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Das solltest du über Getreide wissen!

 

Getreide bzw. Getreidefütterung hat einen immer schlechteren Ruf in der Pferdewelt bekommen. Zumindest ist so mein Eindruck.

 

Pferdebesitzer leichtfuttriger Pferde entscheiden sich häufig dagegen Getreide zu füttern, aus der Angst heraus ihr Pferd wird zu dick oder bekommt davon Hufrehe. Oder das Pferd ist bereits vorbelastet und hat Stoffwechselprobleme oder Hufrehe.

 

Getreidebefürworter sind häufig Leute mit schwerfuttrigen oder alten Pferden, denen extra Energie zugeführt werden muss damit sie ihr Gewicht halten können.

 

Beide Gruppen – ob pro Getreide oder gegen Getreide – verbinden Getreide aber hauptsächlich mit dem Gedanken: Energie. Darauf basiert dann auch die Entscheidung ob Getreide gefüttert wird oder eher nicht.

 

 

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Aber was ist denn nun besser?

 

Braucht das Pferd wirklich Getreide?

Und ist getreidefrei wirklich besser?

 

Wie immer möchte ich aufzeigen, dass weder das eine noch das andere besser oder schlechter sein muss. Füttern wir das Pferd nicht bedarfsgerecht, kann beides negative Auswirkungen haben. Beides hat seine Berechtigung. Wir müssen wie immer die Zusammenhänge verstehen damit wir für unser Pferd die richtige Entscheidung treffen können.

 

 

Allgemeines zu Kohlenhydraten

 

 

Kohlenhydrate sind die wichtigste Energiequelle für unser Pferd. Das Pferd lebt von Kohlenhydraten. Diese kommen aber auf natürlichste Weise aus Pflanzen. Aus der Pflanze gewinnt das Pferd hauptsächlich langsamverdaulichen Zucker. Schnellverdaulicher Zucker steckt in geringeren Mengen als Stärke in den Samen der Pflanze.

 

 

Die unterschiedlichen Zucker werden im Körper unterschiedlich verstoffwechselt und das ist das entscheidende. Als Grasfresser nimmt das Pferd vor allem langsamverdauliche Kohlenhydrate auf. Dafür ist die Pferdeverdauung ausgelegt.

 

Mit schnellverdaulichen Zuckern wie Stärke oder gar nicht dünndarmverdaulichen Zuckern wie Fruktan können wir die Verdauung gehörig durcheinanderbringen. Dabei spielt gar nicht immer die Menge eine Rolle, sondern noch viel wichtiger, dass Fütterungsmanagement. Füttern wir falsch und nicht bedarfsgerecht können auch schon kleinere Mengen großen Schaden anrichten.

 

 

 

 

Stärkeverdauung

 

Stärke ist ein schnellverdaulicher Zucker, der einiges im Pferd durcheinanderbringen kann, wenn wir sie falsch und in zu großer Menge zuführen.

Große stärkehaltige Futterrationen sind für das Pferd problematisch da seine Verdauungszeit begrenzt ist. Es sollte nie mehr als 1g Stärke pro 1 kg Körpermasse auf einmal gefüttert werden. Es kommt also mit auf die Art des Getreides an, welche Menge das ist.

 

Deshalb ist es grundsätzlich immer besser bei größeren Mengen Kraftfutter mehrere Portionen über den Tag verteilt zu füttern.

 

Auch ist es verdauungsphysiologisch schlecht Getreide vor der Heumahlzeit zu füttern. Getreide hat eine viel längere Verweildauer im Magen als Heu. Während Heu etwa 2 Stunden im Magen verweilt bevor es in den Dünndarm und schließlich in den Dickdarm weitergeht, verweilt Getreide gut die doppelte Zeit im Magen bevor die Reise weitergeht.

 

Liegt nun das Getreide zuerst im Magen – das betrifft vor allem die Leute, die ihre Pferde portioniert füttern – und schiebt das Heu hinterher, wird das Getreide zu frühzeitig in den Dünndarm und in den Dickdarm befördert.

 

Auch eine zu große Stärkemenge über 1g pro Kilogramm Körpergewicht birgt diese Gefahr, dass die Stärke im Dünndarm noch nicht ausreichend verdaut ist und mit in den Dickdarm gelangt. Und hier entsteht das eigentliche Problem. Die Bakterien im Dickdarm werden durch die Stärke kräftig durcheinandergebracht. Das Darmmilleu kippt. Hier ist das Fütterungsmanagement also eine viel größere Problematik als die Art des Futters. Gerät das Dickdarmmilleu durch die Stärke, die da nichts zu suchen hat, durcheinander ist das ein großer Faktor für Aufgasen, Kotwasser, Durchfälle, Koliken und Hufrehe.

