Anweiden (und Abweiden) von Pferden

Aussagekräftige Heuprobe nehmen
21.03.2024
Aussagekräftige Heuprobe nehmen
21.03.2024

Warum muss angeweidet werden?

 

Wenn Pferde den ganzen Winter nur Heu/Heulage (kein frisches Gras) zu fressen bekamen, muss im Frühling bzw. Frühsommer langsam angeweidet werden um eine schonende Futterumstellung zu gewährleisten.

Die Darmflora ist immer auf das aktuelle Futterangebot angepasst.

Es gibt auch nicht nur eine Art von gesunder Darmflora. Selbst beim Menschen weiß man, dass je nach Nahrungsmitteln unterschiedliche Zusammensetzungen der Darmflora möglich sind.

Ein nur mit Heu gefüttertes Pferd wird eine etwas andere Darmflora haben, als z.B. ein überwiegend mit Weidegras gefüttertes Pferd oder ein Pferd das Mischrationen erhält usw. Kommt also ein neues, ungewohntes Futtermittel wie Gras ins Spiel, müssen sich die Mikroorganismen im Verdauungstrakt an die neuen Gegebenheiten erst anpassen können. Das benötigt etwas Zeit. Mindestens 3-4 Wochen sollte man ihnen da bestenfalls Zeit geben. Bei sehr empfindlichen Pferden eher länger.

 

 

Gefahren von zu schnellem Anweiden

 

 

Im Frühjahr schlingen die Pferde oft noch vermehrt. Weil es sehr, sehr lecker ist und das Futter ist feucht und oft noch eher rohfaserarm. Es kann schnell heruntergeschlungen werden.

In diesem Stadium kann es besonders leicht zu Überfressen, Kotwasser, Durchfall bis hin zu Koliken kommen. Auch Nesselfieberschübe können durch Überforderung des Körpers vorkommen.

 

Das Pferd hat keinen dehnfähigen Magen. Eine Sättigung durch Magenausdehnung ist beim Pferd nicht vorgesehen. Im Grunde kann man sich einen Pferdemagen wie einen nicht dehnbaren Eimer vorstellen mit einem Fassungsvermögen von 8-15 Liter.

Wenn er voll ist, ist er voll.

Raufutter liegt in der Regel ca. 2 Stunden im Magen, bevor die Reise weiter geht. Kommt zu schnell zu viel Futter rein, droht Überfüllung. Es kommt zur Magenüberladung. Irgendwo muss das Futter nun hin, also wird es zu unverdaut und zu schnell durch den Verdauungstrakt weitergeschoben. Der Magen hat aber auch die Aufgabe Keime die mit dem Futter reinkommen abzutöten. Bei zu Schneller und zu üppiger Futteraufnahme hat er dazu ggf. nicht genug Zeit.  Zu viele Keime können dann weiter in hintere Verdauungsabschnitte wandern.

Das hat Gärpotenzial vom Feinsten!!!

Gefährliche Aufgasungen in den verschiedenen Darmabschnitten können folgen.

 

 

Umso mehr Weidengang umso mehr Platz wird benötigt

 

Wenn wir 24/7 Weidegang ermöglichen wollen, benötigen wir als Faustformel etwa 1 ha pro Pferd plus mindestens 0,5 ha für jedes weitere Pferd über die Sommermonate. Wollen wir ganzjährig die Pferde auf die Weide schicken benötigt es noch größere Flächen.

Die wenigsten haben dies zur Verfügung.

Also muss als Kompromiss entsprechend angepasstes Weidemanagement betrieben werden. Haben wir kleinere Flächen müssen diese auch geschont und gepflegt werden. Aufgrund von Platzmangel können wir Pferde meist nicht ganzjährig von frischem Gras ernähren und damit sind wir besonders im Frühjahr und Herbst mit größeren Futterumstellungen konfrontiert, die vernünftig durchgeführt werden müssen.

Vor allem die Umstellung im Frühjahr von Heu auf Gras ist besonders groß.

 

Die Wasserzufuhr ist durchs frische Frühjahrs- und Frühsommergras plötzlich enorm. Teilweise kann diese Wasserzufuhr sogar höher sein als die Menge, die ein Pferd zur Heufütterung jemals trinken würde. Das muss alles im Körper irgendwie verarbeitet werden. Feuchtes Futter muss weniger gut eingespeichelt werden und ist schneller verschlungen. Überfressen ist also rasch passiert, wenn wir die Weidezeit nicht langsam genug steigern.

 

Ca. 1 Woche pro Stunde geplanter Weidezeit sollte man sich also schon nehmen um den Verdauungstrakt ausreichend ans Gras zu gewöhnen. Dass heißt bei sehr beschränkter Weidezeit kann der Prozess schneller verlaufen als bei mehreren Stunden Weidezeit oder gar geplanten 24 Stunden Weidegang. Bei mehr als 6 Stunden Weidegang benötigt die Darmflora besonders viel Zeit.

 

 

 

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Anweiden?

 

Hier ist auf ein gewisses Entwicklungsstadium der Pflanzen zu achten und nicht auf einen bestimmten Termin im Kalender. Das ist wetterabhängig und regionsabhängig, wie und wann sich die Gräser entwickeln. Denn das Wachstumsstadium von Gräsern hängt stark von Temperaturen ab und das kann regional sehr unterschiedlich sein. Manche Regionen haben viel länger Schnee oder Frost und sind ggf. später dran als andere Regionen, wo es schon früher keinen Frost mehr hat und generell etwas wärmer ist.

