Eine echte Pferd-Mensch-Beziehung beginnt bei deinem Mindset!
27.11.2018

#1  Der Fahrzaum

 

Mit dieser Serie rund ums Geschirr möchte ich euch meine Ausrüstung für die Shettys zeigen und versuchen deutlich zu machen worauf zu achten ist und worauf es ankommt. Denn für die Kleinen ist es nicht immer leicht wirklich gutes und pferdegerechtes Zubehör zu bekommen und manchmal muss man auch etwas basteln und tüfteln.

 

Ich habe an meinen Geschirren einiges beim Sattler verändern müssen, weil es von der Stange einfach nicht 100 % passte. Denn das Geschirr soll nicht nur den Zweck erfüllen, dass das Pony uns ziehen kann. Es muss auch die Sicherheit für Mensch und Tier gewährleisten, die Ponys dabei unterstützen ihre Kraft optimal auszunutzen und sie dabei so gut wie möglich zu schonen.

Nur so können wir wirklich gesunderhaltend und pferdegerecht fahren!

 

 

 

Beginnen wir beim Kopfstück:

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Blendriemen

 

hat eine Gabelung, denn nur so hält er die Scheuklappen von den Augen weg.

Das Problem, dass bei Shettys oftmals entsteht ist, dass der Riemen wo die Scheuklappen am Genickstück verschnallt sind zu kurz ist. Dadurch sitzt die Gabelung zu weit oben am Kopf, was dazu führt, dass auch der Stirnriemen zu weit nach oben an die Ohren gedrückt wird. Durch die Gabelung kann er ja nicht unbegrenzt nach unten verschoben werden.

 

Ich musste diesen Riemen beim Sattler verlängern lassen, denn damit kommt auch die Gabelung etwas weiter nach unten und der Stirnriemen sitzt an der richtigen Stelle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 A Die Scheuklappen

sollen die Wimpern nicht berühren und das Auge in einer gedachten Linie im oberen Drittel liegen. (Hier auf meinem Bild liegt sie einen Tick zu hoch. Das Auge ist etwa auf der Hälfte. Korrekter wäre es, wenn sie noch ein wenig tiefer wäre und das Auge auf Höhe des oberen Drittels.)

 

B.1 Der Nasenriemen

ist auf dem Backenriemen in der Höhe verschiebbar.  Anders als beim Reitzaum laufen die Backenriemen durch den Nasenriemen. Dadurch wirkt ein Teil der Leinenimpulse mit auf die Nase ein und nicht nur auf das Gebiss und somit aufs Pferdemaul.

 

B.2 Außerdem sind auf einer Seite des Nasenriemens 2 Durchschlaufmöglichkeiten für den Backenriemen vorhanden womit der Backenriemen optimal auf die individuelle Pferdenase angepasst werden kann damit er korrekt hinter dem Jochbein zum liegen kommt. (Hier auf meinem Bild seht ihr, dass es auch hier sehr knapp ist. Durch die leichte Hebelwirkung des Gebisses verschiebt es den Backenriemen noch etwas nach vorne wo es für das Jochbein schon grenzwertig wird. Hier müsste ich versuchen den hinteren Durchlauf des Nasenriemens zu verwenden um den Backenriemen insgesamt etwas weiter nach hinten versetzt zu bekommen.)

 

C Der Kehlriemen

muss so weit sein, dass er die Atmung nicht behindert. Er wird aber deutlich enger verschnallt als bei einem Reitpferd, damit keine Gefahr besteht, dass sich das Pferd damit in der Deichsel verhakt.

 

D Beim Genickriemen

ist unbedingt darauf zu achten, dass er nicht von hinten an die Ohren drückt. Das ist für das Pferd äußerst schmerzhaft. Bei den Shettys habe ich noch kein Kopfstück von der Stange gesehen, wo das mit den üblichen geraden Genickstücken gegeben war. Ich habe alle geraden Genickstücke durch geschwungene Genickstücke ersetzt. So ist zwischen Stirnriemen und Genickstück deutlich mehr Platz für die Ohren.

