Von Zufallsbefunden und Irrwegen
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Ein unterschätztes Mengenelement?

 

 

Über MSM gibt es wie bei so vielem:

Stimmen die dafür und Stimmen, die dagegen sind.

Wie bei allem möchte ich heute mit dir zusammen einen differenzierten Blick auf MSM werfen, damit du dir selbst leichter eine Meinung bilden kannst. Falsch eingesetzt kann wie immer nämlich beides schlecht sein. Die Stimmen auf beiden Seiten haben also sowohl recht als auch unrecht.

 

Wieso?

 

Möchte ich nun für dich darstellen:

 

MSM ist eine organische Schwefelverbindung und steht für MethylSulfonylMethan. Es ist also eine natürlich vorkommende Verbindung.

 

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Es gibt Stimmen, die MSM regelrecht verteufeln.

Es würde zu Magengeschwüren führen und die Aufnahme von wichtigen Spurenelementen binden und das Pferd so in eine Mangelsituation treiben. Man hat mich außerdem wissen lassen, es wäre vor langer Zeit sogar ausgerechnet worden, dass 10 g MSM bis zu 800 mg Spurenelemente binden können und MSM eine Mineralfutterration somit kaputt pfuscht.

 

Vor allem das „vor langer Zeit“ stört mich an dieser Aussage sehr.

 

Hier wird sich auf Untersuchungen von 1977, 1992 und 1997 berufen, wo herausgefunden wurde, dass ein Überschuss an Schwefel in der Tierernährung die Aufnahme von Spurenelementen (Selen und Kupfer) hemmt.

 

Das ist auch nicht falsch!

Es ist aber wie so oft eine einseitig betrachtete Aussage. Mal wieder eine Behauptung, mit der man bezweckt, dass wir sie einfach schlucken, ohne noch groß zu hinterfragen.

 

 

Schwefel ein Spurenelementkiller?

 

 

Das Schwefel die Spurenelementaufnahme hemmt oder sogar ausleitet, liegt nicht am Schwefel selbst, sondern dass Überschuss genauso wie Unterversorgung eben Folgen nach sich zieht und sehr schädlich sein kann.

 

Überschüsse von anderen Stoffen sind aber genauso ein Problem.

 

So hemmen beispielsweise auch zu viel Eisen oder Kupfer unter anderem die Zinkaufnahme, zu viel Mangan wiederum die Eisenaufnahme, zu viel Phosphor beeinträchtigt die Kalziumverwertung und so weiter und so fort.

Alle Mineralstoffe müssen im richtigen Verhältnis stehen. Auch andere Mineralien und Spurenelemente können bei Überschuss an einer anderen Stelle eine Mangelsituation erzeugen.

 

Früher hatten wir noch mehr Schwefel in den Böden als heute und wenn wir schauen zu welcher Zeit diese Untersuchungen stattgefunden haben müssen wir hier von einer wahrscheinlicheren Überversorgung ausgehen, die zu diesem Ergebnis geführt hat. Früher waren die Böden allgemein noch schwefelhaltiger also war auch mehr davon in der Futterration. Die Ergebnisse sind also nicht falsch – die Ausgangsbasis ist nur inzwischen eine andere und nicht mehr vergleichbar.

 

Denn die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Wir haben inzwischen 2020 und neuere Untersuchungen ergeben, dass unsere Böden viel ausgelaugter sind als früher. Die Schwefelanreicherung ist zwischen 2006 und 2012 zwar auch nachweislich wieder etwas gestiegen. Nichtsdestotrotz haben unsere Pferde mit vielerlei Problemen zu tun, wo auch Schwefel mit ins Blickfeld gerückt werden muss.

 

 

Schwefel – Das drittwichtigste Element im Körper

 

 

Schwefel ist neben Kalzium und Phosphor das drittwichtigste Mengenelement im Pferdekörper. Damit steht es sogar vor Magnesium. Jeder redet von den anderen Mineralien, wir können Schwefel aber nicht einfach verteufeln und ausschließen.

 

Wie bei allen Stoffen gibt es unterschiedliche Schwefelverbindungen. MSM ist eine natürlich vorkommende Verbindung die gut aufgenommen werden kann. Reiner Schwefel, wie z.B. Die Schwefelblüte werden schlecht verwertet.

 

 

Schwefel wirkt überall!

 

 

Schwefel ist zuständig für die Kollagenbildung und damit nicht nur für Gelenke, Knorpel und Sehnen elementar, sondern auch für Haut, Hufe und Haare notwendiger Bestandteil.

 

Schwefel ist eine Nährstoffverbindung, die in allen lebenden Organismen vorkommt und für die Gesundheit absolut wichtig ist. Er ist Bestandteil von sehr vielen Enzymen und Hormonen. Viele Enzyme und Eiweiße sind auf Schwefelbrücken angewiesen. Diese Schwefelbrücken sind für eine ordnungsgemäße Struktur der Proteine und Enzyme zuständig. Ohne Schwefel stellt der Körper zwar auch Enzyme und Proteine her, sie sind aber inaktiver. Deshalb hat MSM auch positive Effekte auf die Stoffwechselprozesse.

