Achtsamkeit beim Umgang mit dem Pferd

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3 Dinge für eine faire Pferd-Mensch-Beziehung!

 

 

Bekommt dein Pferd die Aufmerksamkeit die es verdient?

Wenn wir mit den Pferden etwas machen, haben sie es verdient, dass wir mit der Konzentration voll und ganz bei ihnen sind, stimmts?

 

Nur so können wir kleinste Signale des Pferdes wahrnehmen.

Nur so können wir unseren Umgang reflektieren, hinterfragen und verbessern.

 

Achtsamkeit hat für mich einen sehr hohen Stellenwert, wenn ich mich mit dem Pferd beschäftige.

 

 

 

 

Jeder strebt einen fairen Umgang mit dem Pferd an.

 

Die Realität sieht oft anders aus!

 

Nicht, weil wir böse Menschen sind!

Sondern weil es uns einfach nicht bewusst ist.

Weil wir oft auf Autopilot durchs Leben gehen. Weil unser Gehirn von Grund auf so funktioniert.

Energiesparend!

 

Bewusstheit müssen wir trainieren! Ständig an uns selbst arbeiten. Denn beim Umgang mit dem Pferd müssen wir uns einfach bewusst über unser Handeln sein, wenn wir ein starkes Team werden wollen.

 

Wir haben es mit einem Wesen zu tun, dass eine andre Sprache spricht. Das nur auf unsere Aktion eine Reaktion zeigt. Das erfordert ein hohes Maß an Konzentration!

 

Wir erwarten, dass unser Pferd beispielsweise brav an der Longe um uns herumtrabt. Mit dem Kopf sind wir selbst aber ganz woanders. Da wird ins Handy geschaut, mit Stall-Kollegen getratscht und über den Einkauf, der nach dem Stall noch ansteht nachgedacht.

 

 

 

Wir alle sind heutzutage vielen Reizen und Ablenkungen ausgesetzt.

 

Da ist es gar nicht immer so einfach sich voll und ganz auf unser Pferd zu konzentrieren.

 

Und plötzlich – bleibt das Pferd stehen oder zeigt ein anderes unerwünschtes Verhalten.

Wieso sollte es auch nicht?

Die Kommunikation ist unsererseits abgebrochen!

 

Auch ich bin nicht immun dagegen. Aber wir sollten uns darauf sensibilisieren und immer im Hinterkopf halten wie wichtig es ist, nicht abzuschweifen.

 

Denn leider ist hier der Punkt, wo wir es uns zu einfach machen!

Wo wir uns von unserem Pferd veräppelt fühlen!

Wo wir Dinge persönlich nehmen!

Wo wir dem Pferd Ungehorsam und Sturheit unterstellen!

Und wo die unfairsten Szenen gegenüber unserem Pferd entstehen!

 

Wir müssen uns immer vor Augen halten:

 

 

 

 

 

 

Wenn dir also nicht gefällt was du siehst, dann liegt es in deiner Verantwortung, dein Handeln zu verändern!

Wir sind die Ursache! Wir sollten sauer auf unser Spiegelbild sein und nicht auf unser Pferd! Das sollten wir niemals vergessen!

 

 

 

Lass den Stress zu Hause

 

Der alltägliche Stress, dem wir alle in irgendeiner Form ausgesetzt sind, wird oft mit in den Stall getragen. Denn ein Pferd ist nicht nur Hobby, sondern natürlich auch Verpflichtung. Wir müssen uns auch darum kümmern, wenn wir mal keine so große Lust haben. Schnell kann es passieren, dass dies zusätzlich Druck auf uns macht.

 

Das ist so schade!

 

Gerade die Zeit, die wir mit unserem Partner Pferd verbringen, sollte doch Erholung vom Alltagsstress sein!

 

Und das ist es auch!

Wenn wir uns bewusst dafür entscheiden!

 

Wir können uns dafür entscheiden ob wir kopflos durch den Tag hetzen oder ob wir auch mal runterfahren und uns kleine Inseln der Entschleunigung schaffen.

 

Unser Pferd hat es nicht verdient, dass wir gestresst von der Arbeit kommen und es eben schnell mal bewegen, nur damit es bewegt ist. Das wir es hektisch zum reiten vorbereiten und nebenbei noch drei andere Dinge tun. Es ist unfair zu erwarten, dass das Pferd zu 100 % funktioniert aber wir selbst sind nur mit dem halben Kopf bei ihm.

 

Denn wir erinnern uns – es spiegelt uns nur!

 

Wenn du also das nächste Mal gestresst im Stall ankommst dann versuche etwas runterzukommen, bevor du zu deinem Pferd gehst. Ein paarmal tief ein und ausatmen bewirkt hier wahre Wunder. Du wirst merken, dass du dich schnell ruhiger fühlst.

 

Versuche Ärger und Sorgen im Auto zu lassen. So mache ich das immer. Du willst die Zeit doch als etwas Schönes genießen und nicht noch gefrusteter wieder nach Hause fahren.

 

In 26 Jahren Pferdeverrücktheit und 14 Jahren Pferdepflege sehe ich unschönen Szenarien leider immer wieder. Es ist schade! Unsere Pferde sind so gütige und treue Wesen. Allein, dass diese kraftvollen, schweren Tiere uns auf unseren Rücken lassen grenzt doch an ein Wunder.

 

Was könnten Pferde alles mit uns anstellen, würden sie ihre Kraft gegen uns richten?

Und sie geben uns immer wieder eine neue Chance, selbst wenn wir mal unfair waren.

Sie sind nicht nachtragend. Zumindest nicht, wenn sie nicht traumatisiert wurden.