 

Hier muss also nicht das Getreide an sich dran schuld gewesen sein. Das ungünstige Fütterungsmanagement richtet den Schaden an.

 

 

Das Pferd ist ein Pflanzenfresser – ist getreidefrei da nicht sowieso besser?

 

 

Grade bei übergewichtigen Pferden und Pferde, die nicht bewegt werden, kann eine getreidefreie Fütterung die bessere Wahl sein. Für Pferde mit Insulinresistenz, EMS, PSSM oder gar Hufrehe wird getreidefreie Fütterung zu einer der wichtigsten diätischen Maßnahmen.

 

Viele Pferde können aus unserem meist gehaltvollen Heu, Gras und Stroh ausreichend Energie für sich gewinnen was ein zufüttern von Getreide als Energiequelle überflüssig macht.

 

Vor allem Sportpferde oder sehr alte Pferde bekommen aber häufig nicht mehr genügend Energie über Raufutter. Vor allem bei vollblütigen Pferden kommt es schneller zu Energieunterversorgung die rasch zur Abmagerung führt. Der Energiebedarf ist abhängig von Alter, Wetter, Bewegung, Haltung, Fütterungsrahmen, Krankheit und Stress. Aus der Kombination mehrerer Faktoren kann der Energiebedarf schnell deutlich erhöht sein und Heu allein reicht nicht mehr aus. Pferde, die im Winter zum auszehren neigen und kraftlos werden oder Pferde im Wachstum profitieren sehr von Getreidefütterung.

 

Besonders auf unsere Rentnerpferde müssen wir im Winter aufpassen, dass sie nicht zu viel Gewicht verlieren. Bei alten Pferden ist es leichter das Gewicht zu halten, als einmal verlorenes Gewicht wieder drauf zu bekommen. Was mal weg ist, bringen wir ab einem gewissen Alter nur schwer wieder drauf.

 

 

 

 

 

Ein großes Problem bei getreidefreier Fütterung:

 

 

Getreidefrei gefütterte Pferde benötigen zwar die zusätzliche Energie nicht, erleiden aber leicht einen Phosphormangel. Vor allem wenn das Pferd mit sehr überständigem Heu und rationiert gefüttert wird, tritt dieses Problem auf. Und dies betrifft ja häufig Pferde, die auf strenger Diät sind.

 

Kalzium ist im Raufutter meist mehr als ausreichend vorhanden. Phosphor nicht.

 

Getreide ist die einzige sinnvolle Phosphorquelle, um viel Kalzium gegenzusteuern und schon mit wenig Menge ein gutes Kalzium-Phosphor-Verhältnis zu erreichen. Unser Heu und Gras ist in der Regel sehr kalziumreich. Phosphormangel stört das Wachstum, die Fruchtbarkeit und führt zu Knochenbrüchigkeit. Bei getreidefrei gefütterten Pferden müssen wir also doppelt gut aufpassen ob es alle Nährstoffe bekommt, die es benötigt.

 

Bei unseren kalziumreichen Wiesen hat Getreide also durchaus eine Berechtigung in der Pferdefütterung und ist nicht einfach nur ein Mittel die Energie zu pushen.

 

 

Welches Getreide ist am besten?

 

 

Wie immer gilt, was zu deiner individuellen Situation und deinem Pferd passt.

Hafer ist und bleibt das bekömmlichste Getreide. Er enthält 40 % Stärke, die zudem leichter verdaulich ist als bei anderen Getreidesorten. Hafer darf als einziges Getreide auch ungequetscht verfüttert werden und ist trotzdem gut verwertbar. Gerste enthält 60 % Stärke und Mais sogar 70 %. Die Stärke von Gerste und Mais ist schwerer verdaulich und darf nur gequetscht und gepufft verfüttert werden, um keine Schäden in der Darmflora zu verursachen. Die Stärke wird durch diese Verarbeitung leichter verdaulich.

Auch Kleie liefert Energie und bringt Substanz ans Pferd hat aber den Vorteil eines deutlich niedrigeren Stärkegehalts und ist somit auch energiearm. Grade für Ponys ist das interessant.

 

 

 

 

 

Hafer

 

Hafer ist ein leichtverdauliches Getreide. Die Stärke wird bis zu 90 % bereits im Dünndarm verdaut und läuft somit wenig Gefahr im Dickdarm zu landen insofern die Fütterung richtig gemanagt wird. Er enthält außerdem einen großen Anteil an wertvollen Aminosäuren. Diese Aminosäuren unterstützen die körpereigenen Proteine und wirken sich günstig auf den Stoffwechsel aus. Hafer ist sehr mineralstoff- und vitaminreich. Die Energie vom Hafer geht schnell in den Organismus.