 

 

 

Fahrzaum individuell zusammen stellen

 

 

Vor allem Jana, die ihr hier auf den oberen Bildern seht, hat einen sehr großen Kopf für ein Shetlandpony. Für sie musste ich fast den gesamten Fahrzaum, mit Einzelteilen individuell für sie zusammenstellen. Der Zaum in Größe Shetty war an vielen Stellen einfach zu eng. Sie trägt einen Stirnriemen und einen Kehlriemen in Größe Pony, der Blendriemen wurde wie oben erwähnt von einem Sattler verlängert und das gerade normale Genickstück mit einem geschwungenen Genickstück getauscht.

 

Meine Top Adresse, um Geschirr-Einzelteile zu kaufen ist das Fahrsporthaus Schairer.

Hier bin ich für die Zwerge immer fündig geworden.

 

Meiner Erfahrung nach muss man bei kleineren Shettys unter einem Meter auch häufig Kopfgestelle aus Shetty und Minishettyteilen zusammenbasteln, weil ihnen einfach keine der beiden Größen gut passt.

 

 

 

Bei Sternschnuppe war es nicht ganz so kompliziert. Sie hat ein typisches Maß eines Original Shettys. Trotzdem trägt sie auch ein geschwungenes Genickstück. Ihren Stirnriemen hatte ich lange Zeit gegen einen schmäleren ausgetauscht, weil der originale mit Kette den ihr auf den ersten Bildern seht für ihren zierlichen Kopf einfach zu klobig war. Mit 10 Jahren ist sie nun voll ausgewachsen und wegen des schöneren Gesamtbildes trägt sie nun denselben Stirnriemen wie Jana.

 

 

Der Spieler

 

Der Spieler erfüllt normalerweise nur einen optischen Zweck und hat ansonsten keinen weiteren Nutzen. Er erzeugt ein einheitlicheres Gesamtbild des Gespanns vor allem dann, wenn weiße Abzeichen an den Pferdeköpfen mit ihm Spiel sind. Ich habe ihn allerdings aus einem anderen Grund ergänzt:

 

 

Sternschnuppe wird ohne Scheuklappen gefahren, deshalb wurden ihre Gabelriemen in Backenstücke ohne Scheuklappen ausgetauscht. Ich habe bei beiden Kopfgestellen den Spieler wieder ergänzt, denn bei Sternschnuppe ist durch den fehlenden Blendriemen der Stirnriemen zu weit nach unten gerutscht. Durch die Gabel der Blendriemen wird der Stirnriemen normalerweise gehalten, weil er ab der Gabelung nicht weiter nach unten rutschen kann. Nun stabilisiert der Spieler den Stirnriemen. Jana trägt ihn zu seinem eigentlichen Zweck und nur für das einheitlichere Gesamtbild.

 

 

 

 

Mit oder ohne Scheuklappe fahren?

 

 

An dieser Stelle möchte ich noch etwas Allgemeines zur Scheuklappe sagen, denn du wunderst dich jetzt bestimmt, warum ich im Zweispänner ein Pony mit und ein Pony ohne Scheuklappen fahre?!

 

Hierzu müssen wir erstmal wissen was für einen Zweck die Scheuklappe überhaupt hat. Denn der Name Scheuklappe lässt vermuten, dass sie verhindern sollen, dass das Pferd scheut. Dies ist nicht ganz richtig, denn die Scheuklappe verhindert nicht, dass unser Pferd erschrickt und dann vielleicht durchgeht.

Das ist ein häufiger Irrtum!

 

 

Es ist unlogisch zu denken, dass das Fluchttier Pferd weniger erschrickt, wenn man es in seiner Sicht einschränkt.

Im Gegenteil.

Ein Pferd kann dadurch sogar deutlich unsicherer sein.

