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Ist dein Pferd mit allem versorgt was es braucht?

 

Nun bin ich ja bereits schon eine gute Weile im Pferdefutterberatungsgeschäft und könnte wohl bereits ganze Bücher füllen mit Erlebnissen und Erfahrungen, die auch mich immer wieder aus den Socken hauen, weil ich gar nicht wusste, dass es sowas wirklich gibt.

Inzwischen habe ich mehrere Hundert Beratungen durchgeführt und praktisch bei jeder Beratung wieder, erlebe ich kleinere oder größere Überraschungen. Sowohl positive als auch negative. Aber  ich lerne täglich dazu.

 

Aktuell beschäftigen mich aber ein paar wenige Themen ganz besonders.

Das sind zum einen Nährstoffvergiftungen auf verschiedenste Weise auf der einen Seite – und massive Unterversorgungen und Mangelernährung auf der anderen Seite.

 

Beides ist richtig blöd.

Beide Fälle sind Fehlernährung!

Beides macht krank.

 

Ich möchte also heute einfach mal etwas aus meinem Alltag plaudern und Erlebnisse mit euch teilen, die mir wieder gewisse Erkenntnisse gebracht haben, wie schief das Thema Fütterung in der Praxis eigentlich laufen kann.

Dabei wird es indirekt auch um das Thema „natürliche Mineralfutter“ und / oder „synthetische Mineralfutter“ gehen.

Denn ich finde von Erfahrungen – egal ob eigenen oder von anderen – lernt man immer am meisten.

 

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So rief mich also vor einiger Zeit *Susanne (*Name wurde geändert) an und erzählte mir, dass sie vor einiger Zeit eine Futterberatung bei einer Futtermittelfirma durchführen hat lassen und seitdem die empfohlenen Futtermittel füttert. Ihr Pferd hat seit längerem einige Probleme – aber vor allem für das Kotwasser lässt sich einfach schon lange keine Lösung finden. Daran hat sich auch nach der Beratung die sie da hatte, nichts geändert.

Sie hatte nun außerdem meinen „Selbstlernkurs Grundlagen Pferdefütterung“ durchgeführt und ihre Ration einmal selbst unter dieser Anleitung durchgerechnet und dann mit den Bedarfszahlen ihres Pferdes verglichen. Leider musste Susanne feststellen, dass es gar nicht mal so passend aussah.

Und mit entsetzen musste sie feststellen, dass sie mit ihrer Ration wie es ihr von der Firma empfohlen wurde neben anderen Überschüssen, ÜBER 3 mg Selen (viel zu viel) pro Tag ins Pferd füttert!

 

Susanne war entsetzt, denn sie hatte in meinem Kurs auch einiges über toxische Grenzen und die Nährstoffe allgemein erfahren. Sie hat richtig erkannt, dass es sehr gefährlich ist, was da grade jeden Tag im Futtertrog ihres Pferdes landet und hat ihre Mineralfutterdosis aufgrund dieser selbst berechneten Erkenntnis sofort reduziert.

Ein bisschen war sie dann allerdings überfordert mit der Situation und sie hat mich dann um Hilfe gebeten. Denn durch die Reduktion des Futters auf eine Menge, dass die Selendosis für dieses Pferd nicht mehr gefährlich war, führte nun ja auch zur Reduzierung aller anderen Nährstoffe.  Und so passte hinten und vorne nun überhaupt nichts mehr zusammen.

 

 

Analyse der Situation

 

 

Ich analysierte mit Susanne die Situation ihres Pferdes und der Haltung.

Und plötzlich sagt sie: „das was du da alles fragst, wurde ich bei der anderen Beratung überhaupt nicht abgefragt“.

Was waren das für Fragen?

Grundlegende Dinge die zur Bedarfsermittlung des Pferdes unverzichtbar sind!

Und die ich ebenfalls im Kurs lehre, weil sie untrennbar sind von der Fütterung des Pferdes.

