehört. Ein ungeschorenes Warmblut wurde im Winter 30 Minuten gearbeitet und zum Schwitzen gebracht.

Danach wurde die Körpertemperatur beobachtet während das Pferd im Schritt trocken geführt wurde. Es wurde also nicht mal einfach irgendwo abgestellt, sondern sogar in Bewegung gehalten.

 

 

Die Körpertemperatur beim Pferd, ist innerhalb von Minuten rapide abgesunken!

 

 

Sie sank schnell unter 35°Grad und das Pferd war da noch nicht trocken. Es war also nach kurzer Zeit deutlich unterkühlt obwohl es sogar im Schritt noch geführt wurde. Wie sähe es wohl aus, wenn man solch ein Pferd einfach in eine Box oder gar in einen Offenstall zurückstellen würde.

 

Am nächsten Tag hat man das Pferd geschoren und das Ganze bei selber Außentemperatur wiederholt.

Das Pferd schwitzte erst gar nicht so stark, war dreimal so schnell wieder trocken und es kühlte nicht aus. Die Körpertemperatur regulierte sich nach der Anstrengung ganz schnell wieder in den normalen Bereich.

Wenn ich mir jetzt noch einen nassgeschwitzten Pelz von 15 cm Felllänge vorstelle und wie viel länger das dann zum Trocknen benötigt im Gegensatz zum Warmblut…

Jeder kann da jetzt selbst seine Schlüsse daraus ziehen!

 

Der oben bereits genannte Schergegner sagte mir damals:

„Das liegt rein an der Kondition des Pferdes. Wenn mein Pferd nicht damit zurecht käme, nassgeschwitzt in einen Offenstall zurückgestellt zu werden, dann hat es nicht das richtige Training. Gut trainierte Pferde kommen damit gut zurecht“

 

Naja, für mich kein Argument.

 

Meine Ponys sind gut trainiert und schwitzen dadurch auch nicht so schnell. Nur wenn sie unter dem Pelz mal anfangen, dann dauert es erst ewig bis die Nässe nach außen überhaupt durchkommt und dann schwitzen sie lange Zeit nach. Es dauert einfach länger bis die Nässe vom Körper wegtransportiert ist.

Und dickes langes Haar benötigt einfach länger zum Trocknen, als dünneres kurzes Haar.

Das lässt sich nicht wegdiskutieren und hat für mich rein gar nichts mit Kondition oder ähnlichem zu tun. Ich finde man kann da die kürzer haarigen Warmblüter auch überhaupt nicht mit den Robustrassen vergleichen.

 

 

Das Klima auf Shetland

 

 

Die Wetterbedingungen auf den Shetlandinseln sind extrem. Das Ganze Jahr hindurch muss mit Regen, Nebel und Sturm gerechnet werden. Der Sommer ist die trockenste Zeit. Generell ist es aber das ganze Jahr sehr feucht mit sehr hohen Niederschlagsmengen im Winter. Insgesamt ist das Klima durch den Golfstrom, sehr mild auf den Inseln. Im Winter gibt es nur in Ausnahmefällen Frost und Schnee ist sehr ungewöhnlich. Auf den Shetlandinseln gibt es lange, milde Winter und kurze, kühle Sommer mit durchschnittlich 15 Grad. Das Wetter ist meist bewölkt und es regnet an über 250 Tagen im Jahr. Der Wind ist rau und häufig. Regenfreie Zeiten meistens nur sehr kurz. Durch das harte Klima, konnten nur die härtesten Tiere gedeihen und überleben.

 

 

Fellbeschaffenheit (Yetipelz)

 

 

Dieses Klima erklärt die feste, dicke Fellbeschaffenheit der Shetlandponys. In unseren Breitengraden, in Deutschland, tut sich diese Rasse oft sehr schwer. Da die Temperaturen viel größere Schwankungen haben. Wärme oder gar Hitze über 20 bis 30 Grad machen ihnen sehr viel mehr zu schaffen als Kälte.

Shetlandponys haben auch im Sommer recht dichtes Fell, weil es in ihrer Heimat ja ständig regnet und kaum über 15 Grad warm wird. Durch die vielen Regentage auf den Inseln, ist es notwendig, ein sehr wasserdichtes Fell zu haben. Und zwar ganzjährig. Durch diesen wasserdichten Yetipelz haben die Ponys aber auch bei unseren härteren Wintern keinerlei Probleme. Auch Minusgrade im zweistelligen Bereich sind für sie nicht natürlich, aber sie kommen bestens damit zurecht. Viel besser kommen sie mit der Kälte als mit Hitze zurecht.

