Was die Historie des Pferdes für die Gesunderhaltung unserer heutigen Pferde bedeutet!

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Der Rahmen ist wichtiger als die Haltungsform!

 

 

Wo kommt das Pferd überhaupt her und vor allem wie hat der Mensch es bereits verändert?

Und was bedeutet das für die Pferdehaltung und -fütterung?

 

Vielleicht konntest du meine Einstellung dazu auch bereits bei einigen anderen Beiträgen in der Rubrik „Gesundes Pferd“ meines Blogs herauslesen, denn für mich ist dieses grundlegende Verständnis übers Pferd einfach der Kern für Haltung und Fütterung und somit auch für die Gesunderhaltung eines Pferdes.

Und auch wenn ich selbst, instinktiv meine Ponys bisher ganz gut gesunderhalten habe, so lerne ich doch gerade so wahnsinnig viel bei meiner Ausbildung zur Pferdeernährungsberaterin.

 

Pferde werden nicht nur im Reiteralltag häufig missverstanden. Sondern auch was Haltung und Fütterung betrifft. Dieser Thematik möchte ich mich in Zukunft noch mehr widmen. Und ich möchte auch deinem Pferd dabei helfen gesund zu bleiben.

 

 

Das Wildpferd

 

 

Jeder kennt wohl das beliebteste Argument vom Wildpferd in Reiterkreisen. Es ist DAS Totschlagargument Nummer 1, wenn andere Argumente nicht überzeugen.

 

Ganz so einfach ist es aber nicht! Denn sobald wir einen Zaun um unsere Pferde ziehen, sind sie nicht mehr in Freiheit! Sie werden in einen Rahmen gesteckt, den wir Menschen ihnen vorgeben.

Ein Offenstallpferd genauso wie ein Boxenpferd.

 

Wir müssen diesen Rahmen so optimal wie möglich gestalten, damit das Pferd in seinem fremdbestimmten Leben lange gesund bleibt! Denn auch ein Offenstallpferd ist von uns Menschen fremdbestimmt!

 

Und Wohlstandskrankheiten entstehen nur dort, wo es „unnatürlich“ ist.

Das ist bei den Pferden so, die keine Wahl haben was sie von uns zu fressen vorgesetzt bekommen. Es ist auch bei uns Menschen so – denn obwohl wir eine Wahl haben leben wir trotzdem immer unnatürlicher und werden dadurch auch nicht gesünder.

 

Habt ihr schon mal ein wildes Tier draußen gesehen, dass völlig verfettet ist?

 

Höchstwahrscheinlich nicht, denn Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum in ihrer selbstbestimmten Lebensweise sind nicht zu fett!

 

Bei unseren Haustieren, die keine Wahl haben was sie zu Fressen vorgesetzt bekommen und auch wann und wie oft, sieht es dagegen ganz anders aus. Nicht nur wir Menschen werden immer schwerer und adipöser. Auch unsere Katzen, Hunde und Pferde!

Es liegt an uns, das zu vermeiden.

 

 

Die Domestizierung des Pferdes

 

 

Vor etwa 6000 Jahren begann die Domestizierung des Pferdes in Russland, Asien und der Mongolei. Vor etwa 4000 Jahren dann auch im Orient. Die Pferde waren damals nur etwa 1,20 – 1,30 groß. Es handelte sich um Pferde die freilaufend in Wald und Flur gehalten wurden.

 

Ihre sehr gute Futterverwertung und die Neigung schnell Fett anzusetzen sorgten für das Überleben der Ponys. Der Mensch begann diese Pferdchen für sich zu nutzen. Erhalten mussten sie sich aber trotzdem irgendwie selbst. Das war bis vor etwa 1000 Jahren so.

 

Die Stoffwechsel dieser Pferde waren für karge Lebensbedingungen gemacht. Gegenden wie Tundren und Steppen machen einen Stoffwechsel mit einer sehr guten Futterverwertung unverzichtbar. Sie mussten mit sehr wenig Futter möglichst viel erreichen und dabei Energie sparen wann immer es ging.

 

 

 

 

Was sind Nordpferde? 

 

 

Die eben genannten Merkmale kennzeichnen unsere „Nordpferderassen“ wie wir sie heute kennen noch immer!

Nordpferde sind noch sehr ursprüngliche Pferde!

Es gibt aber auch einige leichtfuttrige Rassen, die aus dem Süden kommen und trotzdem zu den sogenannten Nordpferden zählen.

Viel wichtiger als in leichtfuttrige Nordpferde und in schwerfuttrige Südpferde einzuteilen ist es die Futterverwertung zu beurteilen und den Stoffwechseltypen zu erkennen mit dem wir es zu tun haben.

 

 

Vom Aussehen haben Nordpferderassen aber folgende Punkte gemeinsam:

 

Kurze kräftige Beine, einen massiven Kopf, einen kurzen starken Hals, einen gedrungenen rumpfigen Körper. Diese Merkmale finden wir beim typischen Pony.

Oder aber es handelt sich um zierliche Pferde mit kleinen festen Hufen, wie zum Beispiel der Araber.

