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21.01.2019
Das Kutschgeschirr fürs Shetty
18.03.2019
Das Kutschgeschirr fürs Shetty. Zweispännergeschirr

#3 Das Zweispännergeschirr

 

Heute kommen wir zum Zweispännergeschirr.

Wenn du bereits den Artikel über das Einspännergeschirr gelesen hast, kennst du die Einleitung, die jetzt folgt, bereits. Ich wiederhole sie noch einmal, weil ich sie für wichtig halte! (ab der nächsten Überschrift beginnt der Artikel zum Zweispännergeschirr)

 

Für alle anderen wiederhole ich nochmal:

Ein Geschirr ist nicht nur zum ziehen da, sondern muss auch die Sicherheit für Pferd und Fahrer gewährleisten und dabei so pferdeschonend wie möglich sein! Dafür benötigen wir ein gutes Verständnis über den Aufbau eines Kutschgeschirres.

 

Um das Fahrgeschirr umfassend zu verstehen, empfehle ich dir, dich auch mit dem Einspännergeschirr zu beschäftigen.

Denn es gibt einige Unterschiede.

 

Gerade für Shettys gibt es sehr viel schlechte Ausrüstung auf dem Markt. Dadurch ist es umso wichtiger die Unterschiede zu kennen, damit du gute Ausrüstung erkennen kannst. Wenn du also wirklich pferdegerecht und pferdeschonend mit einem motivierten Pony Spaß haben möchtest, lohnt es sich dich mit diesem Thema intensiv auseinander zu setzen.

 

Das alles lernst du zwar auch in jedem Fahrkurs ohne den ich dir das Kutschefahren sowieso nicht empfehlen würde! Nichtsdestotrotz stand ich am Anfang meiner Shettyfahrkarriere oft auf dem Schlauch und hätte mir eine spezifische Hilfestellung gewünscht. Denn das im Fahrkurs gelernte war nicht immer 1 zu 1 aufs Shethlandpony anwendbar und die meisten Fahrlehrer haben keine Erfahrung mit den Zwergen.

 

Legen wir also los:

 

 

Das Zweispännergeschirr im Überblick:

 

 

Das Brustblatt

 

 

Das Zweispännerbrustblatt ist deutlich länger als das vom Einspänner. Das Zweispännerbrustblatt wird mit dem zweiten Bauchgurt verbunden, deshalb muss es länger sein als ein Einspännerbrustblatt, dass lose am Pferd liegt.

Es hat eine Halskoppel, über die das Brustblatt getragen wird und in der Höhe verstellbar ist. Außerdem hat jedes Brustblatt einen seitlich (nach innen zur Deichsel hin) versetzten Aufhaltering.

 

Ein Brustblattgeschirr eignet sich nur für den leichten Zug, weil bei schwerem Zug die Brust eingeschnürt wird. Deshalb sehen wir Kaltblüter bei schwerer Arbeit auch immer im Kumtgeschirr.

 

Für den Freizeitbereich und besonder für die Shettys haben wir in der Regel nur leichten Zug. Umso wichtiger ist es deshalb wirklich bewusst aufs Gewicht zu schauen, denn das Fahren in unserer Freizeit soll schließlich allen Beteiligten Spaß machen.

 

Das Brustblatt darf weder zu hoch noch zu tief liegen!

 

Liegt es zu hoch, kann es die Atmung behindern. Liegt es zu tief, liegt es auf dem empfindlichen Buggelenk und behindert die Bewegung der Vorderbeine. Bei den Zwergen ist es gar nicht immer so einfach das Brustblatt optimal platziert zu bekommen, weil die kleine Brust nur wenig Spielraum lässt. Sehr häufig sieht man leider viel zu tief verschnallte Brustblätter bei Shettys!

 

Wegen der kleinen Brust ist es bei Shettys oft sinnvoller auf ein geschwungenes Brustblatt zurückzugreifen. Dadurch kommt das Brustblatt vorne nicht zu hoch, verläuft aber über den anatomischen Schwung über dem Buggelenk.

 

 

 

 

 

Bei Großpferden liegt das Brustblatt optimal eine Handbreit über dem Buggelenk. Beim Shetty aufgrund dessen, dass alles kleiner ist, haben sich bei mir 2 Fingerbreit bewährt.

 

Für mich gilt außerdem lieber zu hoch als zu tief.

