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10.07.2020

Übergewicht ist keine Lappalie,

 

sondern ein ernstes Problem und zu vermeiden!

Viele übergewichtige Pferde sind nicht nur ein bisschen dick – sie sind krank.

 

Bei 5% über Normalgewicht ist das Pferd bereits pummelig bzw. etwas dick. Ab 10 % ist es bereits adipös. Ab 20 % über Idealgewicht sprechen wir sogar schon von schwerer Adipositas! In diesen Bereichen wird Übergewicht tierschutzrelevant wenn nichts dagegen unternommen wird.

Es wird häufig diskutiert wie viel so ein Pferd eigentlich an Reitergewicht tragen kann. Ob 10, 15 oder doch 20% des Pferdkörpergewichts die Grenze sind (mal nebenbei 10 % halte ich für sehr unrealistisch, denn dann dürften wir alle beim durchschnittlichen Pferd nur noch 40-60 kg wiegen). Das soll aber jetzt nicht das Thema sein.

 

Das Thema ist, wie viel schleppt denn das Pferd eigentlich selbst an unnötigem Ballast mit sich herum?

 

20 % klingen im ersten Moment für manchen vielleicht nicht so viel. Beim durchschnittlichen Warmblut reden wir hier aber bereits von 100 – 120 kg Übergewicht.

Das ist enorm!

Das sind bis zu zwei Reitern die das Pferd als Fettmasse mit sich herumschleppen muss.

Beim durchschnittlichen Shetty entspricht das 30 – 40 kg zu viel.

Und beim durchschnittlichen Isländer und alles was sich an Freizeitpferden in diesen Gewichtsklassen bewegt 60 – 80 kg.

Jetzt bekommt das Problem schon ein anderes Gesicht. 5 cm plus oder minus vom Bauchumfang (Gurtlage) können je nach Pferdegröße rund 15 – 35 kg ausmachen. Beim Shetty eher 15 kg – beim Warmblut 35 kg. Klingt auch nicht so viel. Aber 10 cm sind halt bereits das Doppelte und da ist es dann doch schon viel.

 

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Nordpferderassen/ Robustpferderassen haben grundsätzlich mehr Fettspeicherkapazität, als das typische Warmblutpferd oder Vollblut. Man kann sagen umso blütiger umso weniger Fettspeicherkapazität. Nun haben blütige Pferde häufig eh nicht so viel Energie übrig, die sie groß einspeichern für schlechte Zeiten. Diese Pferde sind darauf adaptiert ganzjährig durchschnittlich gutes Futter zu finden.

Die Nordpferderassen / Robustpferderassen sind da genetisch mehr auf schlechte Zeiten eingestellt. Für sie ist es eine Überlebensstrategie sich in den futterreichen Zeiten Speck anzufuttern, um davon in den futterschlechten Zeiten zehren zu können. Diese Rassen haben viel höhere Fettspeicherkapazitäten. Tatsächlich wird ein Südpferdetyp mit weniger Fettspeicherkapazität bei Fetteinlagerung unter Umständen sogar schneller krank als ein nordischer Typ, bei dem das ja ursprünglich so gedacht war Fett einzulagern. Eskalieren wird es aber bei beiden, wenn wir zu lange wegsehen und nicht dagegen steuern. Egal ob wir nun ein Pferd haben, das daran schneller oder langsamer Probleme bekommt – die schlechten Zeiten kommen in unserer Obhut mit gehaltvollem Heu ja nie!

 

Wir sind an zu runde Pferde gewöhnt

 

20 % Übergewicht sehen beim Warmblut/ Vollblut schon ziemlich krass aus. Beim Robustpferd aber noch nicht unbedingt. Da wird das häufig anders wahrgenommen.

Sind wir den runden bis dicken Anblick grade bei diesen Rassen doch auch schon gewöhnt. Und dadurch, dass sie ja wirklich einen rundlicheren Körperbau haben und oft noch viiiieeeel Fell und/ oder Muskelmasse dazukommt wie bei den kaltblütigen Pferden, übersieht man zu viel Gewicht schonmal oder ordnet es falsch ein.

Über 60 % unserer Pferde sind inzwischen zu dick! Überhaupt haben wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz mitunter die dicksten Pferde!

 

Und uns muss bewusst sein: das Fett, dass wir außen sehen, ist nicht alles!

Die andere Hälfte von der Fettmasse sehen wir gar nicht, denn das legt sich um die Organe herum. Es ist unsichtbar IM Pferd.

Es engt Herz, Leber, Lunge und auch den Darm ein. Was sich daraus alles an Problemen entwickeln kann kannst du dir nun sicher selbst denken.