 

Fütterung-Haltung-Bewegung hängen für die Gesunderhaltung eines Pferdes untrennbar aneinander.

 

Die Fütterung selbst kann noch so gesund sein – ich kann die anderen beiden Bereiche nicht ignorieren. Das ist für euch wichtig zu wissen, denn wenn ihr irgendwo eine Futterberatung macht, könnt ihr allein hieran bereits die Qualität der Beratung beurteilen ob diese Dinge mit berücksichtigt werden oder ob da irgendwer einfach nur seine Futtermittel an den Mann bringen will.

 

Ich fragte sie: „nach was haben die, diese Ration denn dann zusammengestellt?“.

Sie sagt: „sie haben hauptsächlich gefragt welche Probleme das Pferd hat, und darauf hin den Futterplan zusammengestellt.“

Der Futterplan bestand nun also aus mehreren Produkten dieser Firma (natürlich). Ich bezweifel sogar, dass hier überhaupt irgendwas berechnet wurde, denn über 3 mg Selen in der Ration sind unverantwortlich!

 

Susanne hat es total richtig erkannt und mit Hilfe meines Kurses selbst festgestellt, wo ihr Pferd über- bzw. unterversorgt war.

Allein dafür lohnt sich der Kurs. Das ist auch mir selbst bei dieser Geschichte nochmal bewusster geworden. Denn genau das wollte ich damit unter andrem erreichen! In einem Dschungel an Futtermitteln wo wir jeden Tag auf Social Media mit Werbung bombadiert werden und uns allen ständig nur das beste und tollste Futter angepriesen wird, müssen wir als Pferdebesitzer einfach über den Bedarf unseres Pferdes Bescheid wissen um es am Ende nicht durch ungünstige Futterzusammenstellungen versehentlich zu vergiften!

 

Susanne hat erkannt, dass sie ihrem Pferd unbewusst toxische Mengen an Selen verabreichte. Und neben zu viel Selen auch noch viel zu viel Kupfer, Mangan, Jod, Vitamin A und D in der Ration enthalten sind.

Die Hypervitaminose lässt grüßen… (*Ironie off).

 

 

So entstehen häufig falsche Schlussfolgerungen

 

 

Im Resultat wird dann erst das Pferd unbewusst vergiftet und danach alle Mineralfutter verteufelt, weil das alles ja so schädlich ist und es dem Pferd seit es natürlicher gefüttert wird ja so viel besser geht…. (*das war jetzt etwas sarkastisch von meiner Seite formuliert und bezogen auf falsche Überzeugungen zum Thema Fütterung, die mir nicht nur auf Social Media täglich begegnen, sondern auch Live bei meiner Arbeit). Das Thema „natürlich mineralisieren“ boomt grade so richtig.

 

 

 

Und was hier nun nach einem radikalen Themenwechsel aussieht  hängt dann doch irgendwie sehr oft zusammen!

 

Denn diese zwei Lager gibt es in der Pferdewelt inzwischen:

 

Diejenigen die „böses“ synthetisches Futter in ihre Pferde füttern und die anderen die nur das „natürliche“ für ihr Pferd zulassen. Meistens hat die zweite Gruppe bereits schlechte Erfahrungen mit der ersten Variante gemacht.

 

Beides ist richtig schlecht, wenn es falsch und nicht bedarfsgerecht dosiert wird! Mit beidem können wir großen Schaden durch Fehlernährung erschaffen!

 

Denn klar, wenn ich ein hochdosiertes „synthetisches“ Futter völlig falsch dosiert in ein Pferd füttere und ihm toxische Dosen zumute und es dann zu gesundheitlichen Problemen dadurch kommt, wird es dem Pferd natürlich besser gehen, wenn ich ihm diese Futtermittel nicht mehr zumute und der Organismus sich davon erholen kann.

Im Zweifel geht es einem Pferd mit einer Unterversorgung über eine gewisse Zeit dann auch viel besser als mit einer Überdosis.

