Pferdegestütztes Coaching – sei heute mein Live-Zuschauer

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Janet Metz pferdegestütztes Coaching

Grau, neblig, kalt.

 

Sabine hatte keine Lust jetzt draußen zu sein.

 

Sie wusste auch überhaupt nicht, wie so ein Coaching ihr helfen sollte. Ihre Laune war nicht gerade gut bei der Vorstellung jetzt zu einem pferdegestützten Coaching zu gehen, dass ihr Mann ihr geschenkt hatte. Bei diesem ungemütlichen Wetter, würde sie jetzt viel lieber auf ihrer Couch liegen und ihre Lieblingsserie gucken, als draußen mit Pferden herumzuspringen. Mit Pferden konnte sie auch überhaupt nichts anfangen, damit kannte sie sich nicht aus. Eigentlich waren sie ihr sogar unheimlich.

 

Ihrem Mann zuliebe tat sie es aber doch. Er war der Meinung, dass sie unglücklich sei. Oft antriebslos oder gestresst. Sie hatten oft Streit deswegen. Er denkt, es könnte ihr helfen denn eine Kollegin hatte ganz begeistert von ihrem pferdegestützten Coaching erzählt und wie es sich positiv auf ihr Leben ausgewirkt hatte. Und er hat selbst gesehen wie stark sich das Verhalten dieser Kollegin verändert hatte. Sie war plötzlich viel selbstbewusster und hatte ein viel stärkeres Auftreten. Er war begeistert in welch kurzer Zeit sie sich so positiv verändert hatte.

 

 

Sabine ist eine erfundene Klientin

 

 

Und ich versuche euch heute einmal auf diese Weise bei einem Coachingprozess mitzunehmen. Euch live dabei sein zu lassen. Denn dies ist eine häufige Frage die mir gestellt wird. Wie man sich so ein Coaching mit Pferden vorstellen muss. Es ist schwer zu beschreiben. Und zuschauen kann man bei diesem Prozess auch nicht, denn es findet nur in geschütztem Rahmen statt. Man erlebt es anders als man es wohl je beschreiben könnte. Allerdings kann ich versichern, dass es noch keiner der sich darauf eingelassen hat, bereut hat und es für jeden grandioser war, als er es sich je vorgestellt hätte. Ich spreche hier nicht nur von meiner eigenen Erfahrung, denn auch das Feedback von Kollegen ist sehr, sehr positiv.

 

 

Zurück zu Sabine:

 

 

Ja, Sabine wollte oft ihre Ruhe haben und schlief viel. Sie hatte ja aber auch einen sehr stressigen Job und in ihrer Freizeit einfach keine Lust mehr auf irgendwelche weiteren anstrengenden Aktivitäten. Außerdem verstand sie nicht warum ihr Mann, die Kinder und überhaupt andere Menschen, sie ständig damit nervten. Sie brauchte ihre Ruhezeiten einfach. Auch wenn sie selbst, keinen wirklichen Sinn darin sah und keine Vorstellung davon hatte, was ihr dieses Coaching bringen sollte, wollte sie ihm den Gefallen tun und es eben machen.

 

Aber warum nur, musste gerade heute, dass Wetter so schlecht sein? Sie hatte doch wirklich nie Glück! Das war ja wieder mal typisch!

 

 

Sabine kam auf dem Pferdehof an und ein kalter Windstoß blies ihr unangenehm ins Gesicht als sie aus dem Auto stieg. Es war ungemütlich. Und sie war aufgeregt.

 

Ich empfing Sabine die, wegen des Windes die Nase rümpfte.

„Hallo, Sabine! Wie geht’s dir heute?

„Hallo, ja, ganz gut“ antwortete sie und lächelte zurückhaltend.

„Wie kann ich dir helfen?“, frage ich.