 

Ob Hafer gequetscht oder ungequetscht gefüttert wird, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Er ist so oder so gut verdaulich. Gequetscht ist Hafer allerdings nicht lagerfähig. Er sollte immer frisch vor dem füttern (maximal 24 Std.) gequetscht werden, da die Fette im Hafer ohne Konservierungsstoffe schnell ranzig werden und dann lebertoxisch wirken. Wer also nicht die Möglichkeit hat, Hafer frisch zu quetschen sollte ihn lieber ungequetscht verfüttern. Welche Sorte (Gelbhafer, Schwarzhafer etc) macht dabei wenig Unterschied. Besondere Sorten sind häufig nur deutlich teurer.

 

 

Gerste

 

Auf Gerste wird meist zurückgegriffen, wenn der Hafer „sticht“. Wenn der Hafer sticht, liegt es aber häufig generell daran, dass Energieüberschuss herrscht und das Pferd diese Zufütterung vielleicht gar nicht benötigen würde. Dies ist aber ein anderes Thema, dass ich hier nicht weiter ausbreiten möchte.

 

Der Hafer kommt durch seine leichte Verdaulichkeit eben zu einem größeren Anteil auch dort an wo er hin soll. Während Hafer bis zu 90 % verdauliche Energie erreicht, sind es bei Gerste nur rund 20 %. Deshalb kann Gerste auch nicht unverarbeitet verfüttert werden, sondern muss mindestens gut gewalzt sein. In geflockter oder gepoppter Form erreicht Gerste sogar mehr verdauliche Energie als Hafer. Die Energie von Gerste geht allerdings langsamer in den Organismus weshalb wir hier eine langanhaltendere Energie haben als beim Hafer und das Pferd vielleicht weniger spritzig wird.

 

 

Mais

 

Mais muss gepoppt oder wärmebehandelt werden, um verwertbar fürs Pferd zu werden. Dann ist er noch energiereicher als Gerste und vor allem fürs Hochleistungspferde interessant. Bruchmais bzw. Unverarbeiteter Mais erreicht allerdings nur 29 % verdauliche Energie und ist eine Belastung für den Verdauungstrakt.

 

Gerste und Mais bergen durch ihre schlechtere Dünndarmverdaulichkeit eine größere Gefahr in den Dickdarm zu gelangen und dort das Darmmilleu zu stören. In der Bilanz birgt Mais viel mehr Gefahren als Nutzen weshalb er für die Pferdefütterung keine wichtige Rolle spielt. Es gibt sinnvollere Alternativen.

 

 

Weizenkleie

 

Weizenkleie hat völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf und wird in der Pferdefütterung stark unterschätzt.

 

Weizenkleie ist sehr nährstoffreich und verdauungsfördernd und zählt zu den diätischen Futtermitteln. Bei der Getreideverarbeitung entsteht dieses Nachmühlenprodukt. Kleie ist reich an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen und dabei sehr energiearm.

 

Ihr schlechter Ruf entstand durch Fütterungsfehler, die man vor 100 Jahren gemacht hat und es hält sich bis heute hartnäckig. Die Müller von früher fütterten mehrere Kilo Weizenkleie pro Tag als alleiniges Kraftfutter an ihre Pferde. Die Pferde litten damals unter einem enormen Phosphorüberschuss. Die Ursache für die sogenannte Bäckerpferdekrankheit.

 

Daraus entstand auch das Gerücht, dass man Mash nicht täglich füttern sollte. Tatsächlich ist bis zu einem Kilogramm Weizenkleie (Ponys entsprechend weniger) kein Problem und sogar sehr wertvoll.

Gerade für leichtfuttrige Pferderassen ist Weizenkleie eine energiearme und stärkearme Phosphorquelle.

 

 

Es geht nie darum ein Futtermittel als gut oder schlecht einzuordnen.

 

 

Es geht immer darum das am besten passenste Futter für unser individuelles Pferd zu finden.

Es ist wichtig es immer ganzheitlich zu betrachten.

 

Dabei sollten folgende Fragen beantwortet werden.

 

  • Welche Vor- und Nachteile hat ein Futter?
  • Welches Ziel verfolge ich mit der Fütterung des Futters?
  • Welches Futter ist das geeignetste für dieses Ziel?
  • Welche Futtermenge brauche ich, um dieses Ziel zu erreichen?
  • Ist die Menge realistisch oder versorge ich mein Pferd damit an anderer Stelle vielleicht über und ist so mehr schädlich als nützlich?

 

Sind alle Bedingungen geklärt und passen zum Pferd dann ist die Ration bedarfsgerecht und wird nicht schädlich sein. Zum Thema Müsli findest du übrigens hier einen Beitrag.

 

Bis bald

 

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