Brauchen Pferde Getreide?
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Inhaltsstoffe im Pferdefutter
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Das solltest du darüber wissen.

 

 

Als wir begannen Pferde als Arbeitstier zu gebrauchen, musste eine neue Ernährungsform gefunden werden die schnell Energie liefert.

Pferden tut Getreidefütterung an sich gut.

Was aber ist mit den modernen Müslis und Pellets?

Das bekömmlichste Getreide ist und bleibt der Hafer. Inzwischen haben wir aber auch viele andere Getreidesorten im Futter. Gerste, Mais, Dinkel, Weizen. Sie alle sind schwerverdauliche Getreide und dürfen nicht unaufgeschlossen in größeren Mengen verfüttert werden. Für das Pferd sind größere Stärkeportionen verdauungsphysiologisch ein Problem und können den Verdauungstrakt gehörig durcheinanderbringen. Getreide muss also thermisch aufgeschlossen werden; erhitzt, gewalzt, gepoppt oder gequetscht.

Gequetschtes bzw. aufgeschlossenes Getreide ist nicht lange haltbar, da die im Getreide steckenden Fette schnell ranzig werden und dann lebertoxisch wirken würden. Somit ist es dringend notwendig verarbeitetes Getreide in Müslis zu konservieren.

 

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Müslis sind bunt und machen vor allem uns Menschen Appetit.

 

 

Unzählige Aromastoffe und sogar ätherische Öle werden dafür verwendet. Als Vorteil für Müsli wird häufig das Argument genannt, dass es die Kautätigkeit anregt. Ja, ein Pferd muss kauen, aber dazu benötigt es kein Müsli, sondern eine bedarfsgerechte Grundversorgung mit Grundfutter (Raufutter).

Manche Pferdehalter haben „Angst“ vor Hafer, weil ihre Pferde dadurch zu spritzig werden. Vor allem dann wird gerne auf Müslimischungen mit anderen Getreidesorten zurückgegriffen. Für viele ist es nicht einfach zu erkennen wie gut das Getreide wirklich aufgeschlossen wurde. Das ist aber entscheidend für die Verwertbarkeit und die Darmgesundheit des Pferdes!

Um das verarbeitete Korn vor Schimmel, Pilzen und ranzig werden zu schützen, muss es konserviert werden! Die bekannteste Form von Konservierung ist die Melasse, mit der die Körner fein überzogen werden, um sie vor Verderb zu schützen. Auf eine zusätzliche chemische Konservierung wird dann in den meisten Fällen verzichtet. Bei melassefreien Müslis ist also besondere Vorsicht geboten! Denn auch sie müssen konserviert werden. Chemische Konservierungsstoffe sind zwar als unbedenklich eingestuft; es gibt aber durchaus Verdacht -Allergien auszulösen.

 

Melasse wirklich so schlecht?

 

 

Melasse ist ein Nebenerzeugnis der Zuckerproduktion. Dieser Zuckersirup besteht zu 50 % aus Zucker und hat außerdem einen hohen Anteil Rohprotein, sekundären Pflanzenstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. (Kalzium, Phosphor, Magnesium, Kalium) In Müslis dient sie als Konservierung, bei der Pelletherstellung als Hilfsmittel zum Pressen. Sie bindet außerdem Staub. Melasse ist eine hohe und schnelle Energiequelle.

Es stellt sich also weniger die Frage ob Melasse gut oder schlecht ist fürs Pferd, sondern viel mehr braucht mein Pferd dieses Futter als zusätzliche Energiequelle oder nicht.

 

Das Pferd lebt von Zucker

 

Zucker aus Pflanzen.

Dies ist die wichtigste Energiequelle für Pferde!

Melasse von Zuckerrüben ist für Pferde unverträglicher. Melasse aus Zuckerrohr dagegen wird besser vertragen, denn das Zuckerrohr zählt zu den Süßgräsern und ist damit natürlicher und besser bekömmlich fürs Pferd.

 

Über unsere gehaltvollen, süßen Wiesen haben wir allerdings häufig bereits genug Zucker in der Futterration unserer Pferde. Bringen wir nun noch zusätzlich größere Mengen Melasse, Stärke oder Fruktan (für mich steht das alles auf derselben Stufe) ins Pferd, kann es das Darmmilleu empfindlich stören und Folgeerkrankungen begünstigen. Wer also auf den Zuckergehalt achten muss sollte sich überlegen ob er überhaupt zu Zusatzfutter greift.

 

 

Die wichtigste Frage – Warum fütterst du das?

 

 

Wir sollten uns immer fragen, warum wir unserem Pferd ein bestimmtes Futtermittel geben. Kein Futtermittel oder Zusatzstoff ist per se gut oder schlecht!

Jedes Futtermittel und jeder Zusatzstoff hat Vorteile und Nachteile.

Viel wichtiger ist also über Futtermittel und Stoffe Bescheid zu wissen und seine Vor- und Nachteile zu kennen. Wenn wir außerdem den Bedarf unseres Pferdes kennen, dann können wir abschätzen was ihm eher guttut und was eher nicht.

 

Beispiel:

Hafer hat viele Vorteile: er bringt wertvolle Mineralstoffe, Aminosäuren zusätzliche Rohfaser und natürliche Fette in die Ration und das bei geringem und sehr leichtverdaulichem Stärkegehalt. Nachteil kann sein: Manche Pferde werden davon sehr spritzig, was uns Menschen im Handling dann nicht gefällt. Dies liegt aber dann nicht am Hafer, sondern an einer nicht bedarfsgerechten Fütterung. Das Pferd benötigt die zusätzliche Energie vielleicht gar nicht!