 

Sabine erzählt, dass sie oft sehr viel Stress in der Arbeit hat und sich zu Hause nur noch ausruhen möchte. Sie ist häufig müde. Aber eigentlich kommt sie damit ganz gut zurecht. Ihr Mann hatte ihr diese Coachingstunde geschenkt. Deshalb ist sie nun hier.

 

 

Behutsames kennenlernen der Pferde

 

 

„Hast du schon mal mit Pferden zu tun gehabt?“ frage ich sie.

„Nein“, sagte sie. „Ehrlich gesagt, habe ich etwas Angst“.

„Okay“, antworte ich, „das schaffen wir! Dir wird nichts passieren“. „Ich stelle dir meine Ponys erst einmal in Ruhe vor“. Ich lud Sabine ein, mir zu folgen und wir gingen zum Laufstall.

 

Von dort wiehrte meine Stute Elly schon erwartungsvoll, als sie unsere Schritte hörte. Das ist Elly, sagte ich zu Sabine gewandt. Ich öffnete das Tor und ermunterte Sabine mir zu folgen. Elly trat artig zurück. Elly reckte die Nase in Sabines Richtung. Sie war neugierig wen ich da mitgebracht hatte. Sabine stand etwas schüchtern im Auslauf und ließ Elly nicht aus den Augen. Ich gab Elly ein Zeichen, dass sie ruhig stehen bleiben soll und sagte zu Sabine, sie solle in ihrem Tempo und wie es für sie in Ordnung geht, Kontakt aufnehmen.

 

„Oh, ein hübsches Pferd,“ sagte Sabine und sie streckte ihre Hand Richtung Ellys Nase. Sie war erstaunt wie samtweich sich die Pferdenase anfühlte.

 

Plötzlich bewegte sich auf der anderen Seite des Unterstandes etwas und ein viel kleineres Pony guckte neugierig zu uns herüber. Sternschnuppe wollte wissen was hier los ist.

„Wer ist das?“ fragte Sabine.

„Das ist Sternschnuppe“, antworte ich.

„Oh die ist ja niedlich“, sagt Sabine und ich nehme ein kleines Leuchten in ihren Augen wahr. „Darf ich sie auch streicheln?“ fragt Sabine schüchtern.

„Natürlich“ sage ich. „Tu das, was sich für dich gut anfühlt.“

Sabine ging auf Sternschnuppe zu aber bevor sie, sie erreicht hatte wendete sich das Pony von ihr ab und lief davon.

„Oh, sie mag mich wohl nicht“, sagte Sabine die ein wenig verdutzt aussah. Damit hatte sie jetzt nicht gerechnet.

 

Im Unterstand entdeckte sie Jana, die ganz ruhig dastand und die Augen halb geschlossen hatte.

„Das ist Jana“, sagte ich. Sabine war nun schon mutiger und sie ging auf Jana zu. Jana öffnete die Augen etwas, rührte sich aber nicht vom Fleck. Sabine fasste mit der Hand an Janas Hals.

„Die hat ja eine Menge Fell“, stellte sie fest. Sabine streichelte Jana. Jana stand einfach da und schloß die Augen wieder. „Sie ist wohl müde“, sagte Sabine.

„Ja,“, bestätige ich sie.

 

„Wie fühlst du dich, so nah am Pferd?“ frage ich sie.

„Gut“, sagt sie.

„Fühlst du dich bereit für das Erste Coaching“, frage ich sie?

„Ja, vor den kleinen habe ich weniger Angst als ich gedacht hätte“, sagte sie.

„Sehr gut“, sage ich. „Möchtest du dir ein Pony aussuchen? Mit wem von den dreien fühlst du dich am wohlsten?“

„Das da,“ sagte sie und zeigte auf Jana. „Sie ist so schön ruhig.“ „Die andere ist vorher weggelaufen.“ Okay,“ sagte ich und ging mit Sabine und Jana auf den Reitplatz.

