Verschiedene Futtermittel kombinieren?

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Warum „voll“ mineralisierte Pferdefutter ein Problem sind!

 

heute möchte ich mal über mineralisierte Müslis sprechen und welche Probleme diese mit sich bringen. Über Müslis an sich und warum man eigentlich fast immer darauf verzichten kann habe ich bereits auf meinem Blog in zwei Artikeln thematisiert.

 

In immer mehr Müslis sind aber auch gleich Mineralstoffe und Vitamine zugesetzt.

Ein häufiges Herstellerversprechen: „die Zufütterung von Menge x dieses Müslis sei bedarfsdeckend und es seien keine zusätzlichen Mineralfutter mehr erforderlich.“

 

Warum dies generell nicht funktioniert und was dabei auch noch Verhältnisse der Mineralstoffe für eine Rolle spielen, versuche ich nun für dich bildlich darzustellen.

 

 

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Solche Versprechen sind grundsätzlich Falsch!

 

 

Woher weiß der Hersteller, welches Pferd wir damit füttern wollen und welchen individuellen Bedarf dieses Pferd hat?

Richtig, er weiß es nicht!

 

Wie alt ist das Pferd?

Ist das Pferd krank oder gesund?

Welche Rasse ist das Pferd? Ist es ein sehr haariger Rassevertreter oder kurzhaarig?

In welcher Haltungsform lebt das Pferd?

Ist es ein ruhiges Energiesparmodell? Oder ständig auf Achse?

Wird das Pferd bewegt? Wie wird es bewegt? Wie oft wird es bewegt?

Wie ist der Futterzustand? Zu dick? zu dünn? Passt so?

 

Das sind nur die wichtigsten Fragen die für den individuellen Bedarf des Pferdes entscheidend sind.

Diese Fragen und noch mehr, müssen aber mit einbezogen werden. Die Mineralstoffgehalte, die auf dem Futtersack angegeben sind, zeigen das es nicht funktionieren kann.

 

 

 

 

 

Ich rechne es dir mal vor

 

Ich nehme als Beispiel mal meine Elly. Elly ist ein Tinker-Pintomix und wiegt ca. 480 kg. Ihr Zinkbedarf sind rund 430 mg. In unserem Heu stecken etwa 30 mg pro Kilogramm. Ihr Tagesbedarf an Energie ist mit 6,5 kg Heu bereits gedeckt. Mit 6,5 kg Heu nimmt sie 195 mg Zink auf. Elly hat bereits genügend Energie und wird mit jedem weiteren Energiepunkt über ihren Bedarf hinaus gefüttert. Sie würde dick werden. Schon allein deshalb benötigt sie kein Müsli.

 

 

Aber ist ja jetzt nur ein Beispiel, deshalb ignorieren wir das jetzt mal.

 

In einem durchschnittlichen mineralisierten Müsli für Pferde sind 150 mg Zink. Diese Angaben auf dem Futtersack sind immer auf ein Kilo Futter bezogen. Würden wir unserem Pferd also 1 kg Müsli geben erhält es 150 mg Zink. Gebe ich Elly nun 1 kg von dem Müsli kämen auf die 195 mg Zink die sie übers Heu aufnimmt nochmal 150 mg Zink vom Müsli dazu.

 

Dies ergibt insgesamt 345 mg Zink – ist also immer noch nicht bedarfsdeckend. Die empfohlene Menge x ist also definitiv nicht alleine, bedarfsdeckend bei jedem Pferd. Fütterungsempfehlungen von 100 g – 500 g pro 100 kg Pferd kann man eh total vergessen! Das kann ja einfach jede Menge sein.

 

Gut, Elly reicht das Kilogramm Müsli zusätzlich zum Heu jedenfalls nun nicht für die Mineralstoffversorgung. Wer würde seinem Freizeitpferd überhaupt 1 kg Müsli geben? Wahrscheinlich die wenigsten. Aber gehen wir eben mal davon aus. Bei einem Kilogramm reicht es nicht.

 

Geben wir halt jetzt doch einfach noch ein Mineralfutter dazu?

 

Hier kommt der größte Knackpunkt über den ich in meinen Beratungen am häufigsten stolpere.

 

Und das ist das Selen, dass inzwischen einfach überall drin ist!

 

Hier muss ich aber kurz noch was zum Selen sagen bevor wir mit unserem Rechenbeispiel weiter machen.