 

Die Gefahr das Pony in der Atmung zu behindern ist deutlich geringer als es in der Bewegungsfreiheit zu stören!

 

 

Der Kammdeckel

 

 

Wo beim Einspänner das Sellett zum Einsatz kommt haben wir beim Zweispänner den Kammdeckel.

 

 

 

Das Kammdeckelkissen muss so beschaffen sein, dass die Kammer des Kammdeckels genug Widerristfreiheit hat.

Das Brustblatt mit den Strangstutzen ist beim Zweispänner länger, weil er mit dem zweiten  Bauchgurt verbunden ist. Man nennt den zweiten Bauchgurt auch, kleiner Bauchgurt. Wären die Strangstutzen zu kurz, würde der Bauchgurt an den Ellbogen scheuern, weil er nach vorne gezogen würde! Auch darf der kleine Bauchgurt nicht zu kurz verschnallt sein, weil dies die Zuglinie nach unten brechen würde.

 

Auf die Oberblattstrupfen müssen wir ganz besonders achten!

Sind sie zu kurz, was bei Shettygeschirren standartmäßig leider ganz oft der Fall ist, wird die Zuglinie nach oben gebrochen. Eine unterbrochene Zuglinie ist unbedingt zu vermeiden, denn egal in welche Richtung sie bricht, führt es zu Druck an den falschen Stellen und Scheuerstellen!

 

Auch bei meinem Geschirr waren die Oberblattstrupfen standartmäßig viel zu kurz! Sie wurden aber mit wenig Aufwand beim Sattler einfach gegen Längere ausgetauscht.

Bitte schau hier ganz besonders genau hin!

Denn zu kurze Oberblattstrufen leiten über die gebrochenen Stränge Druck der eigentlich aufs Brustblatt gehen sollte auf den Rücken um. Und der Kammdeckel hat noch weniger Aufflagefläche als ein Sellett beim Einspänner. Er ist nicht dazu gemacht überhaupt irgendeine Art von Druck abzubekommen.

 

 

Der Schweifriemen und Schweifmetze

 

 

Am Fallring des Kammdeckels ist der Schweifriemen befestigt. Hier gilt das gleiche wie beim Einspänner. Der Schweifriemen ist längenverstellbar und die Schweifmetze ist angenäht und nicht mit Schallen am Riemen befestigt! Schnallen an der Schweifmetze sind absolut unbrauchbar, die Fahrleinen bleiben leicht darin hängen und Schweifhaare können sich unangenehm darin verheddern!

Die Schweifmetze muss gut gepolstert sein!

Dünne Schweifmetzen oder gar nur einmal gefaltetes Leder wie ich es leider häufig bei Shettygeschirren gesehen habe, reiben und sind äußerst unangenehm fürs Pony!

 

 

Außerdem hat die Schweifmetze auch einen Sicherheitsrelevanten Zweck: sie verhindert, dass die Leine falls sie unter den Schweif gerät, nicht festgeklemmt werden kann.

 

Du fragst dich jetzt vielleicht wie das denn gehen soll?

Wie soll die Fahrleine unter den Schweif geraten?

 

Das passiert schneller als du denkst!

 

Gerade im Sommer wenn die Pferde energisch nach Fliegen schlagen ist das leicht passiert. Und gerät da was unter den Schweif ist es ein natürlicher Reflex des Pferdes, dass es die Schweifrübe anspannt und einklemmt. Und unter so einem klemmigen Schweif bringst du die Leine nicht so leicht wieder raus. Denn wenn du anfängst an der Leine zu fummeln, um sie zu befreien, wird das Pferd noch mehr klemmen. Das kann richtig gefährlich werden, denn du hast in so einem Moment keine Einwirkung mehr auf das Gespann.

 

Eine gut gepolsterte Schweifmetze ist also nicht nur angenehmer fürs Pferd zu tragen, sondern hält auch den Schweif auf einen gewissen Abstand und verhindert das klemmen.

 

 

Hintergeschirr im Zweispänner

 

 

Auch für den Zweispänner kann man ein Hintergeschirr nutzen.

Im Gegensatz zum Einspänner wo das Hintergeschirr ein absolutes MUSS ist, müssen wir es beim Zweispänner nicht zwingend nutzen. Allerdings müssen die Ponys dann gelernt haben, die Kutsche über die Halskoppel und den Aufhaltering am Brustblatt zu bremsen.