Lungenprobleme, Leistungsschwäche, Magen-Darmprobleme, Koliken und in der Folge Dinge wie Gelenk- und Sehnenprobleme, Hufrehe, Stoffwechselerkrankungen aller Art und allgemein Entzündungen. Die Organfuktion wird schlechter und das Pferd altert rascher. Die Lebenserwartung wird reduziert.

Nährstoffunterversorgungen verstärken die Probleme dann noch zusätzlich. Denn so doof wie es klingt: Viele dicke Pferde sind überversorgt und mangelernährt gleichzeitig.

 

Wir haben uns inzwischen so sehr an die rundlichen Formen gewöhnt, dass man mit einem etwas kantigeren, aber normalgewichtigen Pferd zum Teil eher kritisiert wird als mit einem dicken oder gar schwer übergewichtigen Pferd. Ich erinnere nochmal. 10 % über Idealgewicht sind bereits adipös.

 

„Whole Horse Dissection“ haben zum Thema Fettmasse vor kurzem Bilder veröffentlicht von einem sezierten Pferd. Auf diesen Bildern kann man die gelben Fetteinlagerungen am Körper und um die Organe herum gut betrachten. 

 

 

 

 

Folgen vom Übergewicht

 

 

Aber nicht nur das Fett ist das Problem. In der Folge des Übergewichts verändert sich auch das hormonelle Gleichgewicht.

Werden die Fettspeicher länger strapaziert, ohne sie auch wieder zu verbrauchen verändert sich auch der Hormonhaushalt. Umso fortgeschrittener diese hormonelle Veränderung ist, umso schwerer wird man die Polster wieder los. Denn wir kennen auch diese Pferde, die eigentlich bei einer Diät schon ganz gut abgenommen haben – man spürt sogar die Rippen wieder, wenn wir sie ertasten – aber die Polster an Hals, Schultern, Kruppe oder wo auch immer sie sich befinden, sind noch da.

 

Ist der Hormonhaushalt erstmal aus dem Gleichgewicht verändert sich oftmals auch das Fressverhalten auffällig.

Manche Pferde schlingen dann immer mehr als gäbe es kein Morgen.

Bei manchen Pferden stellt sich aber auch eine Appetitlosigkeit ein. Sie wirken erschöpft und lethargisch.

Vor uns stehen dann Pferde, die viel zu dick sind, obwohl sie eher lustlos am Heu herumkauen und gefühlt eigentlich gar nicht so viel fressen. Tun sie oftmals dann tatsächlich auch nicht mehr.

Im ungünstigsten Fall entsteht in dieser Phase dadurch sogar Energiemangel. D.h. sie nehmen weniger Energie auf als ihr Bedarf ist – und nehmen trotzdem nicht ab! Denn auch zu wenig Energie ist nicht förderlich für ein Stoffwechselgleichgewicht. Und mit jedem Kilogramm weniger, landen auch noch weniger andere Eiweiße, Mineralstoffe und Spurenelemente im Pferd.

Deshalb schaden Hungerkuren!

Zum einen wegen der noch schlechteren Nährstoffversorgung. Zum anderen wegen des Stresses, der dabei entsteht und der Ausschüttung der Stresshormone, die ebenfalls alles durcheinander bringen im Hormongleichgewicht. Herunterhungern ist keinesfalls die Lösung. Herunterhungern birgt auch die Gefahr von Hyperlipiädemie.

 

Bei der Hyperlipidämie lösen sich durch zu schnelles Abnehmen zu viele Fettpartikel und gelangen ins Blut. Diese Fettlösung wird auch durch Insulin und Adrenalin gesteuert. Deshalb kann auch zu viel Stress und die daraus freigesetzten Stresshormone eine Hyperlipidämie begünstigen und ist unbedingt zu vermeiden.

 

 

Fettleibigkeit entsteht durch Überversorgung.

 

Meistens zu viele Kohlenhydrate.

Seltener durch zu viel Fett oder zu viel Protein.

Nun lebt das Pferd ja von Kohlenhydraten. Eine ausgewogene Bilanzierung ist also unumgänglich.

Je dicker das Pferd ist umso wichtiger ist es, dass du weißt welche Nährstoffe im Futter stecken. Und dann muss das Futter so zusammengestellt werden, dass die Energiezufuhr nicht über den Bedarf hinausgeht – dabei aber alle Nährstoffe, die das Pferd sonst noch benötigt bedarfsgerecht gedeckt werden UND genügend Rohfaser zusammenkommt damit das Pferd dabei nicht hungert. Denn von der Menge der Rohfaser hängt die Sättigung letztendlich ab und damit auch der Stresslevel, den das Pferd dabei hat!