 

Deutschland ist Selenmangelgebiet. Oder auch nicht. Eigentlich ist ja immer noch nicht richtig geklärt in welchem Bereich eigentlich der optimale Selenspiegel für Pferde liegt. Die Referenzwerte für den optimalen Selenbereich sind von Labor zu Labor durchaus unterschiedlich. Was im einen Labor als Selenmangel gilt ist in einem anderen Labor noch gar keiner.

 

Dazu kommt noch was.

 

Selen kann vom Körper nicht gut aufgenommen werden, wenn Spurenelemente fehlen. Und sie fehlen fast immer wie du vielleicht schon weißt, wenn du hier bei mir schon länger mit liest. Viele Selenmängel sind also eigentlich gar nicht dadurch entstanden, weil zu wenig Selen gefüttert wurde, sondern weil zu wenig Spurenelemente gefüttert werden. Wenn Spurenelemente nicht bedarfsdeckend zugeführt werden, ist es absolut der falsche Weg einfach Selen zu zufüttern, um das Pferd aus dem Mangel zu bringen. Würde man die Co-Faktoren zufüttern, die dafür sorgen, dass das vielleicht bereits ausreichend vorhandene Selen gut aufgenommen werden kann, dann würde der Selenmangel ebenfalls verschwinden.

 

Es gibt ungefähre Selen-Bedarfswerte für Pferde, von denen die Wissenschaft ausgeht und mit denen ich auch rechne. Nun hat die Futtermittelindustrie also fleißig auf die vielen Selenmängel in den Blutbildern reagiert und wir finden heute sehr häufig Selen im Futter.

 

Zurück zu unserem Rechenbeispiel:

 

Elly hat also bereits 6,5 kg Heu und 1 kg mineralisiertes Müsli im Futtertrog. Ihr fehlt immer noch Zink. Elly hat einen Selenbedarf von 1,08 mg. Im Beispielmüsli stecken 0,45 mg.

 

Mit einem durchschnittlichen Mineralfutter soll sie laut Herstellerempfehlungen 10 – 15 g pro 100 kg bekommen. Ich gebe ihr jetzt einfach mal 15 g pro 100 kg und damit also 60 – 70 g; denn sie wiegt ja fast 500 kg.

 

In einem durchschnittlichen Mineralfutter stecken 10 – 15 mg Selen und 4000 bis maximal 6000 mg Zink. Höhere Werte finden wir eigentlich nur in Spurenkuren etc.

 

Ich habe hier ein sehr beliebtes Freizeitmineralfutter in dem 15 mg Selen und 6000 mg Zink stecken. Das gehört bereits zu den höher dosierten. Mit 60 g führe ich Elly also noch weitere 360 mg Zink und 0,9 mg Selen zu.

 

Elly bekommt jetzt also:

 

Heu: ? Selen und 195 mg Zink

Müsli: 0,45 mg Selen und 150 mg Zink

Mineral: 0,9 mg Selen und 360 mg Zink

 

Insgesamt sind das 1,35 mg Selen plus das was unbekannt im Heu und Gras steckt = zu viel!

705 mg Zink     (ihr Bedarf ist aber ja nur 430mg Zink denkst du jetzt?)

 

Jetzt kommts!

 

Zink wird maximal zu 50 % aufgenommen! In neuen Forschungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen aus seriösen Quellen geht man sogar nur noch von 30% aus.

 

Das heißt: von den 705 mg Zink kommen maximal 350 mg im Pferd an, was den Bedarf von 430 mg nicht deckt. Kommen jetzt noch alle die oben genannten Fragen dazu, die den Bedarf sogar noch erhöhen, sind wir mit dieser Ration weit weg von bedarfsdeckend. Selen ist mit 1,35 mg zu einem Bedarf von 1,08 mg aber bereits überversorgt. Das ist in diesem Fall nicht weiter schlimm, denn ein so gefüttertes Pferd kann im Blutbild sogar einen Selenmangel haben, weil dieses zu viel durch das zu wenig an Spurenelementen (das betrifft ja nicht nur Zink), nicht aufgenommen werden kann.

 

Zum Glück kann man in so einem Fall nur sagen, denn sonst kämen wir zur Selenvergiftung. Denn einfach egal ist diese Überversorgung natürlich nicht.

In so einem Fall Selen bei einem Mangel zu zu füttern ist der absolut falsche Weg!