 

Dort angekommen ließ ich Jana auf dem Reitplatz frei. Sie blieb einfach dort stehen wo sie war. Ich erklärte Sabine, dass ich jetzt eine kleine Aufgabe aufbauen würde und sie hier einfach kurz warten solle. Inzwischen war Sabine echt gespannt was jetzt passieren würde. Das Pony war wirklich süß und ihre Laune ein wenig besser als bei der Ankunft.

Ich nahm ein paar Pylonen und baute eine einfache Übung auf.

Als ich fertig war, hängte ich Jana wieder an den Führstrick und erklärte Sabine, was nun ihre Aufgabe ist.

 

 

Erste leichte Aufgabenstellung

 

 

Sie sollte das Pony nun am Führstrick nehmen und es im Slalom durch die Pylonen führen.

„Ach das klingt nicht schwer,“ dachte sich Sabine. Sie fragte noch einmal nach, weil sie sicher gehen wollte, dass sie die Aufgabe wirklich richtig verstanden hatte.

„Genauso“, bestätigte ich ihr und ermunterte sie, loszulegen.

 

Sabine ging mit dem Strick in der Hand einen Schritt los, das Seil spannte sich und sie spürte gleich darauf einen Widerstand. Das Pony stand noch. Jana hatte überhaupt nicht daran gedacht sich mit Sabine in Bewegung zu setzen. Sabine blieb stehen und schaute zu Jana.

„Komm mit“ sagt sie und zupft noch einmal ganz vorsichtig an dem gespannten Seil. Jana ignoriert es. Sie blickt verunsichert zu mir und sagt „sie will nicht gehen“.

„Probier es noch einmal“ ermutige ich sie.

„Wie“, fragt sie.

„Probier es einfach aus“, sage ich. „Es kann gar nichts passieren“, versichere ich ihr.

 

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Hier wird das erste Problem für mich sichtbar

 

 

Hier ganz am Anfang, wird in der Regel schon ein großes gesellschaftliches Problem zum Vorschein kommen, dass in fast allen von uns steckt. Die Angst irgendetwas falsch zu machen. Sabine wird an diesem Punkt keine Tipps bekommen wie sie ihre Aufgabe mit dem Pony nun bewältigen soll. Denn nur so wird sie die negativen sowie auch positiven Emotionen erleben, je nachdem wie sie nun handeln wird. Ich habe ihr, ihr Ziel vorgegeben. Sie muss nun die Resultate ihrer Handlungen alle bewusst erleben um zu erkennen, dass sie selbst es steuern kann wie sie sich fühlt!

 

Wie sie also nun zu ihrem Ziel kommt, muss sie selbst herausfinden. Im Leben läuft es nämlich nicht anders. Hier geht es meist an die ersten Grenzen des Klienten, denn er muss nun lösungsorientiert an seine Aufgabe herangehen um sie zu bewältigen. In der Regel sind wir aber fast alle Problemdenker und nur auf das Problem fokussiert. Nicht auf die Lösung. Wer keine Klarheit hat was er tut und wohin er will, wird das Pferd nur verwirren und es wird nicht folgen. Er wird keine Kontrolle über die Situation bekommen. Genauso wie bei den Pferden, haben wir auch im Leben nur soviel Kontrolle, wie wir auch Klarheit haben und wissen was wir wollen. Und diese Klarheit werden wir von Einheit zu Einheit stärker herausarbeiten und mit der Klarheit gewinnt Sabine Kontrolle, Sicherheit und damit auch Motivation und Lebensfreude! Denn alles wirkt auf alles! Und alles ist mit unseren Handlungen erzeugbar.

 

Viele Menschen stimmen mir bei dieser Aussage nicht zu.  Du vielleicht jetzt auch nicht! Mit Hilfe der Pferde mache ich das spürbar. Es ist dann keine Glaubensfrage mehr, sondern ein Erlebnis, dass sich nicht mehr wegdiskutieren lässt. Es ist eine Erfahrung, die jeden Zweifel, dass du dein Leben nicht selbst beeinflussen könntest, vernichtet! Und aus dieser erlebten Erkenntnis wirst du in Zukunft dein Leben selbstbestimmt gestalten können. Denn nur deine Gedanken hindern dich daran glücklich und erfolgreich zu sein. Nur deine Gedanken lassen Probleme als unlösbar erscheinen.

