Das Shetlandpony
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3 Erkenntnisse, warum wir umdenken müssen!

 

 

Gerade bei Freizeitreitern sind sie sehr beliebt.

Die sogenannten Robustrassen.

Zu ihnen zählen zum Beispiel die Nordpferderassen wie Norweger, Isländer, das Shetlandpony und viele weitere britische Ponyrassen. Diese Pferderassen kommen aus Gegenden mit oft harten klimatischen Bedingungen. Daher kommt der häufige Fehlgedanke, diese Pferde einfach im Offenstall zu halten, denn Wetter macht ihnen schließlich nichts aus.

Das ist auch so.

Tatsächlich geht es hier auch nicht ums Wetter…

 

Robustpferde sind nicht robust. 3 Erkenntnisse zum umdenken

 

 

Mit bedauern beobachte ich die immer größere Anzahl von Pferden, die unter sogenannten Wohlstandskrankheiten leiden.

Ponys und Pferde die mit Kugeln weiter kommen, als mit Laufen.

 

 

Zuviel gehaltvolles Futter und viel zu wenig Bewegung.

 

 

Eine Kombination, die kranke Pferde erzeugt!

Denn Robustrassen sind fütterungstechnisch überhaupt nicht robust!

 

Ihre besondere Eigenschaft ist es, eben mit besonders wenig Futter auskommen zu können und das bei harten klimatischen Bedingungen. (Im Beitrag „Das Shetlandpony“ kannst du mehr darüber erfahren)

Und dies gilt für viele leichtfuttrige Pferde, zu denen übrigens auch der Araber und Spanier zählt.

 

 

Sie alle kommen aus kargen Gegenden.

Unsere fetten, deutschen Kuhweiden sind aber das absolute Gegenteil von karg!

 

Unsere europäischen Pferderassen kommen damit noch am besten zurecht. Viele Sportpferde und Vollblüter können in 24 Stunden kaum soviel fressen wie sie benötigen.

 

 

Die Robustrassen benötigen dagegen ganz besondere Aufmerksamkeit in der Haltung und Fütterung!

Seit Jahren beschäftige ich mich damit meine leichtfuttrigen Ponys schlank, vital und gesund zu halten. Sie danken es mir mit großem Arbeitseifer und Gesundheit.

 

In diesem Rahmen habe ich mich auch viel mit der Frage beschäftigt, wieso eigentlich gerade heute so viele Pferde mit Wohlstandskrankheiten wie EMS, Hufrehe und Co. zu tun haben? Denn als Kind in den 90ern sind mir noch nicht so viele verfettete Pferde mit diesen Problemen begegnet. Und die Pferde und Ponys, die ich kannte waren immer draußen.

 

 

 

 

Ein Pferd gehört doch auf die Wiese…

Wieso soll das heute nicht mehr gut sein?

 

Ich bin zu folgenden Erkenntnissen gekommen:

 

 

1. Die Industriealisierung der Milchwirtschaft erzeugt Probleme in der Pferdehaltung!

 

Mit der Industriealisierung der Milchwirtschaft in den 80er Jahren, sind die Wiesen immer fetter geworden. Für die Milch- und Fleischproduktion hat man energiereiche, fette Gräser bevorzugt, die dazu auch noch möglichst schnell und auch bei schlechteren Bedingungen gut wachsen.

Die Turbogräser haben viele magerere Gräserarten, die für Pferde viel besser geeignet wären schon lange verdrängt. Die magereren Sorten haben oft gar keine Chance überhaupt noch dagegen anzukommen.

Sie wachsen schlichtweg nicht mehr.

 

Unsere Wiesen sind heute viel gehaltvoller als früher und somit ist es logisch, dass gerade die leichtfuttrigen Pferde, gefühlt beim Ansehen des Grases schon fett werden. Denn das hat sich wirklich in den letzten Jahrzehnten stark verändert.

 

Auch unser Heu, dass wir von diesen Wiesen gewinnen ist natürlich energiereicher.

Ich habe beobachtet, dass es von Region zu Region ganz starke Unterschiede gibt.

Und je nachdem wo man lebt hat man vielleicht auch gar nicht immer die Möglichkeit wirklich pferdegeeignetes Gras vorzufinden. Aber gerade dann, müssen wir die Haltung ganz besonders individuell anpassen. Es nützt uns nichts, wenn unsere Freundin eine Region weiter geeigneteres Gras zur Verfügung hat und ihre Pferde problemlos 24 Stunden draußen stehen, wenn wir selbst ganz andere Bedingungen haben.

Und das bedeutet leider auch oft, dass ein 24 Stunden Offenstall nicht unbedingt die beste Lösung ist, sondern dass wir mehr Aufwand mit der Haltung betreiben müssen.

Wir haben gar keine Wahl, wenn wir unsere Pferde wirklich gesund halten möchten.

Und viele haben dies auch bereits erkannt. Denn man sieht es zum Beispiel auch an den immer mehr aufkommenden Aktivställen und Paddocktrails.