 

Einfach mal blind die Spurenelemente mutig zufüttern kann aber ebenso schlecht sein, wenn der Rest nicht stimmt…

 

Bekommst du eine Vorstellung davon wie wichtig die Verhältnisse sind?

Und warum es so fatal ist, wenn jedes Futter einfach irgendwie mineralisiert und vitaminisiert ist?

Und wenn es dann auch noch irgendwie und in irgendwelchen Mengen gefüttert wird?

 

Elly ist ja nun auch der absolut falsche Kandidat für 1 kg Müsli. Das gehört bei ihr nicht in den Futtertrog. Sie benötigt Heu und die fehlenden Mineralstoffe ergänzt. So wie die meisten Freizeitpferde!

 

Nehme ich ihr das Müsli also nun aus der Ration raus, reicht es von den Mineralstoffen aber erst recht nicht!

 

 

 

 

Gebe ich ihr nur Heu und das Mineral für Freizeitpferde nimmt sie folgendes auf:

 

Heu: ? Selen und 195 mg Zink

Mineral: 0,9 Selen und 360 mg Zink

 

Bei Selen bleibt vermutlich noch etwas Luft. Bei Zink, wenn wir großzügig rechnen und von 50 % Verwertung ausgehen, bleibt noch ganz viel Luft.

 

Was könnten wir tun? Mineralfutter erhöhen?

 

Viele Hersteller schreiben ja: darf auch verdoppelt werden.

Jetzt bin ich mal nicht ganz so mutig und verdopple die 60 g nicht ganz, sondern erhöhe nur auf 100 g Mineral.

 

Dann bekäme Elly dadurch zum Heu dazu:  1,5 mg Selen (zu viel) und 600 mg Zink. Das macht 1,5 mg Selen + ? und 795 mg Zink. Selen zu viel. Zink ist immer noch entfernt von bedarfsdeckend, weil von 795 mg nur etwa 30 – 50% aufgenommen werden. Aber wir kommen damit schon näher an unseren Zinkbedarfswert heran und dieser sorgt ggf. dafür, dass das zu viel an Selen zum Problem wird.

 

Aber nun genug geredet

 

Dies war jetzt nur ein Beispiel mit 2 Nährstoffen. Wir haben da ja noch einige mehr auf die man genauso achten muss.

Eine Über- oder Unterversorgung ist nie gut. Die Verhältnisse sind einfach wichtig!

 

Diese 2 Werte sind aber häufig die, die fast alles entscheiden ob ein Futter aufs individuelle Pferd anpassbar ist oder nicht. Und vor allem Selen ist der Wert, der es zum Teil unmöglich macht die benötigten Futtermittel einfach zu kombinieren, um auf eine bedarfsdeckende Ration zu kommen. Das ist der größte Stolperstein meiner täglichen Arbeit.

Aber ich wäre arbeitslos, wenn es einfach mit der Fütterungsempfehlung auf dem Futtersack getan wäre. 😉 Dafür sind unsere Pferde viel zu individuell.

 

Also schau genau hin. Die Gesundheit deines Pferdes wird es dir danken.

 

 

Du blickst überhaupt nicht mehr durch und benötigst Hilfe im Futtermitteldschungel und bei der Wahl des richtigen Futters für dein Pferd?

 

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2 Comments

  1. Janet Metz Annalena Hahn sagt:

    Hallo,

    ein super spannender Artikel, perfekt passend zu meiner Situation.
    Ich habe genau das Problem gerade. Mein Pony scheint überversorgt mit Vitamin A und Selen. Dafür ist Zink und Silicium aber viel zu wenig und die Leber braucht auch mehr Unterstützung. Blutbild liegt gerade noch im Labor. Ein Glück das Corona mir so viel Freizeit beschafft hat, dass ich mich damit beschäftigen konnte und selbst ein bisschen umgerechnet habe. Aber wirklich viel Ahnung hab ich noch nicht.
    Ich freu mich, wenn ich genug Geld für deinen Kurs oder der Beratung selbst habe 🙂
    Bin gespannt auf weitere super tolle Artikel,
    Annalena und Fuchur

    • Janet Metz Janet Metz sagt:

      Hallo Annalena,

      ja es herrscht leider sehr häufig unbemerkt ein Ungleichgewicht. Die Leber benötigt vor allem Spurenelemente. Dies hängt oft zusammen. Fütterung ist ein Prozess. Man wächst mit der Zeit immer mehr rein. Viel Spaß beim Lesen.

      Lg Janet

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