 

 

Nun aber zurück zu Sabine

 

 

Sabine zupft wieder zögerlich am immer noch gespannten Seil.

„Komm,“ sagt sie vorsichtig.

Ich bin nahe bei den beiden und frage sie: „Wie fühlst du dich“?

„Okay,“ sagt sie. Ich sehe ihr an, dass sie verunsichert ist. „Jana möchte nicht mitkommen“ stellt sie fest.

„Was kannst du tun?“ frage ich sie.

„Ich weiß nicht,“ sagt sie. „Ich kenne mich mit Pferden doch nicht aus“.

„Du denkst, wenn du mehr Wissen über Pferde hättest, würde es besser klappen?“ frage ich sie um ihren aufgeworfenen Gedanken aufzugreifen.

„Bestimmt“, sagt Sabine überzeugt.

„Du kennst dich nicht aus, wie kannst du nun trotzdem zu deinem Ziel kommen?“ frage ich sie.

 

Ich merke bereits wie Sabine dazu neigt einfach zu resignieren und zu akzeptieren, dass sie das eben nicht kann. Sie sieht noch immer nur das Problem. Ein Pony, dass sich nicht in Bewegung setzen möchte. Sie sieht außerdem einen Grund! Die Tatsache, dass sie sich mit Pferden nicht auskennt. Sie richtet ihren Fokus aber noch immer nicht auf Lösungen! Und das ist die einzige sinnvolle Option! Denn alles andere führt nirgendwo hin! Leider liegt der Fokus der meisten aber genau auf den Optionen die nirgendwo hin führen.

 

„Probier es noch einmal“, ermutige ich sie, denn Aufgeben ist hier nun keine Option. Es ist wichtig das Ziel zu erreichen. Ziele zu erreichen oder eben auch nicht, wirken sich positiv oder negativ auf unseren Selbstwert und Selbstrespekt aus. Wer ständig aufgibt, wird demotiviert und sich hilflos fühlen. Dies endet in Antriebslosigkeit.

Ich bemerke wie Sabine immer unzufriedener wird und da sie auch nach erneutem Fragen „was sie tun könnte“ auf keine Idee kam, machte ich ihr einen Vorschlag:

„Möchtest du es mal mit einem Richtungswechsel versuchen?“

Sabines Gesichtszüge verrieten mir wie überrascht sie war.

„Auf die Idee wäre ich nicht gekommen“ sagte sie. Sie erklärte: „Ich dachte ich soll die Aufgabe so ablaufen wie du sie gezeigt hast“.

„Sollst du ja auch“ sage ich. Du sollst dein Ziel verfolgen und erreichen“. Und du sollst aufkommende Probleme lösen, die unterwegs aufkommen.“

„Okay“, sagt Sabine nachdenklich.

„Das WIE entscheidest du! Wie kommst du am Besten zu deinem Ziel?“ frage ich sie erneut.

„Möchtest du es mit einem Richtungswechesl probieren?“ frage ich.

Sabine nahm den Impuls an, drehte um und Jana schloss sich ihr an. In die andere Richtung setzten sich beide nun in Bewegung.

 

„Wie fühlst du dich jetzt?“ frage ich Sabine.

„Gut“ sagt sie.

„Jetzt geht sie ja doch mit!“ stellte Sabine fest und ihr Gesicht hellte sich etwas auf.

„Was macht der Richtungswechsel mit dir?“ frage ich sie.

„Es ist okay“, sagt Sabine. „Jetzt geht das Pony endlich mit.“

„Würde es helfen, wenn du auch im Alltag mal die Richtung wechselst?“

„Hm, vielleicht“, sagt Sabine nachdenklich. „Da habe ich nie drüber nachgedacht“, sagt sie.

