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Sand im Pferd ist gefährlich!

 

Grade jetzt im Herbst wird die Gefahr größer, dass Pferde versehentlich Sand mitfressen. Das Gras auf den meisten Koppeln ist nun kurz gefressen, es wächst aufgrund der kälter werdenden Temperaturen nur noch wenig bis nichts mehr nach. Die Pferde zupfen und knabbern an immer kürzer werdenden Halmen und nehmen dabei automatisch mehr Dreck oder Sand vom Boden oder über die Wurzeln von Gräsern mit auf.

 

Auch die Pferdehaltung hat sich verändert und damit verändern sich auch die Gefahren für unsere Pferde. Sandkoliken haben heute einen anderen Stellenwert bekommen als früher. Ein bisschen ist diese Problematik auch von der Region abhängig. So kommt es, dass man im Norden Deutschlands wo die Böden grundsätzlich eine sandigere Beschaffenheit haben als im Süden, Pferde vermehrt zu Sandkoliken neigen.

 

 

 

Was passiert mit dem Sand im Verdauungssystem des Pferdes?

 

 

Größere Mengen Sand können sich im Blinddarm und Grimmdarm des Pferdes anreichern und so die Verdauungstätigkeit behindern oder gar vollständig lahmlegen.

Das Pferd hat einen besonders empfindlichen und schwierigen Verdauungstrakt. Durch Magen und Dünndarm geht der Futterbrei recht schnell hindurch. Raufutter verweilt im Magen etwa 2 Stunden (Kraftfutter bis zu 5 Stunden) und passiert den 20 Meter langen Dünndarm in weiteren 1-2 Stunden. Der Futterbrei passiert beides also in etwa 4-5 Stunden und kommt dann auch schon im Dickdarm an.

 

Im Dickdarm verweilt der Futterbrei dann am längsten. Bis zu 48 Stunden.

Im Dickdarm befinden sich unter anderem der Blinddarm und der Grimmdarm wo es am häufigsten mit Sand zu Komplikationen kommt.

Die Bewegung des Blinddarms ist für die Durchmischung des Dickdarminhalts zuständig.

Der Grimmdarm ist eine der „Gärkammern“ wo die Bakterienverdauung des Pferdes stattfindet. Hier werden die unverdaulichen Gerüstsubstanzen der Pflanzen vom Pferd aufgeschlossen. Andere Pflanzenfresser können dies nur durch Wiederkäuen. Beim Pferd findet das alles tief im Inneren statt und das ist auch der Grund warum die Pferdeverdauung so störanfällig ist. Denn alles was die Bakterien stört oder schief läuft, wird fürs Pferd schnell lebensgefährlich!

 

Im Dickdarm trennt sich der schwerere Sand vom leichteren Futterbrei und setzt sich ab. So läuft er Gefahr dort zurückzubleiben während der leichtere Futterbrei allein weitertransportiert wird.

 

 

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Der Sand bleibt im Darm zurück

 

 

Sand kann sehr gefährlich fürs Pferd werden denn da dieser schwerer ist als der restliche Nahrungsbrei verbleibt er häufig irgendwo im Darm und wird im schlimmsten Fall nichtmehr ausgeschieden. So ist es möglich, dass sich über einen mehr oder weniger langen Zeitraum immer mehr Sand im Darm sammelt, was irgendwann in einer Sandkolik endet.

 

Sand ist schwer, die Verdauung wird träge und immer träger bis hin zu vollständigem Stillstand. Der Futterbrei wird nicht mehr transportiert. Im Grunde ist eine Sandkolik also eine schwere Verstopfungskolik. Der Darminhalt verhärtet sich und wird zu einem unüberwindbaren Hindernis. Es können sich richtige Steine daraus bilden.

Handballgroße!

 

Sand ist außerdem wie Schmiergelpapier und kann die Darmschleimhaut stark reizen und zu Entzündungen führen. Auch Durchfall kann daraus entstehen. Aufgasungen im Dickdarmbereich können ebenfalls auf Sand hinweisen.

Im Extremfall führt der Sand zur Verstopfung also einem Verschluss.