 

Gerade am Anfang fällt das vielen Pferden schwer.

Ich persönlich fahre im Flachland ohne Hintergeschirr. In sehr hügeligem Gelände setze ich es allerdings sehr gerne ein, weil die Ponys übers Hinterteil viel zuverlässiger den Wagen bremsen können. Sie tun sich damit viel leichter als über den Hals.

 

Klar bremsen wir sowieso so gut es geht mit. Trockene Hänge kommen wir auch ohne Probleme ohne Hintergeschirr hinunter.

Allerdings hatte ich auch schon mal eine blöde Situation auf einem Waldweg mit rutschigem Laub in unbekanntem Gelände. Auf einem ziemlich steilen Weg habe ich fleißig mitgebremst. Leider blockierten die Räder plötzlich und die Kutsche rutschte fast ungebremst auf dem nassen Laub. Auf dem glitschigen Waldweg hatte ich keine Chance, die Kutsche irgenwie zu bremsen.

Es hing plötzlich alles von den Ponys und ihrer Kutschausbildung ab!

 

Die Ponys kamen ins Laufen, weil sie dem vielen Druck von hinten den sie nun auf den Hals bekamen kaum standhalten konnten. Ich sage euch, es gibt nichts unangenehmeres als Ponys, die bergab ins Laufen geraten, weil sie von der Kutsche angeschoben werden!

Mit Mühe und Not und häufigem Anhalten konnte ich uns diesen Hang schließlich sicher hinunter befördern. Der Beifahrer hat von unten beruhigend auf die Ponys mit eingewirkt; ihn habe ich sofort absteigen lassen, auch weil die Kutsche so um eine Person leichter wurde!

In so eine Situation möchte ich nie wieder geraten.

Seitdem geht es für mich nicht mehr ohne Hintergeschirre in bergiges Gelände. Übers Hinterteil können die Ponys einfach viel mehr entgegen setzen. Schließlich könnten auch die Bremsen im dümmsten Moment mal versagen.

 

 

 

Es ist wichtig, dass die Pferde wirklich lernen die Kutsche mit ihrer gesamten Last zu bremsen. Auch wenn wir generell, um die Pferde zu schonen so gut wie möglich die Kutsche selbst bremsen, weiß man nie wann man mal einen Zwischenfall hat, wo diese Fähigkeit wirklich wichtig wird.

 

 

Zugstränge

 

Zu guter Letzt die Zugstränge.

Die Länge muss individuell für das eigene Gespann gewählt werden. Die benötigte Länge richtet sich stark nach der verwendeten Kutsche. Mehr gibt es zu den Strängen nicht zu sagen. Sie sind eher Thema beim „korrekten Anspannen“ wo ich dann auch näher darauf eingehen werde.

 

Welches Geschirr habe ich da?

 

Vielleicht interessiert dich nun noch, welches Geschirr ich da eigentlich habe bzw. wo ich es her habe?

 

Dieses Zweispännergeschirr ist das Standard-Geschirr von Fahrsport Lessing.

Ich habe es seit 6 Jahren im Einsatz und es ist noch top in Ordnung. Es ist zwar ein Komplettset, für mich war es damals aber sogar möglich, einzelne Teile nicht mit zu bestellen.

Da ich für Jana bereits das Einspännergeschirr hatte, benötigte ich zum Beispiel nur noch ein weiteres Kopfgestell.

Da die Bauchgurte von der Stange bei Shettys sehr häufig ein Problem sind und man oft mit Scheuerstellen zu tun hat, habe ich auch diese erst gar nicht mitbestellt. Zu den Bauchgurten gibt es demnächst noch einen extra Beitrag, denn hier habe ich eine Sonderanfertigung vom Sattler, die noch bei keinem Shetty Probleme gemacht hat.

Fahrsport Lessing war so freundlich, alles was ich nicht wollte aus dem Set herauszunehmen und sie haben mir sogar den Preis entsprechend angepasst. Ich habe also nichts bezahlt was ich gar nicht benötigte.

Der Service ist einfach super und ich würde immer wieder zum Standard-Geschirr greifen.

 

 

 

Nun wünsche ich dir viel Freude beim überprüfen und optimieren deines Geschirrs.

 

Janet Metz

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