Es benötigt dann aber auch die zusätzliche Energie aus keinem anderen Kraftfutter.

Das ist der Punkt.

Andere Getreidesorten haben schon grundsätzlich eine schlechtere Vor- und Nachteil-Bilanz. Schwerer verdauliche Stärke, die nur durch thermischen Aufschluss überhaupt verwertbar wird fürs Pferd und zudem noch mit irgendwas konserviert werden muss.

Haben wir vielleicht ein Pferd, das zu dünn ist und zunehmen soll, von Hafer aber zu spritzig wird – für so ein Pferd kann Müsli eine hervorragende Alternative sein. So einem Pferd tut dann auch die Melasse nichts – im Gegenteil. Melasse ist, solange sie bedarfsgerecht angewendet wird fürs Pferd nicht schädlich! Schädlich ist sie nur wenn sie nicht bedarfsgerecht angewendet wird so wie alles andere auch. Auch die Melasse ist also nicht gut oder schlecht. Je nach Anwendung hat sie eben Vor- oder Nachteile.

Jeder Stoff hat Vor- und Nachteile.

 

Umso mehr Stoffe wir aber ins Pferd bringen umso länger wird unter Umständen die Liste mit schlechten Komponenten, die nicht zum Pferd und zur individuellen Situation passen. Ein Müsli an sich ist ja häufig schon eine lange Liste verschiedenster Komponenten (Inhaltsstoffen). Und haben wir zu viele Stoffe mit Nachteilen ist das Futter tendenziell natürlich schädlicher.

Müslimischungen sind dadurch einfach generell ein schlecht einzuschätzender Faktor!

Auf die Deklaration und einzelne Inhaltsstoffe und ihre Vor- und Nachteile werde ich in einem extra Beitrag nochmal eingehen um den Rahmen hier nicht zu sprengen.

 

 

 

 

Futtermittel als Allergieauslöser

 

 

Grundsätzlich könnte jeder Bestandteil eines Futtermittels eine Allergie auslösen. Die Futtermilbe ist aber ganz vorne mit dabei und ein großer Faktor. Ein Krippenfutter ohne Futtermilben gibt es nicht. Vor allem Müslis bergen eine große Gefahr mit Futtermilben belastet zu sein. Keine Abfüllanlage oder Vorratssilo ist 100 %ig steril und völlig frei von Milben. Wird das Futter dann auch noch ungünstig gelagert (Hersteller, Laden oder Pferdemensch) bietet das für Milben Nährboden sich zu vermehren. Besonders im Warmen fühlen sich die kleinen Kerlchen wohl. In melassierten Müslis fühlt sich die Milbe noch wohler. Umso mehr Melasse umso mehr Feuchtigkeit ist auch im Futter was die Haltbarkeit stark senken kann.

Auf was also reagiert das allergische Pferd nun wirklich? Ist es wirklich die Melasse? Oder doch eher eine Kombination zu vieler ungünstiger Stoffe und einer Milbenbelastung.

 

Die Häufigkeit der allergischen Reaktion auf die Futtermilbe liegt mit 54 % weit vor anderen Allergenen wie Insekten, Pollen und Schimmelpilzen. Nicht immer sehen wir den Zusammenhang zwischen allergischer Reaktion und Fütterung. Hat das Pferd allergische Reaktionen und Müsli in seiner Ration, ist es immer ein guter erster Schritt dieses zu verbannen.

 

 

Pellets

 

 

 

Pellets haben den großen Nachteil, dass wir nicht sehen können was wirklich drin ist. Außerdem fördern Pellets die Hakenbildung an den Zähnen. Sie sind in ihrer rundlichen Form unphysiologisch fürs Pferd zu Kauen. Die Backenzähne des Pferdes zermahlen mit ihren flach auf einander liegenden Kauflächen das Futter zwischen ihren Zähnen. Dabei machen sie eine seitliche Kaubewegung in dem Unterkiefer und Oberkiefer aufeinander mahlen. Die rundliche Form der Pellets macht diese natürliche Mahlbewegung unmöglich. Sie rollen zwischen den Zähnen davon. Dadurch kaut das Pferd unnatürlich was die Bildung von Haken fördert, da die Abnutzung gestört wird. Außerdem steigt dadurch die Gefahr für Schlundverstopfungen, weil sie nicht gut genug zerkaut werden oder sogar aufquellen.

 

Viele Futtermittelhersteller erkennen das inzwischen und Pellets sind heute deutlich kleiner geworden. Die kleiner geformten Pellets, sind nur noch so groß wie Getreidekörner und definitiv gesünder fürs Pferd. Pellets haben den großen Vorteil, dass sie durch ihre gepresste Form von Haus aus staubarm sind. Außerdem können auch flüssige Bestandteile wie Öle besser darin untergebracht werden. Gute Pellets haben außerdem nicht quellende Bestandteile und zerfallen beim Fressen nur (einfach in einem Glas Wasser testen).

 

Mein Fazit:

Müsli muss nicht grundsätzlich schaden, wenn es bedarfsgerecht eingesetzt wird. Als Extra Energiequelle ist und bleibt der Hafer aber das bekömmlichste und wertvollste Getreide und macht vieles andere einfach unnötig. Und viel günstiger ist es außerdem!

 

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