Eine Sandkolik ist eine schmerzhafte Verkrampfung der Darmmuskulatur durch die Verstopfung. Die Sandkörner die, die Darmschleimhaut reizen verstärken die Schmerzen noch.

 

 

 

Achtung:

Immer wieder kehrende, nicht zu lokalisierende Koliken, könnten ein Hinweis auf zu viel Sand im Darm sein. Die Fütterung- und Haltungsrahmenbedingungen gehören unbedingt genau überprüft. Hier können sich Hinweise auf mögliche Ursachen auftun.

 

Ich habe schon von Fällen gehört, die waren wirklich kaum zu glauben:  da wurden bei Kolikoperationen kiloweise Sand aus dem Darm von Equiden entfernt. Sehr oft handelte es sich dabei um Esel oder Ponys. Rassen, die man im Futter häufiger eh begrenzen muss und die einfach jedes Grashälmchen bis aufs letzte vertilgen und dann eben Sand automatisch mehr mit aufnehmen.

 

Die Kolikanzeichen sind die gleichen wie bei jeder anderen Kolik. Der Unterschied zu anderen Koliken kann aber sein, dass wenn die Verdauung eben noch nicht gänzlich zum Stillstand gekommen ist es auch immer wieder schmerzfreie Phasen gibt. Hat ein Pferd also immer wieder Kolikanzeichen oder gar Koliken, die genauso schnell wieder weg sind wie sie gekommen sind und treten diese Koliken häufiger auf kann dies ein Hinweis auf Sand im Darm sein. Erst wenn sich dann noch mehr Sand und Erde im Darm angesammelt hat wird es dann zu immer schwereren Koliksymptomen kommen.

Koliken durch Sand enden dann meistens in der Klinik wo mit stark abführenden Maßnahmen nachgeholfen wird, den Klumpen zu lockern und zur Ausscheidung zu bringen und im schlimmsten Fall auf dem OP Tisch. Nicht selten werden bei Sandkolik Operationen 10 kg Sand und mehr aus dem Pferd geholt.

 

 

Ist Sand im Pferd? Kottest:

 

 

Nimmt man einen Pferdeapfel (sauber und ohne daran klebendem Sand) und löst diesen in einem Glas Wasser auf, wird sich Sand am Boden des Glases absetzen wenn einer vorhanden ist.

 

Ich sehe diesen Test aber Kristisch!

 

Er ist keine sichere Diagnose, denn wir wissen nicht

ob dann immer noch viel Sand im Pferd ist,

ob das Pferd den Sand immer mit ausscheidet und somit auch kein Problem mit dem Sand hat

 

oder wenn kein Sand sichtbar ist,

ob das Pferd nicht trotzdem total voll Sand ist!

 

Denn nicht jedes Pferd, dass viel Sand aufnimmt hat Probleme damit ihn auch wieder loszuwerden.

Manche Pferde nehmen größere Mengen Sand übers Futter auf und scheiden ihn auch problemlos wieder aus. Bei anderen reichen bereits kleinere Mengen, sie scheiden ihn nicht gut wieder aus und bekommen schneller eine Kolik. Es kann Monate oder Jahre dauern, bis sich größere Mengen Sand im Pferdedarm angesammelt haben.

Vor allem wenn das Pferd den Sand eben nicht gut wieder ausscheiden kann, hätten wir keinen Sand bei unserem Kottest im Glas!

Welche Schlüsse wollen wir also aus diesem Test ziehen?

Wir sind dadurch nicht schlauer als vorher.

 

Es liegt immer auch etwas an der individuellen Darmmotorik des Pferdes ob es eher zu Ablagerung neigt oder der Sand einfach wieder mit rausgeht.

Eine sicherere Diagnose kann nur ein Tierarzt mit einem Ultraschallgerät stellen. Mit Röntgen oder Ultraschall kann Sand im Darm sicher nachgewiesen werden.

 

Da Tierarzt und Ultraschall nun auch keine Maßnahme für den alltäglichen Gebrauch ist, rate ich für jedes Pferd neben optimaler Anpassung des Fütterungs- und Haltungsmanagements zur Flohsamenschalenkur.