 

Ein weiterer Grund:

 

 

2. die Futtermittelindustrie explodiert geradezu!

 

Für jedes gesundheitliche Problem, dass entsteht gibt es ein spezielles Futter auf dem Markt, dass verspricht dieses Problem zu lösen.

Und obwohl es so viele Diätfutter, Futter für Robustrassen, für Ekzemer, gegen Mauke und Darmprobleme gibt, werden gerade diese Probleme immer mehr!

 

Das gibt mir wirklich zu denken!

Dir nicht?

 

Ich sage es ganz klar.

Weniger ist hier mehr!

 

Wir füttern unsere Pferde heut zu Tage krank.

 

Spart euch das Geld für irgendwelche „gut duftenden“ Müslis.

Leichtfuttrige Pferde nehmen mit dem energiereichen Gras, mehr als genug Energie auf. Denn dass was ein Freizeitpferd  bewegt wird, muss in der Regel nicht mit extra Portionen wieder reingestopft werden.

An dieser Stelle möchte ich aber anmerken, dass ich hier nicht von einer extra Mineralstoffversorgung spreche. Dies ist ein anderes Thema.

 

 

Viele der oben aufgezählten Futter, lösen die Probleme die sie angeblich lösen, überhaupt erst aus!

Und zwar vor allem dann, wenn Getreide drin ist.

 

Und dabei ist es völlig egal um welches Getreide es sich dabei handelt! Besonders die Robustrassen sind meiner langjährigen Erfahrung nach mit einer absolut getreidefreien Fütterung am aller besten dran. Hierzu wird es aber nochmal einen tiefer gehenden Beitrag geben, denn das sprengt hier den Rahmen.

 

Kommen wir zum 3. Punkt:

 

 

3. Viele Pferde werden viel zu wenig bewegt!

 

Und das betrifft auch Offenstallpferde.

Vielleicht sogar gerade die Pferde, die 24 Stunden im Offenstall stehen.

Denn hier denken Pferdebesitzer häufig sie müssen kein schlechtes Gewissen haben, denn ihr Pferd kann sich schließlich jederzeit frei bewegen.

Leider ist die Realität, dass die Pferde sich viel weniger auf einer Weide bewegen, als die meisten denken. Auf einer deutschen Wiese wo den Pferden das Gras in Hülle und Fülle ins Maul wächst bewegen die sich nicht viel.

Auch nicht, wenn sie 24 Stunden an der Rundballenheuraufe fressen. Ob mit Netz oder ohne ist hier völlig irrelevant.

 

Ein Pferd in der Steppe muss viele Kilometer am Tag zurücklegen um seine Tagesration an Futter zu finden. In der Steppe muss das Pferd zudem mit weniger gehaltvollen Gräsern auskommen.

 

Hier ist es genau andersherum.

Das Futter hat Energie im Übermaß.

Und bewegen, um es zu finden, muss das Pferd sich hier auch nicht.

Der wirkliche Energiebedarf eines Pferdes und die Menge an Bewegung wird oft völlig fehleingeschätzt!

 

Gute und pferdegerechte Haltung bedeutet nicht so viel Wiese wie möglich und das Pferd, Pferd sein lassen.

Pferdehaltung ist immer ein Kompromiss. Sie wurden von Menschen gezüchtet, verändert und leben nicht mehr in Freiheit. Wir müssen diese Einschränkung so gut wie möglich kompensieren und individuell darauf eingehen.

 

Häufig liegt der Fokus viel zu sehr darauf, wie man den Spagat hinbekommen soll, das Pony möglichst ohne Fresspausen zu füttern, wenn es doch schon bei kleinsten Mengen Heu, dick wird.

Da wird mit Netzen und mit Netzen in Netzen experimentiert.

Mc Gyver wäre neidisch was manch einer von uns, für die Pferde kreiert.

Die volle Aufmerksamkeit liegt dabei auf der Futterkomponente und wie das Pferd möglichst noch weniger frisst ohne zu lange Fresspausen zu haben.

Ein ordentliches, aufs Pferd angepasstes Bewegungsprogramm aber, wird dabei nicht berücksichtigt. Dieses würde nämlich so manches Futterproblem viel effektiver lösen!

 

 

Diese 3 Punkte sind meine wichtigsten Stellschrauben.

 

 

Ich habe sie immer im Hinterkopf und meine Pferdehaltung darauf ausgerichtet. Sie sind der Kern bzw. der Grund warum ich meine Ponys halte, wie ich sie gerade halte. Diese 3 Ursachen sind elementar!

 

Und mit diesen Stellschrauben als Fundament halte nicht nur ich meine Ponys gesund. Aufgrund dieser Erkenntnisse habe ich schon vielen Ponys erfolgreich geholfen, deutlich gesünder, vitaler und bewegungsfreudiger zu werden!

Es ist eine Sache des richtigen Fokus und des Umdenkens.

 

Bis nächste Woche

Janet

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