 

 

Wie ich es handhabe

 

 

Ich handle immer nach dem Motto: so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig. Meine Ponys setzen sich wahnsinnig gerne sämtlichen Wettern aus und deshalb möchte ich möglichst nicht zu Decken greifen müssen.

Aber ich arbeite meine Ponys auch regelmäßig und dabei kommen sie auch ins Schwitzen. Gerade an nassen Tagen kann ich sie dann ja aber nicht einfach mit einer Abschwitzdecke in den Laufstall zurückstellen. Sie würden sich mit der Decke auf dem Rücken beregnen lassen und hätten dann eine nasse Decke auf dem Rücken liegen. Ich möchte keine Rücksicht aufs Wetter nehmen müssen, denn ich möchte mit meinen Ponys etwas unternehmen, wenn ich Zeit für sie habe und nicht wenn das Wetter gerade mal passt. Zumal ich nass kalte Tage als das Beste Ponywetter ansehe um mit motivierten Pferdchen etwas zu unternehmen.

Stehen lassen oder nur ein bisschen Schritt gehen nur dass sie nicht schwitzen ist für mich keine Option!

 

Ich habe einige Jahre experimentiert und probiert und dass ist für mich nun die beste Lösung:

 

 

 

 

 

 

Zwei Teilschuren im Herbst

 

 

Ich schere meine Ponys bereits im September zum ersten Mal. Da werden sie nämlich schon sehr plüschig. Es ist nicht ungewöhnlich das wir im Oktober Temperaturen von 25 Grad haben und da sind sie bereits sehr träge unter der dicken Unterwolle, die sich da bildet.

Ich schere Brust, Hälfte des Halses und Ganaschenbereich weiter über die Schulter den Bauch und über die Flanke einen Streifen zur Hinterhand. Im Bauchbereich achte ich darauf unterhalb der Linie zu bleiben die bei Regen immer trocken bleibt. Das Fell wo das Wasser von oben abtropft bleibt stehen.

So sind die Bereiche die am meisten schwitzen freigelegt. Dadurch trocknen sie insgesamt aber viel schneller, wenn sie schwitzen und sie benötigen nach den Teilschuren keine Decke. Bauch und Hals wäre ja unter der Decke sowieso auch nicht abgedeckt. Und obenrum haben sie ihr Fell ja noch, was ihnen vollkommen reicht.

Am 15. Oktober ist dann meine 2. Schur fällig. Das ist mein Stichtag. Da schere ich das Ganze nochmal nach. Hier herrschen immer noch warme Temperaturen wo man richtig merkt wie erleichtert die Ponys sich fühlen. Sie sind danach viel arbeitswilliger und fleißiger.

 

Im ersten Jahr hatte ich zu viel geschoren, da haben sich die Ponys ohne Decke, nicht mehr den Wettereinflüssen ausgesetzt. Das zeigte mir, dass sie nicht mehr geschützt genug waren. So wie ich es jetzt mache, bemerke ich keine Einschränkungen. Ich decke auch im Oktober nicht ein, selbst wenn es bereits nachts 0 Grad hat.

Die Ponys sind in ihrem Verhalten nicht gestört und sie stellen sich sogar bei Regen raus. Das ist für mich ein Zeichen, dass sie die Schur nicht einschränkt denn sonst kämen sie aus ihrer Hütte nicht mehr heraus.

Zudem wächst ab Mitte Oktober noch immer genug Fell bis Dezember nach, dass sie bestens für den Winter gerüstet sind. Diese nachgewachsenen Haare sind dann auch wieder wasserdicht und in der Lage sich aufzustellen und glatt hinzulegen. Also es ist wieder eine Thermoregulation da, obwohl das Fell nun deutlich kürzer ist. Wir kommen so bestens über den Winter und auch zweistellige Minusgrade sind kein Problem. Immerhin ist das gekürzte Fell trotzdem noch dichter und länger als das Winterfell eines Warmblutes.

 

 

 

 

 

 

Einmal komplett im Frühjahr

 

 

Ende März schere ich radikal alles runter, egal wie die Temperaturen sind.

Hier decke ich dann entsprechend mit leicht gefütterten Decken und Regendecken ein. Warum ich da plötzlich so radikal bin?

Ich habe auch hier experimentiert.

Ab April haben wir in der Regel schon wieder Tage mit 20° Grad plus. Anfangs habe ich im März wieder die Schur vom Herbst wiederholt. Ab diesem Zeitpunkt wächst dann Sommerfell nach. Das Winterfell generell benötigt bei einem Shetty aber bis Juni, bis es wirklich gewechselt hat. Wenn wir noch berücksichtigen wie das Klima auf den Shetland Inseln ist, dann haben Shettys sowieso ganzjährig sehr dichtes Fell.