 

 

Genaues beobachten von unbewussten Verhaltensmustern

 

 

Ich nehme jedes kleine Verhaltensmuster zur Kenntnis und prüfe immer wieder wie bewusst sich Sabine über ihre Handlungen und ihr Verhalten ist. Sie ist, wie die meisten sehr unbewusst und indem ich sie immer wieder darauf aufmerksam mache, mache ich sie sensibler auf kleine Nuancen die in ihr vorgehen zu achten. Langsam ging Sabine nun mit Jana ihrer gestellten Aufgabe nach und steuerte auf die erste Pylone zu.

 

„Was denkst du. Wie fühlt sich das Pony gerade?“ frage ich sie und lenke Sabines Aufmerksamkeit von sich selbst weg auf Jana.

„Sie findet das blöd“, sagt Sabine wie aus der Pistole geschossen. „Ich glaube sie ist immer noch müde. Eigentlich würde sie jetzt lieber schlafen, wir haben sie ja gestört“.

Ich nehme diese Aussage zur Kenntnis und schiebe die nächste Frage gleich hinterher: „Kennst du das selbst aus deinem Leben? Dass du Dinge blöd findest und müde bist?“

Sabine schaut überrascht! Mit dieser Frage hatte sie jetzt nicht gerechnet. Gerade eben ging es ja um das Pony.

„Ja“, sagt sie zögerlich. „Ich hätte oft selbst gerne mehr Ruhe“.

„Wie geht’s dir damit“ frage ich weiter.

Sabine zuckt mit den Schultern. „Ich weiß nicht“, sagt sie. So ist das Leben halt, oder? fragt sie zurück. Sie wusste nicht recht, was sie dazu sagen sollte. Jana blieb wieder stehen. Sabine auch. „Jetzt mag sie nicht mehr“ stellt Sabine fest.

„Magst DU denn weitermachen? frage ich Sabine.

„Ne, eigentlich nicht,“ sagt Sabine. Ihre Laune verdüsterte sich wieder. Irgendwie sah sie keinen Sinn darin um Pylonen zu laufen, wenn das Pony gar keine Lust dazu hatte.

 

Sie sieht mich fragend an.

„Was möchtest DU nun tun?“ frage ich sie. Sabine war unsicher, was von ihr erwartet wurde.

„Ich weiß nicht“, sagt sie wieder und sah mich unsicher an.

Ich merke, dass sie unsicher ist und sage: „Nichts ist hier falsch! Tu das, was DIR jetzt gerade gut tut“.

„Ich möchte hier mit Jana stehen“, sagt sie!

„Okay,“ sage ich und gebe ihr den Raum es zu tun.

Sie sah Jana an und ihre Mine wurde etwas weicher.

„Wie gehts dir jetzt?“, frage ich sie.

„Gut“, sagt sie.

„Wie geht’s dem Pony?“ frage ich.

„Besser“, sagt sie. „Sie scheint müde zu sein und viel zufriedener, wenn sie nicht laufen muss.“

„Gehts dir auch besser als gerade eben?“, frage ich nochmal nach.

„Ja“, sagt sie.

„Was war vorher schlechter?“ hake ich noch einmal nach.

„Das Laufen mit dem müden Pony war mühsam“.

„Ist dein Leben auch manchmal mühsam? frage ich weiter.

„Ja, kam es plötzlich wie aus der Pistole geschossen.

„Wie findest du das?“ frage ich.

„Scheiße“ sagt sie.

„Was stört dich daran am meisten?“ hake ich weiter nach.

„Ich würde so gerne, mehr mit meinen Kindern unternehmen aber es ist so anstrengend“. „Ich habe einfach zu wenig Zeit, die Arbeit laugt mich aus“.

„Was macht das mit dir?“, frage ich.

„Es macht mich traurig“, sagt sie und in ihren Augen blitzte eine Träne.