Bevor der gelbe Löwenzahn zu weißen Pusteblumen geworden ist, ist es definitiv zu früh. Am idealsten ist das Gras wenn die ersten Gräser blühen. Im besten Fall hat das Gras dann auch schon wenigstens rund 30 cm Länge.

Bei den Gräsern achten wir vor allem auf das Knaulgras. Wenn das anfängt zu blühen ist das Grasstadium ideal. Das Knaulgras erkennt man gut. Halte mal Ausschau nach dem Knaulgras. Findest du eins? Auch Lieschgras und Spitzwegerich kommen dann zeitnah mit der Blüte hinterher.

Bei Stoffwechselempfindlichen Pferden oder gar Rehekandidaten (insofern sie wieder auf die Wiese dürfen und können) sollte man sogar noch länger warten. Hier beginnen wir am besten erst, wenn das Knaulgras verblüht ist. Das Lieschgras ist etwas später dran als das Knaulgras. Wenn das Lieschgras blüht, kann man anfangen.

Umso später, umso gesünder ist das Gras schon entwickelt und umso weniger problematisch ist die Umstellung für die Darmflora. Wer zu früh beginnt überweidet auch die Weiden mit allen Folgen. Es schadet dann nicht nur dem Pferd, sondern auch der Wiese.

 

Nachteile von zu frühem Anweiden

 

Zu frühes Anweiden bringt einerseits sehr viel Zucker über die frischen grünen Hälmchen. Aber auch altes, totes Gras vom Winter könnte noch vorhanden sein. Oft ist dieses verpilzt und verkeimt. Es ist also weder für die Flächen noch für die Pferde gut! Auch die Vertrittschäden sind auf feuchteren Böden deutlich größer. Narbenlücken entstehen noch leichter. Dort wächst dann potenziell giftiges. Hahnenfuß, Ampferarten, Wegericharten, Kreuzkrautarten wachsen auf solchen Lücken besonders gerne. Eine gute gesunde Weide profitiert also auch von der Winterruhe. Und eine gesunde Weide ist letztlich elementar für die Pferdegesundheit. Wenn wir uns unsere häufig stark überweideten Wiesen in vielen Ställen mit zu wenig Platz (oder zu vielen Pferden) ansehen, ist es kaum möglich, das alles einzuhalten. Allerdings muss einem klar sein, dass dies eine ganze Reihe unserer oft üblichen Gesundheitsthemen begünstigen kann, wenn wir die Pferde zu viel auf solche Wiesen lassen. Oder zu früh.

 

 

Auch die Zuckeraufnahme in kurzer Zeit, ist in der früheren Anweidephase enorm. Das belastet die Darmflora bzw. die Mikroorganismen darin. Zu viele Kohlenhydrate sind toxisch. Diese Situation kann eine nicht zu unterschätzende Leberbelastung sein! Also auch wegen der Leber bitte langsam machen mit dem Anweiden! Auch für sie ist es eine große Umstellung. Wir brauchen hier keine Leberunterstützung zu füttern, wenn wir die belastende Ursache von vornherein vermeiden und es sinnvoll und klug angehen.

Geht das Anweiden langsam und mit Sinn und Verstand von statten, dann profitiert die Leber sogar von den nun natürlich zugeführten Vitaminen im frischen Gras.

 

 

 

Im Herbst bitte auch Abweiden

 

Auch im Herbst sollte nicht von 24/7 Wiese direkt auf Heu umgestellt werden.

Wird die Weide zum Herbst hin immer kahler, sollte dann schonmal Raufutter zugefüttert werden. Zusätzlich kommt in dieser Zeit häufig eine neue Heuernte mit ins Spiel. Auch das ist eine Umstellung. Der Rohfaserbedarf muss zusätzlich gedeckt werden, weil Gras diese nicht mehr ausreichend  hergibt. Weidegras sollte also bestenfalls schonmal mit Heu und gerne auch etwas Stroh ergänzet werden.

Das im Herbst langsam absterbende Gras wird pilzig und auch zuckerreicher. Das ist kotwasserbegünstigend. Es ist eine Leberbelastung und kann auch das Immunsystem allgemein belasten.

Stück für Stück sollte das Pferd also wieder an mehr Heu gewöhnt werden. Das Pferd muss sich dabei gleichzeitig auch umstellen wieder mehr zu Trinken.

Besonders im Herbst, wenn die Feuchtigkeit aus der Wiese wegfällt, wieder mehr Heu gefressen wird und es gleichzeitig zu Temperaturstürzen kommen kann, wird schonmal zu wenig getrunken. Dann kann es schnell zu Verstopfungskoliken kommen.

Man kann sich nicht immer drauf verlassen, dass das Pferd ausreichend trinkt, wie es sollte. Aufs Trinken muss also besonders geachtet werden.

Werden Pferde sehr schnell umgestellt oder man hat wissentlich ein trinkfauleres Pferd kann es helfen 1-2 kg Heucobs mit viel Wasser eingeweicht über den Tag verteilt anzubieten.

Für das Abweiden sollte man sich wie bei jeder größeren Futterumstellung, ca. 3-4 Wochen Zeit lassen.

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