Dies ist aber kein Grund aus dieser Unwissenheit heraus nun zu versuchen das Pferd mit „30 Sonnenblumenkernen“ am Tag mit genügend Zink versorgen zu wollen oder zu versuchen ihm über ein paar Seealgen langfristig gerecht zu werden.

 

 

„Natürliches“ oder „synthetisches“ Mineralfutter?

 

 

In der „Natürlich-Füttern-Fraktion“ heißt es dann oft: „es ist egal WIEVIEL von einem Stoff enthalten ist, wichtiger ist die Ausgewogenheit zwischen den Nährstoffen und dann nimmt der Körper sich schon was er braucht“. 

Der Körper kann sich aber nicht nehmen was nicht da ist!

Eigentlich logisch, oder? Und der Spaß hört bei mir auf, wenn zu Zutaten gegriffen wird, die weder erforscht sind, wie sie speziell fürs Pferd überhaupt bekömmlich sind, noch futtermittelrechtlich zugelassen sind!

 

Wenn der Körper z.B. 400 mg Zink am Tag benötigt und übers Heu nur 200 mg Zink enthalten ist und somit noch 200 mg Zink für eine Bedarfsdeckung fehlen – bekommt der Körper sie nicht aus 30 g Sonnenblumenkernen gedeckt die 1,6 mg Zink enthalten. Man müsste davon schon kiloweise füttern, um die 200 mg Zink-Defizit zu füllen. Und das ist auch nicht zu empfehlen denn kiloweise Sonnenblumenkerne hätten mehr Nachteile als Vorteile…

 

Es heißt dann auch oft: „Über die natürliche Zusammensetzung der – z.B. Seealge – sei es optimal für den Körper ausgewogen und dadurch benötigt es nicht so viel des einzelnen Stoffes. Mit einem Naturstoff sei es, wie wenn wir mit einer Pipette ganz gezielt das fehlende in ein Reagenzglas einfüllen würden, während es mit einem „synthetischen“ Mineralfutter ist, als würden wir versuchen mit einer Gießkanne einfach alles zu überschütten“.

Nettes bildhaftes Beispiel mit komischer Schlussfolgerung. Das Problem in der Pferdefütterungthematik ist, dass seit Jahren Behauptungen und Dinge in einen Topf geworfen werden die nicht zusammengehören und die man durchaus differenzierter betrachten kann.

 

Ausgewogen und bedarfsgerecht muss es sein!

 

 

Wenn alle Nährstoffe nur irgendwie im Futtermittel vorhanden sein müssten und die Menge nicht entscheidend wäre – na dann wäre das Pferd mit Heu allein doch immer noch am besten versorgt. Dort sind auch immer alle Nährstoffe die das Pferd grundsätzlich benötigt vorhanden. Nur leider in unterschiedlichsten Mengen und bei manchen Nähstoffen eben nicht genug um den täglichen Bedarf zu decken.

Dadurch benötigen wir doch überhaupt Mineralfutter um diese Defizite heutzutage ausgleichen zu können. Nicht mehr und nicht weniger.

Wir füllen mit Mineralfutter NUR die Lücken, die das Heu nicht deckt. Wäre es nicht relevant wieviel eines Nährstoffs in einem Futter vorhanden ist und der Körper würde sich daraus schon nehmen was er benötigt, würde es doch auch über das natürlichste Futtermittel allein klappen – das Raufutter…

 

Mach es wie Susanne!

 

Ich kann nur jedem Pferdebesitzer ans Herz legen es wie Susanne zu machen. Das Wissen über die Nährstoffe und vor allem den Bedarf des eigenen Pferdes zu kennen ist heutzutage wichtiger denn je. Grade weil wir heutzutage nicht einfach nichts mehr zufüttern können und auch weil der Futtermittelmarkt riesig ist und somit überall Gefahren lauern. Die Gradwanderung zwischen Über- und Unterversorgung ist häufig schmal. Und noch häufiger haben wir es sogar mit beidem gleichzeitig zu tun.

 

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