 

Der Araber zählt als Stoffwechseltyp zu den Nordpferden. Er ist ein extrem leichtfuttriges Pferd. Der Araber überlebte härteste und überlebensfeindlichste Bedingungen in der Wüste. Diese harten Umstände machten ihn mit der Zeit nur noch widerstandsfähiger und leistungsfähiger.

In Deutschland ist es trauriger Alltag, dass der Araber verfettet. Und der Araber ist heute in fast jeder Pferderasse vertreten, da man Pferderassen fleißig mit ihm veredelt.

 

Auch Spanier wie zum Beispiel der Andalusier oder PRE und der argentinische Criollo zählen zu den Nordpferderassen. Der Appaloosa hat seinen Ursprung im Westen der Vereinigten Staaten, stammt aber ursprünglich vom spanischen Pferd ab. Auch Appaloosa sind sehr leichtfuttrige Pferde.

 

Somit ist es gar nicht mehr so leicht einfach nur in Nordpferde und Südpferde zu unterscheiden. Sehr häufig haben wir es auch mit Mischformen zu tun. Es ist also zielführender die Stoffwechseltypen zu unterscheiden und so auch den Energiebedarf des jeweiligen Pferdes besser beurteilen zu können.

 

 

Zurück zur Historie

 

 

Das Mongolen- oder Russenpony musste also noch freilebend selbst für sich sorgen. Später hat sich die Fütterung verändert. Und zwar ab dem Zeitpunkt, wo für den Menschen ohne Pferde nichts mehr ging.

Die Pferde ermöglichten wirtschaftliches Wachstum!

 

Man setzte sie ein, um Menschen und Waren zu transportieren, Landwirtschaft zu betreiben, Land zu erobern und um Kriege zu führen. Gerade im Krieg brauchte man die zähsten Pferde.

Die Lagerung und Mitnahme von großen Futtermengen, war unmöglich. Die Pferde brauchten zu viel Zeit zum Fressen und durch zu volle Bäuche wurde die Leistung eingeschränkt. Im Krieg hat man konzentriertes Futter gebraucht, dass die Energie für die schwere Arbeit schnell ins Pferd bringt. Hier wurden die ersten Pressmischfutter, Futterbrote und Pferdebisquits gebacken.

 

Physiologisch war diese Art der Fütterung natürlich absolut unnatürlich und langfristig schädlich für den Pferdekörper. Aus dem Krieg kamen aber auch eh die wenigsten Pferde wieder heraus. Es macht aber deutlich, wie unsere Pferde nach und nach immer zäher gemacht wurden. Der Mensch hat im Rahmen der Domestizierung das Pferd zu einem robusten und zähen Arbeitstier gemacht!

Wir können unsere Pferde nicht mehr einfach nur auf die Wiese stellen, sich selbst überlassen und sagen, dass Wildpferd hat schließlich auch so gelebt. So gehaltene Pferde verkümmern häufig nicht nur körperlich sondern auch seelisch.

 

 

Zur Gesunderhaltung des Pferdes sind Haltung, Fütterung und Bewegung (Arbeit) untrennbar!

 

 

 

 

Diese 3 Punkte ergeben den Rahmen, den wir für unsere Pferde so optimal wie möglich gestalten müssen, damit sie so lange wie möglich gesund bleiben. Ob das nun in Box, Offenstall, Laufstall, Aktivstall oder sonstigen Haltungsformen geschieht ist dabei zweitrangig.

 

Was die Kriegspferde leisten mussten und konnten, kann sich heutzutage von uns wohl kaum jemand vorstellen. Wir dürfen uns also ruhig trauen, von unseren Pferden wieder etwas mehr zu fordern.

 

 

Freizeitpferde

 

 

Mit der Motorisierung benötigte man die Pferde schließlich immer weniger. Die früheren Hauptnutzungsbereiche fielen weg.

Viele Pferderassen wurden dezimiert. Erst später wurde das Pferd dann zum Freizeit- und Sportpartner.

Heute halten wir uns Pferde um überspitzt ausgedrückt, 2x die Woche ausreiten zu gehen. Pferde werden nur noch gelegentlich bewegt und sind reines Freizeitvergnügen.

 

Die Bedingungen sind heute komplett andersherum als früher.

Das von uns Menschen zum Arbeitstier gemachte Pferd muss vor allem im Freizeitbereich kaum noch etwas leisten und ihm steht Futter in Hülle und Fülle zur Verfügung. Kein Wunder also, dass wir so viele kaputt gestandene und krank gefütterte Pferde haben.

 

Anstatt also endlos darüber zu diskutieren welche Haltungsform denn nun die Beste für unsere Pferde ist, wäre es sinnvoller über den Rahmen zu diskutieren in dem unsere Pferde leben müssen. Denn am Ende geht es nur darum, dass unsere Pferde fit und gesund bleiben und sie ihre Grundbedürfnisse so gut es geht ausleben können.

 

Als Pferdeernährungsberaterin mit langjähriger Erfahrung in der Pferdehaltung, mache ich es mir zur Aufgabe, diesen Rahmen auch für dein Pferd zu optimieren, damit es lange gesund bleibt.

 

 

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