 

Im Mai haben wir nicht selten schon sommerliche Temperaturen. Die Ponys sind matt und belastet unter dem dicken Pelz. Selbst wenn sie Teilgeschoren sind. Im ersten Jahr war es also so, dass untenrum dann schon schönstes Sommerfell nachgewachsen ist, oben war aber immer noch ziemlich viel Pelz. Im Mai habe ich das dann irgendwann doch noch weggeschoren.

 

Das Problem dabei: Man schneidet die Sommerfellspitzen die unter dem restlichen Winterpelz bereits da sind, mit ab. Das Fell ist dadurch, über den ganzen Sommer matt geblieben. Zudem bin ich dann bei 4x scheren im Jahr. Deshalb habe ich mich nun entschieden im März einmal alles radikal wegzuscheren und dann ist Ruhe bis zum Herbst, wenn es dann von vorne losgeht.

 

Im März nehme ich dann also in Kauf etwa 4 Wochen mit Decken zu hantieren. Der Aufwand hängt dann halt vom Wetter ab. Zu diesem Zeitpunkt wächst das Fell aber schon sehr schnell nach und ab April können sie meist schon wieder ohne Decke auskommen.

Hier muss man dann schon ein wenig aufpassen denn mit einer kompletten Schur legt man ja auch den Nierenbereich frei und dieser ist dafür verantwortlich, dass die Ponys schnell frieren und wirklich empfindlich sind. Eine Regendecke alleine ist dann auch bei einem Shetty oft zu wenig wenn die Temperaturen unter 5 Grad fallen.

Mehr als 200g Decken nutze ich allerdings nicht. Diese sind auch in kalten Nächten völlig ausreichend!

 

Ich schere außerdem mit einem 3mm Scherblatt und nicht komplett bis auf die Haut.

Ich schere erst mit dem Strich und dann gegen den Strich. Mit dem Strich im Frühjahr, vor allem die Stellen wo das voll ausgebildete Winterfell ist, denn man kommt mit der Schermaschine sonst nur schwer durch den dicken Pelz. Mit dem Strich also grob erst mal alles runter und dann gegen den Strich 3 mm nochmal sauber nach scheren.

 

Mit dem Strich muss man auch weniger Angst haben das Pony darunter irgendwie zu verletzen, denn unter dem dicken Pelz weiß man meist gar nicht wo das Fell aufhört und das Pony eigentlich anfängt. Deshalb hat sich das für mich als die Beste, schnellste und einfachste Methode herausgestellt.

 

 

Das Verhalten der Ponys gibt mir Recht

 

 

 

 

 

 

 

Auf diese Weise, habe ich fast keine Arbeit mit Decken und muss meine Ponys nicht damit belasten ständig eingedeckt zu sein.

Sie trocknen im Winter sehr viel schneller wieder und ich brauche keine Angst haben, dass sie unterkühlen oder krank werden könnten.

Nach den Schuren sind sie immer gleich viel vitaler und lauffreudiger. Vor dem Scheren dagegen sehr matt, weil ihnen zu warm ist.

 

Während der Frühjahrsschur haben sie ein Genussgesicht auf, das Bände spricht. Es ist die pure Wonne. Sie lieben es danach richtig durchgestriegelt und massiert zu werden. Durch den Pelz putzt man ja immer sehr oberflächlich, man kommt ja gar nicht bis auf die Haut durch.

Sie wälzen sich mit Wonne im Sand. Die Wohltat springt ihnen aus jeder Pore und das sind für mich genug Gründe zu scheren!

Von Tierquälerei, die viele einfach so behaupten, kann hier absolut nicht die Rede sein.

Meinen Ponys springt jedes Mal die pure Erleichterung aus dem Gesicht. Man sieht doch wie sie vorher und nachher drauf sind.

Danach schäumen sie über vor Lebensfreude. Da geht mir die Natur oder was natürlich ist aber so dermaßen am Allerwertesten vorbei.

Ich will das es meinen Zwergen so gut wie möglich geht. Und letzten Endes kann das der Pferdebesitzer selbst immer noch am besten entscheiden, was für sein Pferd gut ist und was nicht.

 

Wir sollten bei der Entscheidung immer die Zweckmäßigkeit im Auge behalten.

Das ist ganz individuell! Meine Tinkerstute schere ich im Übrigen nicht.

Zumindest momentan.

 

Wie ist es bei euch am besten?

Scherst du dein Pferd?

 

 

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