 

Sie wollte nicht weinen und versuchte den Kloß im Hals zu unterdrücken. Ich behielt auch Jana im Blick und auf mich wirkte sie überhaupt nicht müde. Sie zeigte deutlich, dass sie Sabines Traurigkeit wahrnahm. Sabine stand neben Jana, eine Hand auf ihrem weichen flauschigen Hals und Jana machte eine klitzekleine Kopfbewegung Richtung Sabine.

„Hast du bemerkt, was Jana gerade gemacht hat?“ frage ich Sabine.

„Nein“ sagte Sabine, „was denn?“

 

 

Bewusster werden

 

 

Immer wieder sehe ich in diesen Situationen, dass Menschen so kleine positive Veränderungen oder Einwirkungen überhaupt nicht wahrnehmen können. Allerdings sind das Blockaden, die unser ganzes Leben negativ belasten können. Es ist wichtig wirklich zu verstehen WAS in uns vorgeht und vor allem auch WARUM es in uns vorgeht. Denn unsere Gefühle sind nützliche Wegweiser zu unserem Glück, wenn wir sie richtig deuten und entsprechend danach handeln. Leider bringt uns das in unserer Gesellschaft keiner bei. Wir drücken alles weg, was sich irgendwie schlecht anfühlt oder suchen nach Gründen und Schuldigen. Dies verbessert die Situation aber nicht! Wenn wir das verstehen, dann können wir es erfolgreich verändern.

 

 

Sabine strich mit ihren Händen über Janas weiches Fell. Jana stand weiterhin ganz ruhig da, war aber hellwach. Sabines Gesichtszüge wurden wieder weicher. Janas Ruhe übertrug sich auf sie. „Wie fühlst du dich jetzt“? „Entspannt“!

„Ok“ sage ich! „Noch was anderes?“ hake ich nach.

„Ruhig“ sagte sie. Jana drehte den Kopf zu Sabine und sah sie mit großen wachen Augen an. „Was macht sie jetzt?“ frage ich. Sabine lachte und meint „sie will mich aufmuntern“. „Gibt es jemanden in deinem Leben, der dich aufmuntert?“

„Meine Kinder“ sagt sie.

„Du sagtest vorher du hast zu wenig Zeit für deine Kinder und bist oft erschöpft von der Arbeit“. „Wie wäre es, wenn du mehr Zeit für die Kinder hättest?“ Ihre Mine erhellte sich noch weiter.

„Das wäre super,“ sagte sie.

„Was hindert dich daran dir diese Zeit zu nehmen?“, frage ich.

„Die Pflichten“ sagt sie und wurde wieder ernst. „Arbeiten, einkaufen, Haushalt schmeißen, bügeln, Schwiegermutter versorgen, alles hängt an mir und dann wollen Mann und Kinder auch ständig irgendetwas von mir. Nach solchen Tagen möchte ich mich nur noch hinlegen und ausruhen.“

„Wie geht’s dir dabei, wenn du diese Liste aufzählst“.

„Schlecht“ sagt sie.

„Was genau, ist schlecht daran?“

„Ich merke daran wie wenig Zeit ich für schöne Dinge habe.“

„Verstehe“, sage ich und frage sie ob sie nun mit Jana noch einmal ihre Aufgabe probieren würde auch wenn es etwas mühsam ist.“

„Ja, ok“ sagt sie und ging wieder los. Es war wieder genauso schleppend wie beim ersten Mal, Jana ließ sich ziemlich betteln. Ich nahm zur Kenntnis wie kurz und fest sie den Strick festhielt. Sabine war von Anfang an, sehr verkrampft.

„Was könntest du tun um deine Situation jetzt zu verbessern?“ frage ich sie.

„Keine Ahnung“ sagt sie.

„Was könnte dir helfen“? frage ich weiter.

„Ich weiß es nicht“, sagt sie erneut.