Egal ob es einen Befund gibt oder nicht!

Ich bin für vorbeugende Maßnahmen und Kuren im Herbst und Frühjahr.

 

 

Die ersten und wichtigsten Maßnahmen sind also:

 

Sandaufnahme vorbeugen indem wir Fütterungs- und Haltungsrahmen prüfen und optimieren!

 

 

 

#1

Wie wir das Futter in Ausläufen anbieten sollte gut durchdacht werden. Das Heu sollte immer von sauberen Böden/ Flächen verfüttert werden. Sehr schlecht ist es Heu auf sandigen Ausläufen zu verfüttern, wie du es auf dem Bild sehen kannst. Die Pferde stehen im Futter, trampeln es in den Boden um es dann, wenn es mit dem Sand und Dreck vermischt ist bis zum letzten Halm aufzufressen.

 

#2

Auch wenn wir Heu aus dem Heunetz anbieten sollten wir darauf achten, wie der Boden unten drunter aussieht. Denn es bröselt ja immer auch Heu aus den Netzen heraus, dass dann später noch vom Boden gefressen wird.

 

#3

Aber auch das Heu selbst kann eine Ursache sein!

Für gute Heuqualität ist es wichtig, dass es nicht zu tief über dem Boden abgeschnitten wird. Umso weiter unten geschnitten wird, umso mehr Dreck gerät mit ins Heu der später natürlich mitgefressen wird. Die optimale Schnitthöhe liegt bei 7- 10 cm. Wird tiefer geschnitten geraten Erde und Keime aus dem Boden mit ins Heu.

Viele Heuproduzenten versuchen besonders viel Ertrag zu bekommen und schneiden eben tiefer als gut ist. Denn ob man 10 cm weiter oben oder unten abschneidet, macht bei der Ertragsmenge am Ende schon einen deutlichen Unterschied. Und Dreck wiegt im Heuballen auch was – so traurig das jetzt auch klingen mag!

Bei einer Heuanalyse wird der Sandgehalt übrigens getestet. Da kam schon so manche Überraschung ans Tageslicht und ein ungeahnt hoher Sandgehalt, der täglich unbemerkt ins Pferd wandert. Eine Heuanalyse kann also auch in so einem Fall, bei Verdacht mal ganz sinnvoll sein.

 

#4

Weiden sollten wir regelmäßig wechseln und nicht zu kurz abfressen lassen. Das vermindert die Aufnahme von Sand und Erde deutlich. Besondere Vorsicht gilt bei Winterweiden, „Diätweiden“ Matschpaddocks und Sandausläufen wo nur irgendwo am Rand vereinzelte Grashalme sprießen! Pferde, die mehrere Stunden auf grasfreien Flächen verharren müssen, sollten Heu, Stroh und/ oder Äste (als kalorienarmen Snack) angeboten bekommen.

 

#5

Auf eine gute und bedarfsgerechte Mineralienversorgung achten! Frisst das Pferd den Sand direkt vom Boden? Hier besteht sofort Handlungsbedarf! Pferde, die gut mineralisiert sind fressen keinen reinen Sand.

 

 

Der Sand muss raus aus dem Pferd!

 

 

 

Flohsamenschalenkur:

 

 

Komplett zu vermeiden ist die Aufnahme von Sand aber nicht, selbst wenn wir aufpassen. Irgendwie nehmen die Pferde immer etwas Sand mit auf und das ist auch völlig normal. Deshalb rate ich vor allem im Zeitraum Herbst bis Frühjahr ruhig immer wieder Flohsamenschalen als Darmreinigung zu verfüttern.

Flohsamenschalen bekommen durchs aufquellen eine Konsistenz wie Kleister und nehmen so den Sand wieder aus dem Darm mit heraus.