 

Schnuppe ist so ein Pferd. Sie ist glotzig und schnell verunsichert. Die Scheuklappe hat zwar den Vorteil, dass etwas gruseliges schneller wieder aus dem Sichtfeld verschwindet und es somit für das Pferd schneller kein Thema mehr ist. Alles in allem ist sie aber viel sicherer, wenn sie in ihrer Sicht nicht eingeschränkt wird.

 

Vor allem einspännig war es richtig gefährlich mit ihr. Sie hat einfach 180 Grad Wendungen hingelegt, wenn sie vor etwas Angst bekam. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich darauf kam was das Problem ist, denn ich habe viel am Langzügel geübt und da zeigte sie diese Problematik nicht. Ich war sogar schon dabei, das Einspännig fahren mit ihr einfach sein zu lassen.

 

Irgendwann kam ich drauf, dass ich vom Boden aus mit einer normalen Trense übte, natürlich ohne Scheuklappe. Ihre Sicht war nicht eingeschränkt und es gab keinerlei Probleme. Dass die Scheuklappen so ein Problem darstellen war mir bis dahin nicht bewusst, schließlich lief sie ja auch im Zweispänner damit.

Ich überprüfte meine Idee und testete es auch mit Fahrzaum vom Boden aus am langen Zügel. Und siehe da, sie machte wieder ihre 180 Grad Wendungen sobald sie etwas unsicher wurde.

 

Daraufhin spannte ich sie testweise ohne Scheuklappe ein und ich hatte ein anderes Pony. Sie lief viel sicherer einspännig. Es gab keine einzige 180 Grad Wendung mehr. Und auch zweispännig löste sich ein Problem, dass ich vorher gar nicht mit der Scheuklappe in Verbindung gebracht hätte.

Sie zog viel fleißiger.

Davor hat sie sich gerne zurückfallen lassen und Jana die ganze Arbeit machen lassen. Sie wollte einfach nicht richtig ziehen.

 

Ich denke sie hat sich zurückfallen lassen, um Jana im Sichtfeld zu haben. Sie wollte nicht vorne bleiben, weil hier die gleiche Problematik entstand wie einspännig. Sie war ganz allein da vorne, was sie verunsichert hat.

 

 

 

Warum also brauchen wir die Scheuklappen nun überhaupt?

 

 

Natürlich erfüllen sie einen Zweck wie jedes Teil an einem durchdachten System.

Nur mit Scheuklappen können wir in einem Mehrspänner die Pferde einzeln ansteuern! Nur wenn die Pferde die Peitsche nicht sehen ist gewährleistet, dass nur das Pferd auf die Peitschenhilfe reagiert, dass auch reagieren soll. Denn es ist problematisch, wenn ich das etwas faulere Pferd vorwärtstreiben will und das eh schon schnellere Pferd ebenso reagiert.

 

Im Umkehrschluss heißt das, dass man im Einspänner am ehesten auf die Scheuklappe verzichten kann, denn hier haben wir ja eh nur ein Pferd, das gemeint sein kann.

 

Im Zweispänner kann es problematischer werden.

Jana könnte ich nicht ohne Scheuklappe laufen lassen.

Sie reagiert äußerst sensibel auf die Peitsche, wahrscheinlich aufgrund einer nicht so schönen Vergangenheit. Treibende Hilfen muss ich ihr so gut wie nie geben, denn sie reagiert schon auf die Stimme sehr gut und hat sowieso einen sehr fleißigen Vorwärtsdrang. Bei biegenden Hilfen reicht es die Peitsche einfach nur anzulegen. Ich muss sie nicht mal antippen.

Schnuppe muss dagegen öfter mal etwas mit einer treibenden Hilfe motiviert werden. Ohne Scheuklappe würde Jana ständig mit reagieren und es wäre unmöglich eine Harmonie zwischen den Beiden herzustellen. Ich habe also lediglich Glück, dass das langsamere Pony das Problem mit den Scheuklappen hat und ich sie somit auch im Mehrspänner einfach weglassen kann.

 

Und nun wünsche ich dir viel Spaß beim Anpassen und überprüfen deines Fahrzaums.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.