 

 

Problemdenken

 

 

Ich ließ sie noch kurz weiter probieren. Aber Sabine kam einfach nicht auf eine Idee, wie sie ihre Situation verbessern könnte. Sabine hatte ein Problem, dass sehr viele Menschen haben. Sie sind Problemdenker und sehen nur, dass es gerade nicht klappt und warum es nicht klappt. Oder noch schlimmer, was daran Schuld ist, dass es nicht funktioniert. Es ist nun wichtig, Sabine spürbar zu machen, dass sie es selbst in der Hand hat und beeinflussen kann, wie das hier nun abläuft. Und erkennt, dass es in ihrem Leben ganz genauso umsetzbar ist. Sie kann jeden Tag selbst entscheiden wie ihr Tag verlaufen wird. Sie kann jeden Tag entscheiden, die Richtung zu wechseln.

 

 

Angst die Kontrolle zu verlieren

 

 

Da von ihr selbst immer noch keine Idee kam, half ich ihr nun etwas stärker.

„Was wäre, wenn du den Strick mal etwas lockerer hältst“? frage ich sie.

„Dann habe ich weniger Kontrolle“ sagt sie überzeugt.

„Was würde dann passieren?“, frage ich weiter.

„Sie würde vielleicht weglaufen“, sagt Sabine nachdenklich.

„Vielleicht auch nicht“, antworte ich.

„Hast du in deinem Leben auch Angst die Kontrolle zu verlieren?“ frage ich weiter.

 

Sabine konnte es nicht direkt beantworten.

 

„Wärst du bereit es hier einfach mal auszuprobieren?“ ermuntere ich sie.

„Ja, ok“, sagt sie zögerlich.

„Lass einfach los. Halte den Strick am Ende locker fest“, sage ich.

Sabine tat es und lief mit Jana noch immer nicht schnell, aber nun locker und entspannt durch den Parcours.

„Wie fühlt sich das an?“ frage ich.

„Besser“ sagt sie erleichtert.

„War es immer noch mühsam?“ frage ich sie um ihr Problem vom Anfang wieder aufzugreifen und ihr die Veränderung bewusst zu machen.

„Nein überhaupt nicht“, antwortet sie.

„Wie ist es mit der Kontrolle“? greife auch dieses Thema noch einmal auf.

„Besser als ich mir vorgestellt hätte“, sagte Sabine.

„Welche Erkenntnis ziehst du daraus?“, frage ich sie.

„Dass ich die Dinge etwas lockerer angehen könnte?“ sagt sie noch zögerlich“.

„Ja,“ sage ich.

 

 

Ein guter Gefühlszustand kann selbst von uns erzeugt werden

 

 

Sabine klang mir noch nicht überzeugt genug. Ich will dieses gute Gefühl noch tiefer in ihr verankern und schicke sie deshalb noch einmal in die Aufgabe. „Probier es nochmal,“ sage ich. Sabine lief los und ging mit einer gehorsamen Jana, leicht und locker im Slalom durch den Pylonen-Parcours.

 

„Wie war es jetzt?“, frage ich sie nochmal.

„Super“, sagt Sabine und strahlt jetzt.

„Was nimmst du für dich mit“ frage ich sie.

„Das ich Dinge nicht so ernst nehme und vielleicht auch manches loslassen könnte“, sagt Sabine nachdenklich.

„Was heißt das konkret für dein Leben?“ frage ich weiter. Ich will wirklich sichergehen, dass sie ihre gerade erlebte Erkenntnis nicht nur mit einem Aha abhakt und es am Ende nicht nutzt, sondern dass sie es wirklich tief versteht und zu Hause auch wirklich zur Umsetzung kommt.

„Wo kannst du es anwenden,“ frage ich noch einmal. „Wo willst du es von nun an lockerer angehen?“.

„Indem ich im Haushalt nicht alles so ernst nehme, sagt sie nachdenklich. Da bin ich sehr streng. Es soll immer alles genau und ordentlich sein. Mein Mann will mir oft helfen, aber ich lasse ihn nicht, weil er es nicht gut genug macht. Ich mache das lieber selbst“.