 

 

Schwefel:

 

  • -erleichtert die Bewegung des Sauerstoffs im Körper und fördert die Durchblutung.
  • -sorgt für Flexibilität im Muskelgewebe, fördert die Muskelheilung und reduziert Muskelentzündungen.
  • -erhöht die Enzymproduktion in Körperdrüsen.
  • -fördert gesundes Wachstum von Haaren und Horn.
  • -verbessert die Dickdarmfunktion und wirkt antiparasitär.
  • -fördert die Zellregulation und wirkt positiv auf die Stoffwechselprozesse.
  • -das Immunsystem wird durch den Aufbau von Antikörpern unterstützt.
  • -MSM und Vitamin C sind Gegenspieler und fördern gemeinsam die Wundheilung.
  • -MSM ist entgiftend aber nicht vergiftend.

 

MSM macht einfach den gesamten Körper elastischer und damit stabiler.

 

 

 

Wo ist Schwefel enthalten

 

 

Das Pferd nimmt Schwefel über frisches Weidegras – und Wildkräuter insofern welche vorhanden sind oder angeboten werden – als MSM auf.

 

Kunstdüngung führt dazu, dass immer weniger Schwefel im Boden ist. Mehr Schwefel finden wir noch in Böden, die mit Tierdung gedüngt werden.

Er verflüchtigt sich aber durch Trocknung und Lagerung. Heu und Stroh verlieren Schwefel schon während des Trocknungsprozesses, wodurch nicht mehr gewährleistet ist, dass dem Pferd genügend Schwefel zur Verfügung steht.

 

Nordpferderassen haben aufgrund der vielen Haare außerdem nicht nur erhöhten Spurenelementbedarf, sondern auch erhöhten Schwefelbedarf. Gehen die Pferde nicht oder nur sehr begrenzt auf die Weide was ebenfalls besonders die leichtfuttrigen Nordpferderassen betrifft, sollte geprüft werden ob auch Schwefel ergänzt werden sollte.

 

 

Bei Untersuchungen mit Milchkühen kam heraus, dass sich der Schwefel Gehalt in der Futterration bei Silagefütterung verdoppelte im Gegensatz zur Heufütterung. Dies gilt es auch bei mit Heulage gefütterten Pferden ggf. zu berücksichtigen.

 

Fakt ist, vieles ist in der Ernährung noch gar nicht ausreichend genug erforscht. Zu Schwefel gibt es jedenfalls noch keine festgelegten Bedarfszahlen; es sind nur Schätzungen. Die Verdaulichkeit und Verfügbarkeit ist ebenfalls von unterschiedlichen Faktoren abhängig, wie bei allen anderen Stoffen auch.

 

 

Ja,  es bestehen Wechselwirkungen zu Spurenelementen.

 

 

In der Literatur werden aber selbst bei ähnlichen Experimenten immer wieder verschiedene Messergebnisse ermittelt. Die 800 mg-Theorie die ich anfangs erwähnt habe, darf also angezweifelt werden, zumal es zahlreiche Berichte und Resultate gibt, die das Gegenteil zeigen.

 

Auch bei meinen Ponys habe ich nur positive Effekte feststellen können (bei mir selbst übrigens ebenfalls). Generell sehe ich tendenziell bei Nordpferderassen einen eher höheren Schwefelbedarf als bei Südpferden aufgrund der vielen Haare. Schleppende Fellwechsel könnte auch einfach Schwefelmangel sein. Meine Shettys erhalten seit über einem Jahr MSM in Dauerfütterung. Sie leben noch haben keine Magenprobleme und die Spurenelemente, die ich gefüttert habe, sind auch durchaus angekommen wo sie ankommen sollten.

 

Und ich habe MSM nicht mal immer getrennt von den Spurenelementen gefüttert, was ja angeblich so wichtig ist. (Beim Gras fressen nimmt das Pferd den Schwefel auch zusammen mit den anderen Stoffen auf und nicht getrennt). Würde MSM wirklich grundsätzlich solche Mengen an Spurenelementen binden wie an mancher Stelle behauptet, dürften meine Ponys heute eigentlich nicht besser denn je dastehen, sondern es müsste ihnen eher noch schlechter gehen. Schließlich wären sie schon längst in eine noch schlimmere Mangelsituation getrieben worden mit all ihren Folgen.

 

Wie immer kann das einfach nicht pauschalisiert werden!

 

Überversorgung ist schädlich! Unterversorgung aber auch!

 

Bedarfsgerecht muss es also sein! Und für eine bedarfsgerechte Pferdefütterung kann Schwefel nicht einfach ausgeschlossen werden.

 

 

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Quellen:

http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/diss/2003/fu-berlin/1998/90/teroe.pdf

https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/1068?show=full

https://mediatum.ub.tum.de/doc/1232883/1232883.pdf

https://www.vdlufa.de/kongress2016/SR073_2016_Kongressband.pdf

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23013531

https://www.naturalnews.com/029263_sulfur_joint_health.html

 

2 Comments

  1. Janet Metz Svenja Ober sagt:

    Wie immer ein spannender Artikel. Alles gebündelt was man wissen sollte, um sich ein eigenes Bild zu machen. Mich hat es in meiner (durchaus positiven Meinung) zu MSM bestätigt.
    Danke dir für deine Mühen!

  2. Janet Metz Janet Metz sagt:

    Hallo Svenja,
    danke für deine Rückmeldung. Die Liste der Vorteile ist auf jeden Fall länger als die der Nachteile, weshalb es keinen Grund gibt es komplett zu verteufeln.
    Liebe Grüße

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