 

Der Haltungsrahmen ist dabei untrennbar an die Fütterung verknüpft.

 

Denn er muss so gestaltet sein, dass wir es schaffen, diese berechnete ideale Ration auch zu füttern.

Dies kann im schlimmsten Fall auch einen Stallwechsel nötig machen, wenn es anders nicht möglich ist diesen Rahmen zu gestalten. Das macht das Thema Übergewicht und bedarfsgerecht füttern so unglaublich unangenehm.

Fütterung, Haltung, Bewegung sind untrennbar.

Ein Leitsatz den du von mir immer und immer wieder antriffst.

Bei Übergewicht muss an allen Stellschrauben gearbeitet werden, um es in gesunde Bahnen zu lenken. Wir können keinen der drei Bereiche vernachlässigen. Oftmals ist ja die Vernachlässigung eines Bereiches sogar mit daran Schuld, dass das Pferd nun in dieser Situation ist.

Es gibt da leider keine Wunderpille!

Wenn wir ein anderes Ergebnis erreichen wollen, müssen wir Dinge an in der Handlung verändern. Das ist nicht nur beim Pferd so, das ist im ganzen Leben so.

 

 

 

 

Auch Offenställe dürfen keine Ausrede dafür sein, dass Pferd weniger zu bewegen!

Denn grade die Pferde, die zum dick werden neigen, sind häufig auch Energiesparer. Die werden sich von allein nicht so viel bewegen, wie es benötigt, um unserem gehaltvollen Futter entgegenzuwirken. Und gleichzeitig werden die Pferde dann mit ad Libitum Heu und/oder Wiese ja auch noch gemästet.

Tut mir leid für die unsanfte Wortwahl – aber es ist leider häufig ein Mästen.

 

Pferde regulieren sich auch nicht irgendwann selbst wenn wir sie ins Schlaraffenland stellen und Heu und Gras in Hülle und Fülle zur Verfügung steht.

Sie regulieren sich einzig und allein über die Sättigung durch Rohfaser. Über Heu und Gras allein wird schnell doppelt so viel Energie aufgenommen, bis die Sättigung überhaupt eintreten kann. Je nachdem wie viel Rohfaser eben drin steckt ist der Überschuss dann eben kleiner oder auch größer.

 

Ein Pferd ist kein ad Libitum Heufresser oder gar Grasfresser.

 

Ein Pferd ist ein Dauerfresser von Raufutter!

 

 

Rohfaserreich und energiearm muss es sein.

Das erreichen wir selten mit Heu allein.

Mit Mischrationen die Stroh, Blätter und Rinden mit einbinden schon eher.

Umso rohfaserreicher und satter das Pferd ist umso eher kommt es auch mit Fresspäuschen zurecht. Im besten Fall wird das Pferd sie dadurch selbst einlegen und man muss sich auch darüber gar keinen großen Kopf machen.

Die Pferde sollen satt sein – sie müssen aber nicht pappsatt sein!

 

Bei zu viel Zucker und/oder zu wenig Rohfaser im Gras und Heu kann sich das Pferd dagegen nicht regulieren.

Wir bzw. unser Hungergefühl reguliert sich mit Salat ja auch besser als mit Torte. Auch wenn wir die Torte aufgrund vom Geschmack vielleicht bevorzugen…

Aus diesem Grund ist eine Weide für zu dicke Pferde auch möglichst hoch ausgewachsen – mit viel Rohfaser und sättigend! Umso kürzer das Gras umso schlechter, denn das ist unter Umständen nur noch Zucker ohne Nährstoffe und ohne sättigende Rohfaser. Das Pferd wird das mit noch mehr fressen versuchen auszugleichen. Der Energieüberschuss ist ihm dabei egal. Das Pferd frisst nach seinem Rohfaserbedarf – wenn der Energieüberschuss dabei so groß ist, dass das Pferd verfettet, ist die Ration falsch zusammengestellt und/oder der Haltungsrahmen nicht förderlich.

 

Und die Fettpolster?

 

Die gehen nur durch Bewegung weg. Besonders schlecht ist die Ausgangssituation also, wenn das Pferd vielleicht schon Hufrehe hat oder einen anderen gesundheitlichen Grund, wodurch es nicht – oder nur noch sehr eingeschränkt – bewegt werden kann. Übrigens ist auch starkes Übergewicht ein solch einschränkender Grund. Lassen wir es also am besten erst gar nicht so weit kommen.

 

 

 

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