 

Das ist doch einfach nur toll, oder?

Ich finde das genial!

 

 

 

Auf folgende 3 Dinge, sollten wir also immer achten:

 

1. Nutze den Stall bewusst als stressfreie Zone

 

Lasse Sorgen, Ärger und Stress bewusst im Auto. Versuche dich mental voll und ganz auf deine Stallzeit einzustellen, indem du den Alltagsstress loslässt. Schaffe dir ein kleines Ritual, was dir dabei hilft runterzukommen. Einige Male tief durchatmen reicht da oft schon. Freue dich auf dein Pferd, denn es freut sich bestimmt auch, wenn du kommst und ihr eine entspannte Zeit genießen könnt.

 

Und wenn du mit dem Kopf ganz woanders bist, dann lasse es ruhiger angehen. Schraube die Erwartungen runter. Erzwinge nicht ein Programm mit deinem Pferd abzuspulen, wenn du mit dem Kopf nicht voll bei der Sache bist. Morgen ist auch noch ein Tag!

 

Ein Pferd ausgiebig zu putzen kann wunderbar entspannend sein. Genieße die Zeit einfach! Sei einfach im Hier und Jetzt und schau was sich noch ergibt. Vielleicht geht ihr auch noch eine Runde spazieren oder etwas grasen. Erlaubt ist alles was gut tut. Ich erlebe immer wieder, dass sich so spontan und ohne Erwartung die schönsten Dinge mit meinen Pferden ergeben haben.

 

Völlig zwanglos!

Absolut stressfrei!

 

Das macht glücklich und tut der Beziehung zu deinem Pferd gut!

 

 

2. Hinterfrage dich immer selbst

 

Der Umgang mit dem Pferd ist ständige Detektivarbeit!

Reflektiere, dich selbst!

 

Kommst du nicht zum gewünschten Ergebnis oder zeigt dein Pferd unerwünschtes Verhalten, dann überdenke deine Handlung! Gegebenenfalls musst du deine Strategie ändern. Dein Pferd versteht dich in der Regel einfach nur nicht.

 

Gehe nicht davon aus: „Das weiß der ganz genau“.

Nein! Dein Pferd weiß es nicht!

 

Das ist menschliches Denken, dass wir nicht in unser Pferd hineininterpretieren sollten. Pferde reagieren auf kleinste Muskelanspannungen und Emotionen. Selbst auf uns völlig unbewusste Signale reagieren sie. Vielleicht drehen wir nur eine Schulter zu wenig, halten unsere Hand irgendwie falsch oder geben sonst irgendein unbewusstes Signal, dass die richtige Reaktion des Pferdes verhindert.

 

Oder, dass Pferd ist körperlich nicht in der Lage das gewünschte Verhalten zu zeigen! Auch das ist möglich und eine eventuelle Abwehrreaktion heißt nicht, dass dein Pferd dich ärgern will.

 

 

3. Übernimm die Verantwortung

 

Wie soll ein Pferd Schmerzen sonst zeigen, außer mit einer Abwehrreaktion?

 

Pferde besitzen keinen Schmerzlaut! Wenn ein Pferd Schmerzen hat, ist es dazu verdammt stumm zu leiden!

Das macht zum Beispiel auch die Ursachenforschung bei Krankheiten besonders schwierig. Aber nur weil man nicht sofort was erkennen kann, heißt das nicht, dass da nichts ist.

 

Bist du schonmal morgens aufgewacht und hast dich verlegen? Warst von heute auf morgen so richtig verspannt? Bei unseren Pferden tun Verspannungen genauso weh! Und als Fluchttier, versucht das Pferd sich eben in den meisten Fällen mit Flucht zu retten!

 

Es kann sein, dass ein Schmerz vorliegt. Es kann aber auch sein, dass wir zu viel verlangen oder das Pferd uns gar nicht richtig versteht. Vielleicht hat es aus einem Schmerz heraus gelernt sich durch losreißen zu entziehen. Das Pferd kommt so ständig mit einer Unart durch, weil die wahre Ursache nicht erkannt wurde oder einfach das Timing beim Umgang und der Erziehung nicht stimmt.

 

Behalte immer im Hinterkopf: Ein Pferd verarscht dich nie! So einfach ist das nicht!

Suche nach dem wahren Grund! Und der wahre Grund sind immer wir. Die Ursachenforschung beginnt IMMER bei uns selbst! Wir müssen uns immer hinterfragen, was und wie wir handeln, denn das Pferd reagiert lediglich darauf.

 

Das Schöne: Es trainiert unsere eigene Bewusstheit! Es trainiert eine lösungsorientierte Einstellung! Denn wir müssen uns immer auf Lösungen fokussieren.

 

Das ist gut für unsere eigene Weiterentwicklung und eine nützliche Haltung, die uns auch in jedem anderen Lebensbereich zu Gute kommt. Denn auch das Leben ist schließlich ein ständiger Weiterentwicklungsprozess.

 

Genieße eine faire Partnerschaft und Freundschaft mit deinem Pferd!

Lerne von ihm fürs Leben!

 

Eine stressfreie Zeit!

Deine Janet

 

 

 

2 Kommentare

  1. Was für ein wundervoller Beitrag!!! Und du sprichst mir voll und ganz aus der Seele! Genau so sehe ich das auch. Und auch ich nutze das bewusste Atmen um runterzukommen bevor ich zu meinem Pferd gehe. 🙂 Fast immer bleibe ich nach der Begrüßung auch einfach noch eine Weile neben meinem Pferd stehen, atme mit ihm gemeinsam und genieße einfach den Moment. LG Jessica

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