Flohsamenschalen quellen stärker als der ganze Flohsamen. Bei den Schalen ist es also wichtig sie zuvor etwa 30 Minuten vorzuquellen. Trocken verfüttert würden sie zu viel Wasser aus dem Darm entziehen und die Gefahr einer Verstopfungskolik ist dann sehr groß. Um wirklich Sand aus dem Darm zu befördern, benötigen wir aber die Flohsamenschalen und ihre starke Quelleigenschaft.

 

Flohsamenschalen müssen mindestens mit der 10-fachen Wassermenge vorquellen. Ich rate pro 10 g Flohsamenschalen 500 ml Wasser zu nehmen. (Also pro 5g Flohsamenschalen – 250 ml Wasser)

 

Pro 100 kg Körpermasse benutze ich 5 g Flohsamenschalen. Also nur ein kleines Löffelchen voll.

Meine Ponys würden den Kleister niemals pur fressen deshalb mische ich es gerne mit ein bis zwei Händen Heucobs. Eine Hand Heucobs entspricht bei mir etwa 25 g.

Mit Heucobs ergibt es einen nicht mehr zu schleimigen Brei, der aber trotzdem noch seine Wirkung hat. Werden die Flohsamen mit zu viel Futter vermischt ist dies nicht mehr gewährleistet.

 

Beispiel für ein 200 kg Shetty:

Die 10 g Flohsamenschalen für ein 200 kg Pony und die 25 g Heucobs werden mit etwa 500 ml Wasser aufgegossen und dürfen ca. 30 Minuten vorquellen.

Heraus kommt eine kleisterartige Masse, die im Darm des Pferdes noch etwas nachquellen wird. Es legt sich so um den Sand im Darm (falls einer vorhanden ist) herum und wird ihn mit hinausbefördern. Etwas Sand ist immer dabei, weshalb so eine Kur niemals umsonst ist.

Wichtig ist, dass das Pferd uneingeschränkten Zugang zu Wasser hat! Aber das sollte ja eigentlich sowieso selbstverständlich sein.

 

Solch eine Kur mache ich dann für 14 Tage. Ich empfehle das auch dir mindestens 2x im Jahr zu tun.  Und zwar im Herbst und im Frühjahr; also am besten im Oktober und im April.

Bei Verdacht einer verstärkten Problematik kann die Kur nach einer 2-wöchigen Pause auch gleich nochmal wiederholt werden.

 

 

Hinweis:

Anfang des Jahres wurde die darmreinigende Wirkung von Flohsamenschalen beim Pferd von finnischen Forschern nachgewiesen. Die Wissenschaftler haben bei Forschungen 40 Pferde mit Sandablagerungen im Darm untersucht. Bereits während einer viertägigen Therapie mit Flohsamenschalen verloren 75 % der Pferde ihre Sandansammlungen im Darm. Bei den anderen wurden die Sandablagerungen zumindest deutlich verringert. (Quelle: Cavallo; Studie englischsprachig)

 

Tipp: 

Einen weiteren interessanten Beitrag über Flohsamenschalen kannst du im Blog  360° Grad Pferd von Karolina Kardel nachlesen.

 

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2 Comments

  1. Janet Metz Judith sagt:

    Sehr gelungener Beitrag. Vielen Dank.
    Wir hatten im letzten Dezember bei unserem Isi die Diagnose Sandkolik. Eine bange Nacht in der Klinik am Tropf und 7 weitere Tage mit Spülungen und Diät erlösten uns vom ersten Schreck. Seit dem kuren wir auch 2mal pro Jahr. Unser Feinschmecker (obwohl Vielfraß-Pummelchen) nimmt das Flohsamenschalen-Heucobs-Schlabberradatz aber nur mit Möhren- oder Apfelraspeln.

    • Janet Metz Janet Metz sagt:

      Hallo, danke für deinen Erfahrungsbericht. Ja Sandkoliken sind eine ganz üble Sache. Möhren oder Apfelraspeln sind eine ganz gute Lösung um Flohsamenschalen zu verfeinern. Ich bin zwar generell gegen Obstfütterung (Möhre würde ich vorziehen) aber ich wäge auch immer Wirkung und Nutzen voneinander ab. In diesem Fall ist es einfach wichtig, dass die Flohsamenschalen gefressen werden.

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