„Wie wäre es, wenn du es nicht so perfektionistisch sehen würdest und dein Mann dir bei den Aufgaben hilft?“ „Würde dir das helfen mehr Zeit zu gewinnen für deine Kinder?“

„Ja“, sagt sie, aber ich bin noch nicht überzeugt, dass sie das wirklich 100% annimmt.

„Was wäre so schlimm, wenn eine Aufgabe nicht so perfekt ausgeführt ist?“ hake ich noch einmal von einer anderen Seite nach. Was würde passieren?“

Sabine stutzt und überlegt. „Keine Ahnung! Eigentlich nichts, sagt sie zögernd.

Ich sehe Erleichterung in ihr und lache sie an.

Sie stimmt erleichtert ein. Ich habe richtig gespürt wie es bei ihr Klick gemacht hat.

 

Hier war ein großer Knoten geplatzt. Sehr häufig neigen wir dazu in unseren perfektionistischen und vermeintlich „vernünftigen“ Denkmustern, Dinge zu riesigen Problemen zu machen wo eigentlich gar keine sein müssten. Und noch schlimmer, wir sind uns nicht darüber bewusst, warum wir das Problem als ein so großes sehen! Werden wir nämlich mit einer konkreten Frage danach gefragt, können wir es sehr oft überhaupt nicht erklären oder begründen! Dies zeigt nichts anderes als, dass wir es in unserem Kopf komplizierter und problematischer machen als es in Wirklichkeit ist. Uns fehlt einfach die Klarheit! Die Gedanken die wir uns im Kopf zusammenspinnen sind nicht immer Realität und schon gar nicht sinnvoll!

 

 

Coachingeinheit abschließen

 

 

Mit dieser Erkenntnis schließe ich die erste Einheit ab. Es ist wichtig, dass jede Einheit mit einer wirklich anwendbaren Erkenntnis endet und der Klient sich gut dabei fühlt. Das ist IMMER mein Ziel und hat oberste Priorität. Die erste Einheit kratzt lediglich an der Oberfläche und gibt mir den ersten Überblick, wie der Mensch tickt und wo er blockierende Baustellen hat. Sabine hat mir nur durch diese kleine Aufgabe, viele ihrer hindernden Verhaltensmuster und Überzeugungen, gezeigt und einige Baustellen aufgemacht, die ich in den weiteren Einheiten noch konkret angehen werde und mit entsprechenden Aufgaben bearbeiten und lösen werde.

 

Bei Sabine sehe ich einen starken Perfektionismus, den Drang immer zu funktionieren und sich selbst dabei zu vergessen. Sie muss lösungsorientierter werden, lernen auch mal um Hilfe zu bitten und ihre Prioritäten besser setzen.

Außerdem benötigt sie mehr Klarheit über das was sie will und was sie nicht will. Sie benötigt ein klares Ziel, einen besseren Selbstwert und Überblick über ihre Situation denn nur so wird sie ihre Motivation und ihren Antrieb zurückgewinnen und sich ein erfülltes Leben aufbauen. Denn Ziele und Antrieb liegen eng beieinander.

 

 

Lebensqualität und Erfolg ist eine Entscheidung!

 

 

Unsere unterbewussten Verhaltensmuster, Gewohnheiten und Überzeugungen sind entscheidend welches Leben wir führen. Unsere Gefühle wahrzunehmen und sie zu verstehen ist die Basis, über die wir es selbst in die Hand nehmen können und unser Leben aktiv zu unseren Wünschen beeinflussen können. Nicht Glück oder Pech ist verantwortlich dafür, wie dein Leben ist. Sondern deine Glaubenssätze und Überzeugungen nach denen du lebst. Du kannst dich jeden Tag neu entscheiden ob du dein Leben weiterlebst wie es ist, oder ob du es zu deinen Wünschen veränderst.

Wofür entscheidest du dich?

 

Liebe Grüße

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